Donnerstag, 1. Oktober 2026

Les morts-vivants


Heilige Scheiße, was geht denn eigentlich schon wieder in Fronkreisch ab?
Sieht aus & hört sich an wie etwas aus dem Intro zu einem Zombie-Film.

"Die von der extremen Linken und „La France insoumise“ gesteuerten Schülerproteste nehmen in #Bordeaux an Fahrt auf!"

 
"Ist das Video echt?"

Grok:
"Ja, das Video ist echt und passt zu den aktuellen Ereignissen.

Am 1. Oktober 2026 (heute) gibt es in Bordeaux und anderen französischen Städten anhaltende und teilweise gewalttätige Schülerproteste (Lycée-Blockaden) gegen schlechte Lernbedingungen, Lehrermangel, überfüllte Klassen und Kürzungen im Bildungssystem.

Dabei wurden mehrfach Mülltonnen und Barrikaden angezündet, Eingänge von Schulen (u. a. Lycée Mauriac und Lycée des Menuts) in Brand gesetzt, und es steigen deutlich sichtbare Rauchsäulen über der Stadt auf. Das bestätigen Berichte und Bilder von AFP, The Local, französischen Medien und Behörden. Es gab Hunderte Festnahmen und Verletzte landesweit.

Das Video zeigt genau solche Rauchwolken über der Skyline von Bordeaux (mit den bekannten Kirchtürmen) und ist mit dem Datum „Bordeaux 1er Octobre 2026“ versehen. Es stammt von einer erhöhten Position (Balkon o. ä.) und deckt sich mit den dokumentierten Vorfällen vor Ort.

PressTV Extra (iranisches Staatsmedium) hat das Material verbreitet, der Inhalt selbst ist jedoch durch unabhängige Quellen gedeckt."

 

 

 

 

 

 

 

 

Omni-ethnisches Marketing


Generative KI:
"Welche ethnische Gruppe soll das Bild repräsentieren?"

Marketing-Fuzzi:
"Alle."

 


"Omni-ethnisch (englisch omni-ethnic) beschreibt ein Konzept, eine Ausrichtung oder eine Gruppe, die alle ethnischen Zugehörigkeiten und kulturellen Identitäten einschließt. Das Präfix „omni-“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „all-“ oder „jeder-“. Häufig wird der Begriff in folgendem Zusammenhang verwendet:

• Marketing und Medien: Kampagnen oder Inhalte, die gezielt so gestaltet sind, dass sie Menschen jeglicher ethnischer Herkunft ansprechen und repräsentieren, ohne sich auf eine bestimmte Zielgruppe zu beschränken." (Google-KI)











Schnarchen in der Todeskammer


"Was ist über die gescheiterte Hinrichtung von Christa Pike in Tennessee bekannt? Wie ist der Gesundheitszustand der Frau und wie wird es für sie in Hinsicht auf die Hinrichtung weitergehen?"

ChatGPT:
"Ja. Der Vorgang ist ungewöhnlicher, als die Formulierung „missglückte Hinrichtung“ zunächst vermuten lässt. Nach dem derzeitigen Informationsstand erhielt Christa Pike tatsächlich beide im Protokoll vorgesehenen Pentobarbital-Gaben – und überlebte trotzdem. Ein vergleichbarer Fall ist in der modernen US-Hinrichtungspraxis offenbar nicht dokumentiert. Bay News 9

Was am 30. September geschah

Die 50-jährige Pike sollte im Riverbend Maximum Security Institution in Nashville hingerichtet werden. Sie war 1996 wegen der 1995 begangenen Ermordung der 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden; Pike war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Am Morgen hatte der 6th Circuit Court of Appeals die Hinrichtung zunächst gestoppt. Der U.S. Supreme Court hob diesen Aufschub später am Tag auf, worauf Tennessee am Abend mit der Hinrichtung begann. Bay News 9

Das Hinrichtungsprotokoll Tennessees verwendet Pentobarbital. Vorgesehen sind zwei Spritzensätze: Wenn der Gefangene nach dem ersten nicht tot ist, wird ein zweiter verabreicht. Was geschehen soll, wenn auch der zweite nicht zum Tod führt, regelt das Protokoll offenbar nicht. ITVX

Genau das trat bei Pike ein. Nach Angaben ihrer Anwälte und der Medienzeugen wurden beide Dosen verabreicht. Pike verlor das Bewusstsein, hatte aber weiterhin einen Herzschlag und atmete. Zeugen berichteten von sehr lautem Schnarchen beziehungsweise röchelnden Atemgeräuschen, kräftigem Ausatmen und zeitweisem Keuchen. Zuvor hatte Pike noch den Kopf gehoben und gefragt, ob sich ihr Arm so anfühlen solle; was genau sie dabei empfand, ist nicht bekannt. Bay News 9

Die zweite Pentobarbital-Gabe war nach Zeugenaussagen gegen 20:26 Uhr Ortszeit abgeschlossen. Noch bis mindestens 20:53 Uhr war Pike hörbar am Leben. Danach wurde das Mikrofon abgeschaltet. Schließlich traf ein Krankenwagen ein und brachte sie in ein externes Krankenhaus. Bay News 9

Das Tennessee Department of Correction erklärte anschließend bemerkenswert knapp, man habe sämtliche Schritte des vorgeschriebenen Protokolls durchgeführt; dieses sehe keine weiteren Maßnahmen vor. Die Behörde bestätigte lediglich, dass Pike in eine externe medizinische Einrichtung gebracht worden sei. Tennessee State Government

Wie geht es ihr jetzt?

Hier ist die Informationslage Stand 1. Oktober 2026, etwa Mittag deutscher Zeit, noch erstaunlich dünn.

Gesichert ist lediglich: Pike hat die Hinrichtung überlebt und wurde lebend ins Krankenhaus gebracht. Ihr Anwaltsteam erklärte ausdrücklich, man sei bislang nicht über ihren medizinischen Zustand informiert worden. Es gibt derzeit keine seriöse öffentliche Bestätigung darüber, ob sie wieder bei Bewusstsein ist, selbstständig normal atmet oder welche neurologischen bzw. organischen Schäden möglicherweise entstanden sind. Bay News 9

Das ist medizinisch nicht trivial. Pentobarbital in der bei Hinrichtungen eingesetzten massiven Dosierung unterdrückt das zentrale Nervensystem und insbesondere die Atmung. Dass Pike nach zwei vorgesehenen Dosen weiterlebte, wirft deshalb die Frage auf, wie viel Wirkstoff tatsächlich in ihren Blutkreislauf gelangte. Ihre Anwälte nennen unter anderem problematischen Venenzugang, „blown veins“ und möglicherweise beeinträchtigtes Pentobarbital als denkbare Ursachen. Das sind momentan aber Behauptungen bzw. Hypothesen der Verteidigung, keine festgestellte Ursache. Bay News 9

Gerade die medizinischen Details dürften ein zentraler Gegenstand der nun angeordneten Untersuchung werden.

Wird Tennessee versuchen, sie noch einmal hinzurichten?

Grundsätzlich ist eine zweite Hinrichtung rechtlich nicht automatisch ausgeschlossen. Das ist ein wichtiger Punkt.

Der historische Präzedenzfall ist Louisiana ex rel. Francis v. Resweber (1947). Willie Francis überlebte 1946 einen Hinrichtungsversuch auf dem elektrischen Stuhl wegen eines technischen Defekts. Der U.S. Supreme Court entschied anschließend, dass ein erneuter Hinrichtungsversuch weder automatisch gegen das Verbot der „double jeopardy“ noch gegen den Eighth Amendment verstoße. Francis wurde 1947 beim zweiten Versuch hingerichtet.

Pikes Situation unterscheidet sich allerdings erheblich: Bei ihr wurde nicht lediglich vor Verabreichung des tödlichen Mittels abgebrochen. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand erhielt sie das komplette im staatlichen Protokoll vorgesehene Verfahren einschließlich der zweiten Medikamentengabe und überlebte. Genau deshalb bezeichnet Robin Maher vom Death Penalty Information Center den Vorgang als „singular and unparalleled“: Andere Gefangene haben abgebrochene Hinrichtungsversuche überlebt, etwa wegen nicht auffindbarer Venen; dass jemand die vorgesehenen tödlichen Medikamente erhalten und dennoch überlebt hat, sei dagegen nicht bekannt. Bay News 9

Das eröffnet Pikes Anwälten wesentlich stärkere Argumente für einen neuen Eighth-Amendment-Einwand gegen „cruel and unusual punishment“: Ein Gericht könnte sich nun mit der Frage beschäftigen müssen, ob der Staat nach dem bereits erlittenen Vorgang dasselbe oder ein modifiziertes Verfahren erneut anwenden darf. Das Ergebnis ist keineswegs vorgegeben.

Vorerst wird nichts geschehen

Gouverneur Bill Lee hat inzwischen eine umfassende unabhängige Untersuchung des gescheiterten Hinrichtungsversuchs angeordnet. Gleichzeitig hat er die noch verbleibende Hinrichtung Tennessees für 2026 gestoppt. https://www.wsmv.com

Für Pike gibt es momentan keinen neuen Hinrichtungstermin. Sollte Tennessee erneut vollstrecken wollen, müsste zunächst ein neuer Termin festgesetzt werden; gleichzeitig ist mit umfangreichen neuen Verfahren ihrer Anwälte zu rechnen. Hinzu kommt, dass bereits vor der Hinrichtung Klagen gegen Tennessees Hinrichtungsprotokoll anhängig waren. Supreme Court

Besonders interessant dürfte daher die Frage werden, warum zwei vorgesehene Pentobarbital-Gaben nicht tödlich waren. Wenn sich etwa herausstellen sollte, dass ein erheblicher Teil des Mittels wegen eines fehlerhaften Venenzugangs ins Gewebe statt in den Blutkreislauf gelangte, wäre das juristisch und medizinisch etwas anderes als ein Versagen korrekt intravenös verabreichten Pentobarbitals.

Im Augenblick würde ich deshalb drei Dinge strikt auseinanderhalten: Pike lebt; ihr genauer Gesundheitszustand ist öffentlich noch unbekannt; und Tennessee hat derzeit keinen zweiten Hinrichtungsversuch angesetzt. Alles darüber hinaus entwickelt sich gerade erst.

https://www.reuters.com/world/us/tennessee-due-execute-woman-first-time-two-centuries-2026-09-30/

https://www.washingtonpost.com/national-security/2026/09/30/execution-tennessee-woman-blocked-by-federal-court-with-hours-spare/?utm_source=chatgpt.com

https://www.afp.com/en/tennessee-woman-hospital-after-execution-failed-lawyers?utm_source=chatgpt.com 

Da sich insbesondere ihr Gesundheitszustand wahrscheinlich in den nächsten Stunden klären wird, kann ich das weiter beobachten und dir Bescheid geben, sobald das Krankenhaus, ihre Anwälte oder Tennessee belastbare Angaben dazu machen."










Mittwoch, 30. September 2026

Rad der Schmerzen


Das Altwerden ist garnicht so langweilig, wie man denken könnte.

"Wie jetzt?! Der Schmerz im Sprunggelenk lässt nach. Cool. Was ist als Nächstes dran? Knie, Schulter, Magen, Ohr? Überrasche mich!"















Montag, 28. September 2026

Das meiste Leben


Wenn das Universum uns gegenüber gleichgültig ist, warum quälen wir uns dann so verbissen mit der Suche nach Sinn? Und wenn sich dieser Sinn nicht finden lässt: Wie soll man trotzdem wach, heiter und irgendwie aufrecht weiterleben? Genau diese Spannung steht im Zentrum von Albert Camus’ Denken. Der Absurdismus ist dabei keine Einladung zur Verzweiflung, sondern eine ziemlich unbequeme Form von Widerstand: die Welt nicht schönreden, sie aber auch nicht verlassen.

Ein Leben, das die Theorie schon kannte

Camus war kein Stubengelehrter, der das Absurde am Schreibtisch erfunden hätte. 1913 in Mondovi in Französisch-Algerien geboren, wuchs er in Armut auf. Der Vater fiel im Ersten Weltkrieg, die Mutter – still, fast analphabetisch, schwerhörig – arbeitete als Dienstmädchen. Die karge Landschaft, die Kolonie, die knappen Verhältnisse: Das alles formte einen Blick, der wenig Illusionen zuließ.

Um ihn herum zerfielen die großen Erzählungen. Naturwissenschaft und neue Philosophien höhlten die alten religiösen Gewissheiten aus, zwei Weltkriege stürzten Europa in ein moralisches Trümmerfeld. Camus beobachtete eine Menschheit, die weiter nach Ordnung, Gerechtigkeit und einem „Warum“ suchte – und auf ein Universum traf, das dazu einfach schwieg. Aus diesem Missverhältnis machte er keine private Melancholie, sondern eine Diagnose.

Was das Absurde eigentlich ist

Das Absurde ist bei Camus nicht die Welt selbst und auch nicht der Mensch allein. Es entsteht dort, wo beides aufeinanderprallt: das unstillbare menschliche Verlangen nach Sinn, Logik und Glück auf der einen Seite – und die stumme, unvernünftige Wirklichkeit auf der anderen. Der Mensch will Klarheit. Die Welt liefert Chaos, Zufall, Wiederholung, Tod.

Wichtig ist der Ton: Das Absurde ist keine Strafe und keine endgültige Verurteilung. Es ist ein Ausgangspunkt. Wer es wegdiskutiert, verfehlt es. Wer es aushält, ohne sich eine tröstliche Hinterwelt zu basteln, gewinnt etwas Seltenes: Nüchternheit. Camus schreibt sinngemäß, der Mensch stehe dem Irrationalen gegenüber und spüre in sich zugleich die Sehnsucht nach Glück und Vernunft. Genau aus dieser Konfrontation wird das Absurde geboren.

Deshalb lehnte er auch das Etikett „Existenzialist“ ab. Andere Denker seiner Zeit versuchten aus der Sinnleere neue Systeme zu zimmern. Camus hielt das für einen Ausweichmanöver. Wo keine universelle Ordnung ist, soll man sie nicht heimlich wieder einschmuggeln.

Sisyphos, der unfreiwillig moderne Held

Um das greifbar zu machen, greift Camus zum Mythos des Sisyphos. Die Götter verurteilen den Listenreichen dazu, einen Felsbrocken den Berg hinaufzuwälzen. Oben angekommen rollt der Stein wieder hinunter. Immer. Ohne Finale, ohne Erlösung, ohne Beförderung.

Man kann das als reine Qual lesen. Camus liest es um. Sisyphos wird zum absurden Helden, weil er die Nutzlosigkeit kennt und trotzdem weitermacht. Der entscheidende Moment ist nicht der Aufstieg, sondern der Abstieg: wenn der Stein schon wieder unten liegt und Sisyphos bewusst den Hang hinuntergeht, um von vorn zu beginnen. Da ist er bei klarem Verstand. Da sieht er sein Schicksal. Und genau dort, sagt Camus, muss man ihn sich als glücklichen Menschen vorstellen.

Warum glücklich? Nicht weil die Strafe aufhört. Sondern weil er sich weigert, innerlich zu kapitulieren. Er ändert das Urteil der Götter nicht. Er klagt nicht auf Revision. Er gibt dem sinnlosen Auftrag eine Haltung. In dieser freiwilligen Wiederaufnahme liegt eine Freiheit, die keine Instanz ihm nehmen kann: weder Himmel noch Bürokratie noch der nächste Montag.

Die Parallele zum Alltag ist unschön genau. Aufstehen, arbeiten, Probleme lösen, nach Hause kommen, schlafen, dasselbe Spiel. Wer nur auf das große Ziel starrt – den endgültigen Sinn, die perfekte Lösung, die letzte Antwort –, dem muss dieses Leben leer vorkommen. Camus dreht die Perspektive: Der Wert liegt nicht im Gipfel, sondern im Schieben selbst. Der Kampf zu den Höhen, schreibt er, genügt, um ein Herz zu füllen.

Das klingt nach Trostpflaster. Es ist eher eine Zumutung. Denn es nimmt uns die Ausrede, erst dann zu leben, wenn die Welt sich endlich erklärt hat.

Drei Auswege – und nur einer hält stand

Camus unterscheidet grob drei Reaktionen auf das Absurde.

Die erste nennt er philosophischen Selbstmord. Man wählt ein fertiges Sinnsystem – eine Religion, eine Ideologie, eine Heilslehre – und hört auf zu fragen. Die Spannung verschwindet, weil man sie für ungültig erklärt. Camus hält das für eine Kapitulation der Vernunft: Man springt aus der unbequemen Klarheit in eine Ordnung, die das Schweigen des Universums übertönen soll. Historisch hat Glaube vielen Menschen Halt gegeben. Philosophisch bleibt für ihn der Sprung ein Ausweichen.

Die zweite Reaktion ist der physische Selbstmord. Wer das Leben ohne Sinn für unlebbar hält, beendet es. Camus lehnt das entschieden ab. Für ihn ist Selbstmord ein Eingeständnis, dass das Leben nicht lebenswert sei – aber keines, das die eigentliche Frage beantwortet. Der Konflikt zwischen Verlangen und Welt wird nicht gelöst, sondern abgebrochen. Wer geht, entzieht sich der Auseinandersetzung, statt sie zu führen.

Bleibt der dritte Weg: das Absurde annehmen und trotzdem leben. Nicht weil es sich lohnt im metaphysischen Sinn, sondern weil uns niemand zwingt, auf eine höhere Genehmigung zu warten. Camus verdichtet das später oft in einer Haltung, die das Video etwas flapsig als „Na und?“ übersetzt: Wen interessiert’s? Warum sich Sorgen machen? Warum nicht?

Das ist natürlich Popularisierung. Bei Camus heißt die ernsthafte Fassung: Revolte, Freiheit, Leidenschaft. Revolte meint: die Sinnlosigkeit nicht leugnen, aber sich ihr auch nicht unterwerfen. Freiheit meint: ohne letzte Instanz wählen. Leidenschaft meint: möglichst viel leben, nicht möglichst korrekt leben. „Nicht das beste Leben zählt, sondern das meiste Leben.“

Praktisch wird daraus weniger ein Lebensmotto für Motivationsposter als eine Arbeitsanweisung: den aufgeschobenen Versuch wagen, den unkonventionellen Weg gehen, sich nicht von der Meinung der anderen lähmen lassen, Misserfolg nicht als Beweis nehmen, dass das Ganze nichtig war. Scheitern gehört zum Stein. Der Stein rollt sowieso wieder runter.

Freiheit, Chaos, Leiden

Aus dem Video – und aus Camus – lassen sich drei Lehren destillieren, die zusammengehören.

Erstens Freiheit. In einer Welt, die uns keinen Plan schuldet, wird die eigene Existenz selbst zum Akt der Auflehnung. Man muss nicht jede Norm zertrümmern. Man muss sie aber prüfen dürfen. Der Sinn des Lebens, so die Pointe, besteht darin, den Sinn selbst zu machen – wissend, dass er vorläufig bleibt.

Zweitens Sinn im Chaos. Die Welt wird nicht ordentlicher, nur weil wir uns anstrengen. Nihilismus liegt in der Luft, Erschöpfung auch. Absurdismus behauptet nicht, dass alles egal sei. Er behauptet, dass Erfüllung nicht von äußeren Meilensteinen abhängt. Seltsam zu erscheinen, weil man den eigenen Weg geht, ist kein Argument gegen den Weg. Das Glück, das daraus entsteht, muss niemandem gefallen.

Drittens das Leiden annehmen. Camus kannte Krankheit, Armut, Krieg, Ungerechtigkeit; Tuberkulose zwang ihn früh, die Zerbrechlichkeit des Körpers ernst zu nehmen. Leiden ist für ihn kein Beweis gegen das Leben, sondern Teil seiner Gestalt. Entscheidend ist nicht, dass man leidet, sondern wie man antwortet. Resilienz entsteht hier nicht aus Optimismus, sondern aus Klarheit: Das Schöne ist vergänglich, also genauer hinsehen.

Camus selbst formulierte den Kern fast boshaft einfach: Du wirst niemals glücklich sein, wenn du weiter suchst, was Glück bedeutet. Du wirst niemals leben, wenn du den Sinn des Lebens suchst.

Der Stein bleibt ein Stein

Man kann Camus vorwerfen, dass aus seiner Revolte leicht ein Lifestyle wird: weniger Gehalt, na und; Traum noch nicht verwirklicht, na und; Risiko, na und. Das Video neigt zu dieser Alltagsübersetzung, und sie hat ihren Reiz. Sie macht aus einer schweren Philosophie eine Haltung für den Feierabend.

Die strengere Lesart ist kühler. Camus verspricht keine Therapie. Er sagt nicht, dass der Stein leichter wird, wenn man ihn liebt. Er sagt, dass wir uns Sisyphos als glücklich vorstellen müssen – nicht weil das Schicksal freundlich wäre, sondern weil nur so das Bewusstsein siegt. Glück ist dann keine Stimmung, sondern eine Entscheidung gegen die Flucht.

Vielleicht liegt darin das Zeitgemäße. Wir leben in einer Kultur, die Kontrolle, Lösungen und erfüllte Biografien verlangt. Camus erinnert daran, dass vieles ungelöst bleibt und trotzdem gelebt werden will. Das Leben ist keine Aufgabe, die man abschließt. Es ist eine Wirklichkeit, die man durchquert.

Also: den Berg hinauf. Den Stein rollen. Zuschauen, wie er fällt. Hinuntergehen. Wieder ansetzen. Nicht weil es einen Sinn gibt, der uns erwartet. Sondern weil wir uns weigern, erst auf ihn zu warten.


Zusammenfassung des Videos Absurdismus: Wie man GLÜCKLICH in einer Welt ohne Bedeutung lebt | Albert Camus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Samstag, 26. September 2026

"Ich wurde vor 13,7 Milliarden Jahren zum Tode verurteilt"


Stoned Meadow Of Doom schlägt mir eine EP von Takashi Mizutani Is Dead mit dem Titel "Kozmik Death Ritual" vor.

Das klingt zu gut, um nicht reinzuhören.


Wer zum Fick ist oder vielmehr war eigentlich Takashi Mizutani?

"Tatsächlich beruht das meiste, was über den vor sechs Jahren verstorbenen Musiker und die Geschichte seiner Band bekannt ist, auf Spekulationen, Hörensagen oder halberinnerten Anekdoten. Die Gruppe nannte sich auf Japanisch 裸のラリーズ, Hadaka no Rarīzu, und ist heute vor allem als Les Rallizés Dénudés bekannt. Und nein, es weiß niemand so recht, was »rallizés« heißen soll – obwohl es dazu einige Theorien gibt...

Fest steht, dass die Gruppe nie ein einziges Studioalbum aufgenommen und nur selten Interviews gegeben hat. Die Fans mussten sich mit einer verstreuten Sammlung von Aufnahmen begnügen, auf der eine sich ständig im Wandel befindliche Live-Band zu hören war, die ihre Songs gelegentlich über die 30-Minuten-Marke hinaus ausdehnte und selbst dann nicht mit dem Spielen aufhörte, wenn ihr jemand buchstäblich den Stecker zog...

Am 30. März 1970 stiegen der ehemalige Bassist Wakabayashi und andere mit Katanas und einer Nagelbombe bewaffnet in ein Passagierflugzeug in Tokio ein. Sie zwangen den Piloten, in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang zu fliegen, wo Wakabayashi bis heute lebt." (Der komplizierte Mythos um Les Rallizés Dénudés)


Mkay, jetzt möchte ich mehr wissen.

"Was kannst Du mir über Les Rallizes Dénudés und speziell den Bassisten Moriaki Wakabayashi erzählen?"

SuperGrok:
"Les Rallizes Dénudés (jap. 裸のラリーズ, Hadaka no Rarīzu) sind eine der mythenumwobensten Bands der japanischen Underground-Geschichte: fast drei Jahrzehnte aktiv, fast keine offiziellen Platten zu Lebzeiten des Frontmanns, extrem laute, feedbackgesättigte Live-Shows, ein ständig wechselndes Line-up – und ein Gründungsmitglied, das 1970 an der Entführung einer Passagiermaschine beteiligt war und bis heute in Nordkorea lebt.

BOMB Magazine | Les Rallizes Dénudés's The Oz Tapes 

Die Band: Kyoto 1967, Feedback als Programm

Die Gruppe entstand im November 1967 an der Doshisha-Universität in Kyoto um den damals 19-jährigen Takashi Mizutani (Wasser-谷 孝, 1948–2019), der Soziologie und französische Literatur studierte. Mit dabei waren Gitarrist Takeshi Nakamura (später Fotograf unter dem Namen Kyo Nakamura) und Bassist Moriaki Wakabayashi. Kurz darauf kam Schlagzeuger Takashi Kato dazu.

Der Name ist bewusst kryptisch. Häufige Erklärungen:

  • Verballhornung von valise dénudée („nackter/leerer Koffer“), angeblich Slang der avantgardistischen Theatergruppe Gendai Gekijo für einen „Hohlkopf“ bzw. ein nutzloses Objekt.
  • Mizutani-Wortspiel mit japanisch rariru (high sein) plus französisch dénudés (nackt) – „die nackten Highs“.
  • Andere Deutungen ziehen Burroughs’ Naked Lunch oder einfach Mizutanis Faible für französische Philosophie heran.

Musikalisch ist das Rezept paradox und sehr wirksam: hypnotisch einfache, oft stundenlang gehaltene Grundmuster (Basslinien, die an Doo-Wop oder sogar Popsongs wie „I Will Follow Him“ erinnern), darüber Mizutanis hallgetränkte, manchmal fast croonende Stimme – und dann lawinenartige Gitarrenwände, Feedback, Fuzz, Phaser. Frühe Einflüsse: Velvet Underground (White Light/White Heat), Blue Cheer, ESP-Disk-Free-Jazz, The Jacks. Die Lautstärke war Programm. Makoto Kubota, der 1970 dazustieß, erinnerte sich: Er habe noch nie so viel Volume erlebt, sein Körper habe geschmerzt.

Die Band spielte in der studentischen Protestzeit – Anpo-Kämpfe, Universitätsbesetzungen, Sanrizuka – auch in politisch aufgeladenen Räumen (u. a. das legendäre „Barricades A Go-Go“-Konzert in einem besetzten Hörsaal). Sie war aber keine Parteiband. Mizutani blieb politisch undurchsichtig; das Line-up wechselte ständig, weil viele Musiker der Szene näherstanden als einer festen Organisation.

Aktivphasen: 1967–1988, dann kurz 1993–1996. Letztes Konzert unter dem Bandnamen: Oktober 1996 im Club Citta’ in Kawasaki. 1997 spielte Mizutani noch mit Arthur Doyle und Sabu Toyozumi. Danach verschwand er fast vollständig. Sein Tod im Dezember 2019 wurde erst 2021 öffentlich, als eine offizielle Website und das Label The Last One Musique (mit Kubota) auftauchten. Seit 2022 erscheinen systematisch restaurierte Archive: The OZ Tapes, Remaster der drei 1991er-CDs (’67-’69 Studio et Live, Mizutani / Les Rallizes Dénudés, ’77 Live), CITTA’ ’93, YaneUra-Mitschnitte 1980, Jittoku ’76, 2026 Disque 4. Das hat den Mythos nicht zerstört, aber endlich hörbar gemacht.

Einstiegspunkte für Hörerinnen und Hörer: ’77 Live (der Klassiker der Bootleg-Ära), The OZ Tapes (1973, vergleichsweise klar), die zarteren Stücke auf Mizutani / Les Rallizes Dénudés (psych-folk, fast das Gegenteil der Live-Hölle) und The Last One in möglichst vielen Versionen – das Stück, mit dem sie Konzerte oft beendeten.


Moriaki Wakabayashi: Gründungsbassist, dann Yodogō

若林 盛亮 (26. Februar 1947 in Kusatsu, Präfektur Shiga) ist der Gründungsbassist – aber nur für wenige Monate. Er kam über die Doshisha-Universität in die Band, hatte nach eigenen späteren Aussagen zuvor kaum Instrumentenerfahrung und verließ die Gruppe um Mai 1968, als sie sich professionalisierte (Probenhaus, fester Schlagzeuger). In seinen Erinnerungen schreibt er ausdrücklich, er habe als Musiker „nichts beigetragen“.

Danach verlagerte sich sein Leben vollständig in die radikale Linke der späten 1960er: Demonstrationen, 1969 Verhaftung bei der Räumung der Yasuda-Aula der Universität Tokio, Haft, nach der Freilassung Anschluss an die Rote-Armee-Fraktion der Kommunistischen Liga (Kyōsandō Sekigun-ha), Vorläuferin der späteren Japanese Red Army.

Am 31. März 1970 gehörte er zu den neun jungen Männern, die Japan-Airlines-Flug 351 (Boeing 727, Spitzname „Yodogō“, Tokio–Fukuoka) entführten. Bewaffnet u. a. mit Schwertern und selbstgebauten Sprengsätzen forderten sie zunächst Kuba, dann Pjöngjang. Nach Zwischenlandungen in Fukuoka und einem Täuschungsversuch in Seoul (Gimpo als „Pjöngjang“ inszeniert) landete die Maschine am 3. April in Nordkorea. Die Geiseln kamen frei; die Entführer erhielten Asyl und leben seither im sogenannten „Japaner-Dorf“ bei Pjöngjang. Wakabayashi steht bis heute auf der internationalen Fahndungsliste.

Wichtige Nuancen, die in der Rockfolklore oft verschwimmen:

  • Er war zum Zeitpunkt der Entführung schon zwei Jahre nicht mehr in der Band. Die Rallizes existierten weiter, mit anderen Bassisten (u. a. Takashi Tada, später Makoto Kubota, Mikio Nagata, „Doronco“).
  • Die Entführung war kein „Band-Akt“. Mizutani und die übrigen Mitglieder waren nicht beteiligt. Gerüchte, Mizutani sei gefragt worden und habe abgelehnt, kursieren; belastbar belegt ist das nicht.
  • Der Vorfall färbte trotzdem auf das Image: Paranoia-Geschichten um Mizutani, ein Bootleg-Titel wie Yodo-Go-A-Go-Go, die dauerhafte Verknüpfung von Feedback-Mythos und militanter Neuer Linker.

In Nordkorea heiratete Wakabayashi 1976 Sakiko Wakabayashi. Das Paar hat zwei Söhne; beide kehrten später nach Japan zurück (2002 bzw. 2009). Die japanische Polizei wirft seiner Frau Beteiligung an Entführungsfällen von Japanerinnen in Europa vor; auch sie ist international ausgeschrieben. Die Yodogō-Gruppe selbst bestreitet die Vorwürfe und hat darüber Bücher veröffentlicht. Historisch fest steht: Die Gruppe wurde von Nordkorea aufgenommen, blieb dort gebunden, und mehrere Mitglieder starben im Exil. Stand September 2026 gelten nach Berichten über den Tod von Shiro Akagi noch drei der damaligen Entführer als in Nordkorea lebend, darunter Wakabayashi (79).

2010 sagte er der Agentur Kyodo, die Entführung sei „selbstsüchtig und eingebildet“ gewesen; er wolle nach Japan zurückkehren und sich einem Prozess stellen. Eine Rückkehr kam nicht zustande. Er schreibt weiter Essays und Erinnerungsserien (u. a. Lock und Revolution in Kyoto 1964–1970 bei Rokusaisha), trifft gelegentlich Besucher (1999 den Komiker Egashira 2:50, 2011 den Musiker Funky Sueyoshi) und äußerte sich sogar zu Popphänomenen wie Babymetal. Das ist weniger „Rockstar im Untergrund“ als ein alter Revolutionär im staatlich kontrollierten Exil, der seine Jugend nachträglich als Kontinuum von Beatlemanie, Langhaar-Revolte, Band und bewaffnetem Kampf erzählt.


Was das für die Band bedeutet – und was nicht

Die Verbindung ist real, aber oft übergewichtet. Wakabayashi war Gründungsmitglied und verließ die Gruppe, bevor der Sound, für den die Rallizes berühmt wurden, voll ausformuliert war. Die großen Live-Dokumente (’77 Live, OZ 1973, YaneUra 1980, Citta’ 1993) haben andere Rhythmusgruppen. Politisch bleibt die Band ein Spiegel der Kyotoer 68er-Szene, nicht deren bewaffneter Arm.

Zugleich erklärt die Geschichte einen Teil des Kults: extreme Lautstärke als körperliche Erfahrung, Verweigerung des Musikmarkts, ein Frontmann im Schwarz und hinter Sonnenbrille, Bootlegs statt Katalog, und daneben die Tatsache, dass einer der Gründer in einem der spektakulärsten Fälle der japanischen Nachkriegsgeschichte endete. Julian Cope hat das in Japrocksampler zur Legende verdichtet; die neueren Archive und Kubotas Interviews versuchen, den Mythos durch Tapes, Setlists und Erinnerungen von Mitspielern zu ersetzen, ohne ihn ganz aufzulösen.

Wenn du als Nächstes tiefer einsteigen willst: lohnt sich ’77 Live plus die frühen Studio-/Folk-Stücke auf Mizutani, dazu Wakabayashis eigene Kyoto-Texte (sie sind subjektiv und apologetisch, aber eine der wenigen Ich-Quellen zur Gründungszeit). Die offizielle Seite ist lesrallizesdenudes-official.com."