"Was ist Grok Bot? Kann ich von hier aus darauf zugreifen?"
Super Grok: "Grok Bot ist ein separates Produkt von xAI (dem Unternehmen hinter mir, Grok), das seit Mitte August 2026 in der Early-Beta verfügbar ist. Es handelt sich um „AI-Teammates“ – autonome KI-Kollegen, die echte Arbeit erledigen, statt nur zu chatten.
Was Grok Bot genau macht
Im Gegensatz zu mir (dem konversationellen Grok, mit dem du hier sprichst) bekommt jeder Grok Bot einen eigenen Cloud-Computer. Darauf kann er sich in deine Tools und Apps einloggen (z. B. Gmail, Salesforce, Zendesk, LinkedIn, Browser-Tools usw.), genau wie ein Mensch klicken und tippen und Aufgaben von Anfang bis Ende ausführen. Du gibst ihm Aufträge per Chat (ähnlich wie einem Kollegen), und er kommt mit fertigem Ergebnis zurück – oder holt deine Freigabe, wenn nötig.
Beispiele aus der Praxis:
Overnight Pipeline generieren, Prospects recherchieren und Outreach-Sequenzen in deinem Stil vorbereiten.
Support-Tickets abarbeiten.
Rückerstattungen und Rabatte nachverfolgen.
Routinen lernen, indem du einmal etwas zeigst, und sie danach selbstständig wiederholen.
Mehrere Bots parallel laufen lassen (einer für Sales, einer für Reporting, einer als „Chief of Staff“), die auch untereinander kooperieren können.
Sie laufen 24/7 weiter, auch wenn dein Laptop zu ist, und behalten Kontext über Zeit.
Es gibt den offiziellen Account @bot auf X und die Seite https://x.ai/bot.
Unterschied zu mir (Grok)
Aspekt
Grok (ich)
Grok Bot
Hauptzweck
Gespräch, Recherche, Analyse, Bilder, Code usw.
Autonome Erledigung realer Arbeitsaufgaben
Infrastruktur
Chat-Interface
Eigener Cloud-Computer + Tool-Zugänge
Verfügbarkeit
Hier, grok.com, Apps, X
Eigene Desktop-/Mobile-App + Web
Status
Voll verfügbar
Early Beta (Stand August 2026)
Viele Leute sagen umgangssprachlich auch „Grok Bot“ zu mir oder zum @grok-Account auf X – das ist aber etwas anderes.
Kannst du von hier aus darauf zugreifen?
Nein, nicht direkt aus diesem Chat.
Hier bist du bei mir, dem konversationellen Grok. Grok Bot ist ein eigenständiges Produkt mit eigener App und Interface.
Es gibt Downloads für Windows, macOS (Apple Silicon) und weitere Plattformen sowie iOS-Unterstützung.
Zugang haben aktuell vor allem Abonnenten von SuperGrok Plus / Heavy, Cursor Pro+ / Ultra und Cursor Teams. Für andere Nutzer gibt es eine kostenlose Testphase mit begrenzter Nutzung.
Bereits bestehende berechtigte Pläne können sich direkt anmelden.
Die Beta ist noch früh – Interface und Dokumentation reifen noch, und es richtet sich an Nutzer, die KI echte Tools und Computer anvertrauen wollen.
"Verlobter, Polizei und Wildhüter schauten zu: Bär fraß Frau im Altai-Gebirge."
"Gleich drei Vorfälle mit Bären hat es russlandweit in der Nacht von
Dienstag auf Mittwoch gegeben. Einer davon, im Altai-Gebirge, endete
tödlich und wirft Fragen über das Verhalten von Polizei und Wildhütern
auf."
In der Tat, ja - das wirft Fragen auf. Haben die wenigstens beim Zugucken ein Video gemacht & das irgendwo gepostet?
Ich finde es nur fair, daß so ein Bär sich ab & zu einen von diesen Zweibeinern einverleibt, die gern zum Zeitvertreib schwer bewaffnet durch die Gegend ziehen und Bären erschiessen:
"Seit meiner ersten Jagdreise in den Altai haben mich seine Schönheit und sein legendärer Wildreichtum gefesselt. Steinböcke und Argalis ziehen dort ihre Fährten und 4 Hirscharten: Maral und Elch, Sibirischer Rehbock und Moschustier. Wolf, Luchs, Fuchs und Bär durchstreifen die Berge. Damals habe ich viel gesehen und kam doch ohne Beute nach Hause. Nun bin ich zurück im Südaltai, 5 Reitstunden von der kasachischen Grenze entfernt. Die Bären haben mir keine Ruhe gelassen. Die mythischen Herrscher im Gebirge – unvorstellbar stark, vorsichtig und stets gefährlich.
Eben treffen wir nach 6-stündigem Ritt am einsamen Camp ein, einem urigen Blockhaus am Fluss, 1.200 Meter hoch gelegen. Nur Oberjäger Jewgeni hat seinen Schimmel den Steilhang emporgejagt. Jetzt galoppiert er herbei: Direkt über uns treibt sich ein starker Bär herum. Schon reiten Jagdfreund Jürgen und ich mit unseren Guides die nächsten beiden Seitentäler hoch. Kaum liege ich neben Misha, dem Chef, im Gras, fallen auch schon Schüsse. In den ersten 30 Minuten seiner Jagdreise hat Jürgen einen kapitalen 15-jährigen Braunen erlegt, stehend freihändig auf 60 Schritt. Den Alten der Berge, mit abgeschliffenen Zähnen und riesigen Krallen an den Vorderpranken.
„Er lag da wie eine Sphinx und schaute mich an“, sagt Jürgen. Fortan wird er sich im Camp in der Frühlingssonne fläzen und mit unserer Dolmetscherin Aljona Speisepläne entwerfen. Als Arzt weiß er, worauf es jetzt ankommt: Puls ruhig halten und sich nicht wundliegen.
In dem südostpolnischen Dorf Pielnia hat ein 56-jähriger Landwirt
mit einer Flinte auf der Jagd nach einem Fuchs im Hühnerstall seine Frau
erschossen.
Als er auf den Hühnerdieb, der ihm schon mehrere
Hühner geraubt hatte, Dampf machte, durchschlug ein Teil der Schrote ein
Fenster und verletzte die dahinter stehende Frau tödlich. Der Fuchs
wurde nur leicht angebleit. Wie die polnische Nachrichtenagentur PAP
berichtet, geht die Polizei von einem Unfall aus. Der Landwirt wurde
aber vorübergehend festgenommen."
"Tapinoma magnum kann beim Eindringen in Gebäude zum einen
Schäden an Fassaden und der Elektrik verursachen, zum anderen führt ihr
massives Auftreten zu starker Belästigung in Gebäuden und Gärten. Eine
Gesundheitsgefahr für Menschen besteht nicht.
Da die Art ihre weit verzweigten Nester gern in Siedlungsbereichen
anlegt, wird ein Befall meist durch Unterhöhlung von Fundamenten,
Gehwegplatten und Pflastersteinen bemerkt. An den Nesteingängen kommt es
zum Auswurf von Sand und Erde. Auf der Suche nach Wärme und Nahrung
dringen Arbeiterinnen auch in Gebäude ein. Dabei kann es zu Schäden an
der Infrastruktur (Störung der Stromversorgung und des Internets)
kommen.
Es ist fast unmöglich eine bereits etablierte Superkolonie, die mehre
Quadratkilometer besiedeln kann, komplett zu tilgen. Eine Eindämmung des
Befalls ist aber bei frühem und konsequentem Handeln möglich." (Umweltbundesamt.de)
"Mal wieder breitet sich eine eingeschleppte Tierart in Deutschland aus.
Die Große Drüsenameise sorgt für Stromausfälle, gesperrte Spielplätze
und besorgte Eltern. Jetzt rüsten die betroffenen Städte auf." (gmx.net)
"Im Mülleimer wimmelt es. Zwischen Bierdosen,
Zigarettenpackungen und Kassenzetteln holt Karen Eßrich einen
Getränkebecher hervor. Sind das Kaffeereste auf dem Boden? "Nein", sagt
die städtische Mitarbeiterin.
Ehe sie fortfahren
kann, löst sich die wimmelnde Masse in Einzelteile auf. Hunderte
Ameisen schießen aus dem Becher hervor, innerhalb von Sekunden krabbeln
sie über Finger, Hand, Unterarm. "Wenn man sie stört, werden sie
aggressiv", sagt Eßrich. "Und wenn man sie zerdrückt, riechen sie wie
ranzige Butter."
Beim Spielplatz vorm Alten Bahnhof hält die Koordinatorin kurz inne:
"Schauen Sie, da schleppen sie ihre Brut." Eßrich macht sich eine Notiz
zu der Ameisenstraße. "Den Spielplatz müssen wir absperren und den Sand
unterspülen."
In Karlsruhe beendet Karen Eßrich ihren Rundgang am Schulzentrum. Neben
der Tischtennisplatte haben sich die kleinen Krabbler auf eine tote
Schabe gestürzt; eine Ameisenstraße verläuft über den Schulhof bis ins
nahegelegene Mauerwerk.
"Hier haben wir sie vor Kurzem erst bekämpft", sagt
die Koordinatorin. Sobald aber Schülerinnen und Schüler ihr Frühstück
auspackten, kämen auch die Ameisen aus ihren Verstecken hervor.
"Besorgte Eltern rufen mich an, weil sie in Schulranzen krabbeln", sagt
Eßrich.
Hat sie trotzdem Hoffnung, dass die
Ameisen wieder verschwinden? Karen Eßrich sagt, sie wäre schon
zufrieden, wenn die Ausbreitung eingedämmt würde. Wenn frustrierte
Anwohner keine dubiosen Nervengifte im Internet bestellen, die Menschen
und Haustiere gefährden."
"Also, ich bin im Supermarkt und es ist einer dieser Tage, an denen die Luft sich anfühlt wie nasse Wolle, und ich stehe in der Würzmittelabteilung und starre auf eine Wand aus Senf, und es müssen mindestens fünfzig verschiedene Gläser sein.
Manche davon sind, na ja, handgemacht. Manche haben diese kleinen Zeichnungen von Sonnenschein und Bauernhöfen darauf. Manche sind, schätze ich, mit Honig versetzt, für Leute, die den Geschmack von echtem Senf irgendwie zu konfrontativ finden oder so.
Und ich stehe einfach nur da, halte ein Glas in der Hand, und es trifft mich, dass ich nichts davon will. Nicht nur den Senf – alles, die ganze Struktur, den Laden, den Job, den ich angeblich kultivieren soll, damit ich mir noch mehr überteuerten Senf kaufen kann, das gesamte Skript. Und es fühlte sich an, als wäre ich drei Stunden zu spät in einen Film gekommen und alle tun so, als müsste ich die Handlung kennen. Aber die Handlung besteht nur aus einer Menge abgelenkter Leute, die nicht merken, dass sie in einem brennenden Gebäude stehen.
Also habe ich den Einkaufswagen einfach mitten im Gang stehen gelassen, zwischen den Gurken und der Mayo. Ich habe die Sachen nicht mal zurückgestellt, was, wie ich weiß, ein beschissener Move ist, aber ich musste da raus. Und ich bin einfach auf den Bürgersteig rausgegangen und habe eine Minute dagestanden. Und zum ersten Mal seit ziemlich langer Zeit habe ich tatsächlich einen tiefen Atemzug genommen, der bis ganz unten in meine Lungen reichte, und er war kalt und schmeckte nach Abgasen, aber er war echt. Und ich fühlte mich irgendwie befreit – für eine Minute zumindest.
Es gibt eine ganz bestimmte Art von Stille, die ich derzeit bemerke und die du vielleicht auch schon gespürt oder irgendwie wahrgenommen hast. Es ist allerdings nicht die schöne Art von Stille, die man mitten im Wald an einem schönen Tag erlebt. Es ist eher diese schwere, statische Stille, die man direkt nach einem Autounfall spürt, bevor man überhaupt realisiert hat, dass man verletzt ist.
Immer mehr Leute bleiben einfach stehen, und es wird langsam unmöglich, das zu ignorieren. Sie schauen sich die sogenannten Meilensteine ihres Lebens an – die dysfunktionale Karriereleiter, den wahnsinnig teuren Hochschulabschluss, vielleicht die Hypothek, die sie sich eigentlich nicht leisten können. Und sie hinterfragen das alles ernsthaft, weil es einfach nicht funktioniert.
Wir alle sind in diesem seltsamen, nach Pappe schmeckenden Optimismus aufgewachsen. Was ich damit meine ist: Man jagt all den üblichen Requisiten hinterher, bis irgendwann die Maske verrutscht und man irgendeine Krise hat, in der sie komplett abschmilzt, und alles, dem wir vertrauen sollten, stellt sich in irgendeinem Maß als räuberisch heraus.
Die Politiker sind im Grunde nur eine Bande Narzissten in Anzügen, die ein Spiel spielen, bei dem Preis unsere Aufmerksamkeit ist. Die Wirtschaft läuft im Wesentlichen darauf hinaus, dass drei riesige Konzerne in einem Trenchcoat herumlaufen, dir die Taschen leeren und dir gleichzeitig erzählen, du solltest dankbar dafür sein. Und sogar das Spirituelle. Das ist alles nur Betrug, der falsche Hoffnung und diese toxische Positivität verkauft, und es ist erschöpfend.
Es ist, als würde man entdecken, dass die eigenen Eltern gar nicht die eigenen Eltern sind. Dass es einfach nur zwei Fremde sind, die einen die letzten zwanzig Jahre zum Abwasch angestellt haben. Und man wird nicht einmal mehr richtig wütend. Oder man wird es, aber man merkt, dass es sinnlos ist. Also wird man einfach still.
Und vielleicht beginnt man, wenn man still wird, sich aus diesen Drähten zu entwirren, in die man verwickelt war. Und dann sind da die Monster, die diese ganze Show leiten, die Autokraten, die gerade den 24-Stunden-Nachrichtenzyklus komplett überfluten. Und das Seltsamste daran ist, dass niemand mehr wirklich überrascht ist, weil es alles normalisiert wird.
Es gibt tatsächlich einen Begriff dafür, was gerade passiert. Er heißt Hypernormalisierung. Dieser Begriff stammt aus den letzten Tagen der Sowjetunion in den späten 1980er Jahren. Damals wusste jeder, dass das Geld Fake war und die Anführer halluzinierten, aber alle taten so, als wäre alles normal, weil sie sich eine Welt, die keine Lüge war, nicht vorstellen konnten.
Und genau in diesem Theater befinden wir uns jetzt – dem Theater des Absurden, in dem die Schauspieler alle betrunken sind und die Kulisse schwelt und verrottet wie eine Müllhalde, und der Rest von uns sitzt auf den billigen Plätzen und fragt sich, ob das Popcorn bio ist. Und wir keuchen nicht einmal mehr auf, wenn eines dieser Monster entlarvt oder beim Namen genannt wird. Wir absorbieren es einfach, fragen uns und einander, warum wir nicht auf die Barrikaden gehen – und scrollen weiter.
Niemand will der Erste sein, der die Revolte anfängt. Also häufen wir es einfach an, wir schmeißen alles auf den Haufen, und wir alle sind – ob wir es wollen oder nicht – Vielfraße mit einem kaputten Schock-Messgerät.
Und wenn man einmal realisiert, dass das Spiel manipuliert ist – nicht nur ein bisschen schief, sondern von Grund auf so konstruiert, dass es einen auffrisst –, dann ist der einzige intelligente Zug, einfach nicht mehr an diesem Tisch zu sitzen. Nicht, dort weiterzusitzen und härter zu spielen oder besser zu strategisieren oder so.
Manche Leute nennen das Faulheit. Ich sehe es als eine Massen-Evakuierung. Wir ziehen den Stecker, weil – ganz ehrlich – die Steckdose langsam Funken sprüht und das Haus nach Ozon riecht.
Ich glaube, unter diesen Umständen verlieren viele Leute das Interesse an Dingen, die ihnen früher wichtig waren, und sie verlieren auch das Interesse, irgendetwas Neues zu entdecken. Und das hat einen Grund. Wenn du dieses seltsame, schwere Taubheitsgefühl spürst: Lass dir von den Leuten, die die Pillen verkaufen, nicht einreden, du seist kaputt. Du bist nicht kaputt. Du reagierst endlich auf eine Welt, die zu giftig und viel zu verlogen geworden ist, um sie noch auf die alte Art genießen zu können.
Wir treten in eine Phase der Entflechtung ein. Das ist nichts Schlechtes, aber es ist schwierig. Wir nehmen die Hände von den Kontrollen und schauen zu, wie das Schiff untergeht – weil wenigstens das Wasser echt ist. Und die Lage ist so schlimm geworden, dass wir lieber Authentizität haben, selbst wenn das bedeutet, sie im Zustand des Zusammenbruchs zu erleben.
Ich habe neulich etwas über die Banks-Kiefer gelesen. Es ist dieses ziemlich knorrig aussehende Ding, das aussieht, als hätte es ein hartes Leben gehabt, und es interessiert sich nicht für dein Mitleid – aber es macht eine interessante Sache. Seine Zapfen sind mit diesem unglaublich dicken, sturen Harz verschlossen und sitzen jahrelang an den Zweigen. Regen öffnet sie nicht. Sonne kann sie nicht öffnen. Sie sehen eigentlich tot aus. Aber das Harz ist ein Schloss. Es ist ein Versiegelungsmittel. Und der einzige Schlüssel, der dieses Schloss öffnet, ist ein Waldbrand.
Der Baum wartet also tatsächlich darauf, dass seine Welt abbrennt, bevor er entscheidet, seine Samen freizugeben. Er braucht die Hitze und die absolute Zerstörung von allem um ihn herum, um dieses Versiegelungsmittel zu schmelzen. Es ist in gewisser Weise ein Überlebensplan, der darauf basiert, dass die Dinge erst viel schlimmer werden müssen, bevor sie wieder echt sein können.
Das sind wir. Das ist diese Taubheit, die wir alle in dieser Hypernormalisierung mit uns herumtragen. Es ist keine Fehlfunktion. Es ist eine Versiegelung. Dein Gehirn hat sich das digitale Geschrei und die Fake-Realität und diesen ganzen zusammenbrechenden Zirkus der modernen Welt angeschaut und beschlossen, die Türen abzuschließen.
Ich denke daran wie an eine heilige Pause. Du bist nicht depressiv im unternehmerischen Sinne. Du bist dormant. Du wartest darauf, dass das Feuer seine Arbeit tut und irgendwann aufhört. Und ja, es ist auf so viele Arten schmerzhaft – aber es führt kein Weg daran vorbei.
Wir haben so viele Jahre in einer Proxy-Version von uns selbst gelebt. Du kennst diese Person. Die auf dem Bildschirm, die sich tatsächlich noch um den Algorithmus gekümmert hat. Aber diese Version von dir war eigentlich nur eine Marionette. Und es ist schwer, weiterzutanzen, wenn man endlich die dicken, schmierigen Fäden sieht, die an den Handgelenken befestigt sind.
Die Leere, die du spürst, wenn du auf dein Handy schaust, ist nicht unbedingt immer etwas Schlechtes. Das ist die Stille, die eintritt, wenn eine falsche Identität endlich aufhört, nach Aufmerksamkeit zu schreien. Es ist, als würde ein Kühlschrank, der zehn Jahre lang im Hintergrund gesummt hat, endlich abschalten. Du hast gar nicht gemerkt, wie sehr dich dieses Geräusch runtergezogen hat, bis es aufhörte.
Wir sind darauf programmiert worden, den Kick zu begehren – den nächsten Kauf, die nächste Benachrichtigung und so weiter. Aber irgendwann hat dieser Kick angefangen, sich wie ein Tief anzufühlen. Also ist die Seele – oder wie auch immer man den Teil von einem nennen will, der nicht käuflich ist – einfach in den Keller gegangen und hat die Tür abgeschlossen. Es ist erzwungene Langeweile, und es ist der einzige Weg, die eigene Stimme über dem ganzen Marketing zu hören.
Es ist ein seltsames Gefühl, aus der eigenen Kultur herauszuwachsen. Es ist wie ein Anzug, der zwei Nummern zu klein ist. Man bewegt sich und hört Reißgeräusche. Und die Rituale, auf die wir uns früher verlassen haben, sind nur noch Schatten.
Nimm die Feiertage zum Beispiel. Es ist einfach nur eine Pflichtaufführung in einem Stück, das schon viel zu viele Spielzeiten läuft. Du sitzt da, reichst die Kartoffeln an Leute weiter, mit denen du DNA teilst, aber keine gemeinsame Realität, und wartest, bis die Uhr auf zehn oder was auch immer springt, damit du dich in dein Zimmer zurückziehen und dissoziieren kannst.
Sogar die Hobbys fühlen sich leider leer an. Man versucht, ein Spiel zu spielen oder irgendwas zu malen, und es fühlt sich einfach wie eine viel schwerere Last an, als es sein sollte. Und das liegt nicht daran, dass man faul ist. „Faulheit“ ist normalerweise nur ein Unternehmenswort für eine Seele, die sich weigert, Treibstoff für die Maschine zu sein.
Die Hobbys waren im Grunde nur Schalldämpfer, die den Sound der Korruption der Welt gedämpft haben. Aber jetzt, wo man das Monster gesehen hat, funktionieren die Schalldämpfer nicht mehr, und man befindet sich in einem Zustand wie einer monotonen Grundlinie. Die Farbe hat die Welt nicht wirklich verlassen. Es ist nur so, dass die Augen sich daran angepasst haben, dass der größte Teil der Farbe sowieso nur neonfarbene Werbung war.
Und das ist der eigentliche Haken: Wenn deine Interessen stumpf werden, lässt die Welt dich nicht einfach in der Stille sitzen. Die Welt gerät in Panik und schickt das Optimierungs-Kommando. Das sind die Leute, die einem erzählen, dass man, wenn man nicht die ganze Zeit leidenschaftlich für sein Leben brennt, sich nicht genug anstrengt. Und sie erzählen einem, dass die Auszeit nicht einfach nur Auszeit sein darf, in der man nichts tut. Sie soll Selfcare sein – aber nur die Art, die deinen Arsch am Montag wieder back to work bringt.
Es gibt nie wirklich Zeit, einfach nur zu sein. Es geht immer ums Tun. Und sie wollen, dass man die wenigen Dinge, die man tatsächlich genießt, in Nebentätigkeiten verwandelt. Und dann soll man den Schlaf mit einer App tracken. Die Schritte zählen, als wäre man ein Gefangener in einem Hightech-Gefängnishof. Sie erwarten, dass man die Meditation perfektioniert, damit man produktiver darin wird, ruhig zu sein.
Es ist eine ganz besondere Art von Hölle, wenn einem gesagt wird, dass sogar die Erholung eine Rendite abwerfen muss.
Ich erinnere mich an eine Zeit, in der man einfach schlecht in Dingen sein konnte. Man konnte eine Gitarre in die Hand nehmen und zwanzig Jahre lang drei Akkorde schlecht spielen, und das war in Ordnung. Man musste keine Marke aufbauen oder so. Man hat keinen Content produziert. Man war einfach jemand, der gerne ein bisschen Krach machte.
Aber heute, wenn man es nicht aufnimmt, wenn man die Interessen nicht nutzt, um ein Proxy-Selbst aufzubauen, das völlig Fremden beeindruckend vorkommt, behandelt das System einen, als wäre man eine kaputte Maschine oder ein Defekt.
Deshalb fühlen sich die Dinge, die man tatsächlich gerne tut, so schwer an. Weil das System unsere Vorstellungskraft kolonisiert hat und unser Spiel in nonstop Arbeit verwandelt hat.
Alan Watts hat übrigens ausführlich über die Bedeutung des Spiels gesprochen. Es war eines seiner zentralen Themen. Jedes Mal, wenn man den Pinsel in die Hand nimmt oder dieses Videospiel startet oder was auch immer – da ist diese kleine Stimme im Hinterkopf, und sie klingt irgendwie wie ein mittlerer Manager und fragt: „Na, wie trägt das eigentlich zu deinem persönlichen Wachstum bei?“
Diese monotone Grundlinie, die du gerade vielleicht spürst – das ist einfach die Art und Weise, wie deine Seele streikt. Sie weigert sich, für einen Markt, dem sie egal ist, noch irgendetwas zu produzieren. Es ist ein Sitzstreik in der Fabrik des Geistes.
Man hat uns die Idee verkauft, dass Leidenschaft der natürliche Zustand eines gesunden Menschen sei. Das ist sie nicht. Leidenschaft ist ein Fieber. Sie ist ein vorübergehender Spike. Sie kommt und geht. Niemand kann ewig bei dieser Temperatur leben, ohne irgendwann die Leitungen durchzubrennen. Und das gilt für alles im Leben, auch für Beziehungen.
Der größte Teil der Menschheitsgeschichte wurde in einer Grauzone gelebt. Im Alltäglichen, im Ruhigen, im Repetitiven, im Langweiligen. Trotzdem wurde uns eingeredet, dass wir versagen, wenn wir nicht ständig von innen heraus erleuchtet sind.
Ich habe das schon einmal gesagt und ich sage es nochmal: Wir fangen an zu begreifen, dass das Radikalste, was man in einer Welt tun kann, die jede wache Sekunde von einem ernten will, darin besteht, Phasen zu umarmen, in denen man fundamental und ohne Entschuldigung nutzlos ist.
Und ich weiß, dass das nicht leicht ist, weil die meisten von uns in dieser dysfunktionalen Scheiße-Show stecken. Aber ich persönlich habe mir immer vorgenommen, hier in meiner Küche zu sitzen, aus dem Fenster zu schauen und die Krähen zu beobachten, die auf den Stromleitungen hocken. Es ist nicht produktiv. Es baut kein Vermächtnis auf und hilft mir auch nicht, meinen Impact zu skalieren oder was auch immer. Und genau deshalb ist es das Einzige, das sich nicht anfühlt, als würde es mir etwas stehlen.
Ich versuche, unindexierbar zu sein. Ich versuche, mehr ein Rätsel für den Algorithmus zu sein – den allmächtigen Algorithmus. Also mache ich Dinge, die man wohl als fundamental nutzlos betrachten würde. Ich gehe spazieren, nirgendwohin, ohne Grund. Ich schaue zwanzig Minuten lang ein Insekt auf einem Blatt an.
Diese Dinge haben null Marktwert. Sie sind in den Augen der Maschine Zeitverschwendung – und genau deshalb sind sie die einzigen Dinge, die sich echt und greifbar anfühlen.
Ja, ich mache diese Dinge, weil sie mich daran erinnern, dass ich kein Rädchen bin. Ich bin einfach ein Mensch.
An diesem Punkt meines Lebens muss Verbindung, wenn ich sie suche, niedrigfrequent und hochschwingend sein – ein oder zwei Menschen, die auch müde sind. Wir reden nicht wirklich über die Nachrichten oder unsere Ziele. Wir reden darüber, wie sich die Luft anfühlt. Vielleicht reden wir über die Bücher, die uns wirklich etwas haben fühlen lassen, bevor die Welt so laut und irre geworden ist. Und wir versuchen, Dinge ganz langsam von unten nach oben wieder aufzubauen – ein ehrliches, nicht aufgenommenes Gespräch zur Zeit.
Und die Melancholie – die lasse ich einfach da sitzen. Wir haben in unserer Gesellschaft diese Obsession damit, glücklich zu sein. Aber Glück ist nur ein Spike, den das System benutzt, um uns zum Kaufen zu bringen. Glück an sich ist okay, wenn man es erleben kann – aber ich hätte lieber ein Plateau.
Wenn du eine tiefe, stille Traurigkeit über die Welt spürst, ist das einfach ein Zeichen dafür, dass du wach bist. Aber lass sie deine geistige Gesundheit nicht pathologisieren. Und dieses schwere Gefühl in deiner Brust – das ist letztlich einfach deine Menschlichkeit, die sich weigert, glattgebügelt zu werden.
Diese ganze große Verweigerung, die ich sehe – ich sehe sie als eine große Ablehnung, die gerade stattfindet. Es geht nicht darum, Brandstiftung zu begehen und alles niederzubrennen. Denn schau: Die Welt brennt sich gerade ganz von alleine nieder. Es geht darum, zu entscheiden, was es wert ist, mit dir in den verkohlten Boden getragen zu werden, sobald dem Feuer endlich der Sauerstoff ausgeht.
Und es ist okay, still zu sein und zu merken, dass man nicht zur Party gehört. Und hoffentlich, idealerweise, wird etwas Ehrliches in der Asche wachsen. Ich glaube, das muss es – aber der Boden muss erst einmal freigeräumt sein.
Also: Lass die Stille einfach geschehen. Kämpfe nicht dagegen an. Versuch nicht, sie zu kontrollieren. Denn sie ist der einzige Ort, der noch übrig ist, an dem du endlich dich selbst atmen hören kannst.
Okay, das war’s für heute. Wie immer: Danke fürs Zuhören."
"Der ehemalige Cambridge-Professor Jason Arday ist im Alter von 41 Jahren
in London gestorben. Wie die Londoner Metropolitan Police mitteilte,
wurde Arday am Freitagnachmittag in einer Wohnung im Stadtteil Battersea
im Süden der britischen Hauptstadt leblos aufgefunden." (berlinerzeitung)
"Der Akademiker war 2023 als jüngster schwarzer Professor in der
Geschichte der Universität Cambridge berufen worden und galt als eine
der bekanntesten Stimmen im Bereich Bildung und soziale Gerechtigkeit in
Großbritannien. In den vergangenen Wochen geriet Arday jedoch zunehmend
unter Druck. Medienberichte hatten ihm vorgeworfen, in seiner
Doktorarbeit zahlreiche Passagen verwendet zu haben, die mit Arbeiten
anderer Studierender übereinstimmten...
Arday räumte öffentlich Fehler in seiner
wissenschaftlichen Arbeit ein, bestritt jedoch die gegen ihn erhobenen
Vorwürfe. Er erklärte, seine autistische Veranlagung führe dazu, dass er
Informationen häufig durch Nachahmung und Wiederholung verarbeite.
Zudem kritisierte er die öffentliche Berichterstattung scharf und
erklärte gegenüber britischen Medien, die Darstellung seiner Person als
„Lügner und Fantast“ sei nicht akzeptabel.
Neben den Plagiatsvorwürfen waren auch verschiedene
Angaben zu seinen persönlichen Erfolgen infrage gestellt worden. So
korrigierte Arday eigene Aussagen über einen Benefizlauf über 600 Meilen
und die Höhe von Spendengeldern, die er nach eigenen Angaben für
wohltätige Zwecke gesammelt hatte. Darüber hinaus sah er sich mit
Vorwürfen konfrontiert, bei seinem Rücktrittsschreiben künstliche
Intelligenz eingesetzt zu haben."
"Die derzeit geltenden staatlichen Empfehlungen für körperliche Aktivität und Eiweißzufuhr sind einer Analyse der Cambridge-Universität zu niedrig angesetzt. Der Grund: Sie orientieren sich zu stark am Vermeiden von Mangelerscheinungen statt am langfristigen Erhalt von Gesundheit. Zu diesem Ergebnis kommt Chris Macdonald, Fellow am Lucy Cavendish College der Universität Cambridge und Direktor des Better Protein Institute. Seine Thesen sind am 17. Juni 2026 in der Fachzeitschrift Frontiers in Nutrition erschienen. (berlinerzeitung) Bitte fasse das entspechende Paper zusammen, in einem etwas ironischen Artikel für eine Website mit dem Zielpublikum "Ovo-lacto-vegetarische, nichtrauchende, nichtautofahrende, radfahrende Hobby-Kraftsportler mit ökologischem Bewusstsein".
ChatGPT: "Der Staat will, dass du nicht verhungerst. Cambridge hätte da einen anderen Vorschlag.
Was passiert, wenn man Gesundheitsempfehlungen nicht danach beurteilt, was gerade noch ausreicht, sondern danach, wie man möglichst lange kräftig, beweglich und geistig halbwegs anwesend bleibt?
Es gibt wissenschaftliche Erkenntnisse, die einen nicht sonderlich überraschen. Und dann gibt es solche, bei denen man sich fragt, warum dafür eigentlich eine Universität nötig war.
Chris Macdonald, Fellow des Lucy Cavendish College der University of Cambridge und Direktor des Better Protein Institute, hat sich eine ziemlich banale Frage gestellt: Was sollte ein Mensch eigentlich tun, wenn er nicht lediglich vermeiden möchte, an Bewegungsmangel und Proteinmangel zugrunde zu gehen, sondern möglichst lange gesund und selbstständig bleiben will?
Seine Antwort, veröffentlicht am 17. Juni 2026 in Frontiers in Nutrition, ist einigermaßen unerquicklich für die Freunde des gesundheitlichen Minimalprinzips:
Mehr bewegen. Intensiver bewegen. Muskeln benutzen. Und mehr Protein essen.
Das Paper trägt den hübschen Titel Beyond the bare minimum – also ungefähr: Jenseits des absoluten Minimums.
Und damit sind wir bereits mitten in einem interessanten gesellschaftlichen Problem.
Das große Missverständnis mit dem Minimum
Gesundheitsempfehlungen funktionieren traditionell ein wenig wie die Bedienungsanleitung eines Toasters.
Sie beantworten vor allem die Frage:
Wie wenig kann ein Mensch tun, ohne dass es akut problematisch wird?
Das ist für eine Bevölkerungspolitik durchaus sinnvoll. Wenn man Empfehlungen für 68 Millionen Menschen formuliert, kann man schlecht voraussetzen, dass jeder morgens freiwillig Langhantelkniebeugen macht, anschließend mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt und abends Tofu in den Shaker kippt.
Also definiert man Mindestwerte.
Beim Protein liegt die britische Empfehlung beispielsweise bei etwa 0,75 g pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Diese Größenordnung wurde ursprünglich vor allem unter dem Gesichtspunkt entwickelt, eine ausreichende Stickstoffbilanz und damit die Vermeidung eines Mangels sicherzustellen.
Das ist ungefähr die Ernährungsphilosophie von:
„Du brauchst mindestens so viel, damit dein Körper nicht auseinanderfällt.“
Macdonald stellt dem eine andere Frage gegenüber:
„Wie viel brauchst du, damit dein Körper möglichst lange leistungsfähig bleibt?“
Das sind zwei ziemlich verschiedene Fragen.
Und vermutlich ist es keine große Überraschung, dass sie zu zwei ziemlich verschiedenen Antworten führen.
Der menschliche Körper ist offenbar kein Zimmerbonsai
Beim Thema Bewegung wird es noch interessanter.
Macdonald fasst zahlreiche Studien zusammen, nach denen bereits relativ geringe Mengen körperlicher Aktivität mit einem niedrigeren Sterberisiko verbunden sind. Gleichzeitig nimmt der Nutzen mit zunehmender Aktivität weiter zu.
Besonders interessant ist die Kombination aus Ausdauertraining und Krafttraining.
In den von ihm ausgewerteten Daten war eine hohe muskuläre Leistungsfähigkeit mit erheblich geringerem Sterberisiko verbunden. Niedrige Muskelkraft war dagegen mit einem ungefähr dreifach höheren Risiko verbunden; sehr niedrige kardiorespiratorische Fitness sogar mit einem ungefähr fünffach höheren Risiko gegenüber hoher Fitness.
Man könnte daraus die etwas unromantische Schlussfolgerung ziehen:
Das Alter ist möglicherweise weniger ein Schicksal als ein Trainingszustand.
Natürlich altert der Mensch.
Aber zwischen
„Ich bin jetzt 70, da kann man nichts machen“
und
„Ich bin 70 und mein Körper ist entsprechend unbrauchbar“
liegt eine ziemlich große Zone menschlicher Entscheidungsfreiheit.
Macdonald verweist außerdem auf Daten, nach denen die Kombination aus aerober Aktivität und Krafttraining mit einer Größenordnung von etwa 40 Prozent niedrigerer Gesamtsterblichkeit verbunden sein kann. Das ist allerdings eine Beobachtungsdaten-basierte Assoziation und kein Versprechen, dass exakt 40 Prozent Lebensverlängerung im Fitnessstudio herumliegen.
Die Wissenschaft sagt also nicht:
„Mach 30 Minuten Hanteln und du bekommst 40 Prozent Rabatt auf den Tod.“
Leider.
Und jetzt kommt das Protein
Hier wird das Paper für die Zielgruppe dieses Artikels besonders interessant.
Denn wer sich überwiegend pflanzlich ernährt, Rad fährt, Krafttraining betreibt und dabei versucht, seinen ökologischen Fußabdruck nicht auf die Größe eines Kleinwagens wachsen zu lassen, befindet sich in einem etwas anderen Universum als der durchschnittliche Couchbewohner.
Der Proteinbedarf hängt nämlich nicht nur davon ab, ob man lebt, sondern auch davon, was man mit seinem Körper anstellt.
Training setzt einen zusätzlichen Bedarf an Aminosäuren voraus. Muskelgewebe wird belastet, repariert und angepasst.
Das bedeutet:
Der Körper eines bewegungsarmen Menschen und der eines regelmäßig trainierenden Menschen haben nicht dieselbe Proteinsituation.
Macdonald verweist auf Untersuchungen, nach denen höhere Proteinzufuhr bei Krafttraining mit größeren Zuwächsen an Muskelmasse und Kraft verbunden ist. Er diskutiert Mengen, die deutlich über den klassischen Mindestempfehlungen liegen; für trainierende Menschen werden in der Literatur beispielsweise Bereiche von ungefähr 1,3 bis 3,5 g/kg/Tag untersucht, wobei das keineswegs bedeutet, dass 3,5 g/kg für den durchschnittlichen Hobby-Kraftsportler notwendig wären.
Das ist ein wichtiger Punkt.
Denn aus
„Mehr Protein kann sinnvoll sein“
folgt nicht automatisch
„Jeder sollte jetzt vier Kilogramm Skyr am Tag essen.“
Auch Cambridge hat die Protein-Mafia nicht vollständig übernommen.
Der ältere Körper spielt nach anderen Regeln
Besonders relevant ist das Thema für ältere Menschen.
Mit zunehmendem Alter wird es schwieriger, Muskelmasse und Muskelkraft zu erhalten. Gleichzeitig sind genau diese Eigenschaften entscheidend für Selbstständigkeit.
Nicht für den Strand.
Nicht für Instagram.
Sondern für ziemlich banale Dinge wie:
vom Stuhl aufstehen,
Treppen steigen,
einen Koffer tragen,
nach einem Sturz wieder hochkommen,
einkaufen,
Fahrrad fahren,
im Garten arbeiten,
und irgendwann vielleicht auch einmal ein Marmeladenglas öffnen, ohne dafür die Feuerwehr zu rufen.
Macdonald verweist auf Studien, in denen höhere Proteinzufuhr bei älteren Menschen mit besserem Erhalt von Muskelmasse und Funktion verbunden war.
Das ist vermutlich die vernünftigste Begründung für Krafttraining im Alter:
Man trainiert nicht, um jünger auszusehen. Man trainiert, damit das Alter weniger Macht über den eigenen Körper bekommt.
Und was bedeutet das für den Tofu-Radfahrer?
Nun kommen wir zum wirklich interessanten Teil.
Denn Macdonald argumentiert ausdrücklich, dass eine höhere Proteinzufuhr nicht zwangsläufig mit mehr Tierhaltung, mehr Fleisch und damit mehr ökologischer Belastung verbunden sein muss.
Protein lässt sich auch aus pflanzlichen Quellen beziehen.
Tofu, Hülsenfrüchte, Soja, Getreidekombinationen, proteinreiche pflanzliche Produkte und entsprechende Supplemente können eine hohe Proteinzufuhr ermöglichen, ohne dafür täglich ein Rindvieh in den Garten stellen zu müssen.
Das Paper betont allerdings auch eine wichtige Feinheit:
Proteinmenge ist nicht dasselbe wie Proteinqualität.
Nicht jede Proteinquelle liefert dieselbe Aminosäurezusammensetzung und dieselbe Verdaulichkeit. Bei pflanzlichen Proteinquellen kann deshalb je nach Quelle und Ziel eine etwas größere Gesamtmenge sinnvoll sein. Gleichzeitig können gut zusammengestellte pflanzliche Mahlzeiten beziehungsweise Proteinmischungen durchaus ausreichende Mengen essentieller Aminosäuren liefern.
Für Ovo-Lacto-Vegetarier ist die Situation ohnehin komfortabler.
Milchprodukte und Eier liefern hochwertige Proteine, während Soja, Hülsenfrüchte und andere pflanzliche Quellen die ökologische Seite des Problems verbessern können.
Oder, weniger akademisch:
Man muss nicht zwischen Muskelmasse und Planet Erde wählen.
Man muss nur ein wenig darüber nachdenken, was man isst.
Protein hat noch einen Nebeneffekt
Macdonald diskutiert außerdem die Rolle proteinreicher Ernährung beim Fettverlust.
Protein sättigt stark und besitzt einen höheren thermischen Effekt als Kohlenhydrate und insbesondere Fett. Ein größerer Teil der aufgenommenen Proteinenergie wird bereits für Verdauung und Verarbeitung wieder verbraucht.
Das macht Protein nicht zu einer magischen Fettverbrennungsdroge.
Es ist aber ein ziemlich praktisches Werkzeug für jemanden, der gleichzeitig Muskeln erhalten und ein wenig Fett verlieren möchte.
Also genau für jene absurde Lebensphase, in der man versucht, gleichzeitig weniger zu essen und dem Körper mitzuteilen:
„Bitte baue nichts ab. Vor allem nicht die Muskeln. Das Fett darfst du gerne nehmen.“
Der menschliche Organismus findet diese Anweisung verständlicherweise etwas widersprüchlich.
Eine ausreichende Proteinzufuhr und Krafttraining helfen dabei, die Prioritäten etwas klarer zu formulieren.
Die interessante Pointe: Das Minimum ist nicht das Optimum
Das eigentliche Argument des Papers ist deshalb weniger:
„Esst mehr Protein!“
und auch nicht:
„Trainiert härter!“
Die interessantere These lautet:
Unsere öffentlichen Empfehlungen beantworten häufig die falsche Frage.
Sie fragen:
Was ist das Minimum, das wir einer Bevölkerung empfehlen müssen, damit möglichst wenige Menschen einen Mangel entwickeln?
Macdonald möchte stattdessen wissen:
Was wäre die optimale körperliche Aktivität und Proteinzufuhr, wenn unser Ziel maximale Gesundheitsspanne, Selbstständigkeit und funktionelle Leistungsfähigkeit wäre?
Das ist ein fundamentaler Perspektivwechsel.
Und plötzlich sieht die durchschnittliche Empfehlung ziemlich merkwürdig aus.
Man sagt einem Menschen:
„Bewegen Sie sich ein bisschen.“
Aber nicht unbedingt:
„Entwickeln Sie Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und eine hohe kardiorespiratorische Fitness.“
Man sagt:
„Achten Sie auf ausreichende Proteinzufuhr.“
Aber nicht unbedingt:
„Wenn Sie älter werden und Ihre Muskelmasse behalten wollen, könnte eine deutlich höhere Zufuhr sinnvoll sein.“
Das ist ein bisschen so, als würde man einem Fahrradfahrer empfehlen, regelmäßig ein wenig Luft in die Reifen zu pumpen, aber verschweigen, dass es auch eine ausreichende Menge sein sollte.
Natürlich gibt es einen Haken
Man sollte das Paper allerdings nicht mit einer neuen Zehn-Gebote-Tafel verwechseln.
Es ist ein Perspective Paper, keine neue große Interventionsstudie. Macdonald argumentiert anhand vorhandener Forschung und fordert ausdrücklich eine Neubewertung bestehender Leitlinien.
Einige seiner Schlussfolgerungen sind daher stärker als die Evidenz, die sie unmittelbar trägt.
Besonders die Aussage „mehr ist besser“ verdient etwas Skepsis.
Für Bewegung gibt es sehr wahrscheinlich einen breiten Bereich, in dem mehr Aktivität besser ist. Aber daraus folgt nicht, dass zehn Stunden intensives Training täglich besser sind als fünf. Für Protein existieren ebenfalls Bereiche, in denen zusätzliche Mengen irgendwann kaum noch zusätzlichen Nutzen bringen.
Und natürlich ist „mehr“ nicht dasselbe wie „beliebig viel“.
Das gilt insbesondere für Menschen mit bestimmten Erkrankungen. Macdonald weist selbst auf Vorsicht beispielsweise bei bestehender Nierenerkrankung hin.
Die interessante Frage ist deshalb nicht:
Wie viel können wir maximal in uns hineinstopfen?
Sondern:
Wo liegt für einen bestimmten Menschen das sinnvolle Optimum?
Das neue Ideal: Nicht dünn. Nicht dick. Nicht „fit“. Sondern robust.
Vielleicht ist das die wichtigste Idee des Papers.
Gesundheit wird häufig als Abwesenheit von Krankheit definiert.
Macdonald schlägt implizit ein anderes Bild vor:
Gesundheit als Reservekapazität.
Genug Muskelkraft, dass ein Sturz nicht automatisch zum Krankenhausaufenthalt wird.
Genug Ausdauer, dass ein Anstieg nicht zum physiologischen Weltuntergang führt.
Genug Beweglichkeit, dass man vom Boden wieder aufstehen kann.
Genug Muskelmasse, dass ein paar Wochen Krankheit nicht gleich eine irreversible Abwärtsspirale auslösen.
Genug Protein, dass der Körper auf Training und Alterung reagieren kann.
Und genug kognitive Leistungsfähigkeit, um sich daran zu erinnern, warum man eigentlich gerade in den Keller gegangen ist.
Das ist eine andere Vorstellung von Fitness.
Nicht „Wie sehe ich aus?“
sondern:
„Wie viel körperliche und geistige Reserve habe ich noch?“
Und damit sind wir bei der wahrscheinlich sympathischsten Form des Alters
Der ökologisch bewusste Hobby-Kraftsportler hat gegenüber dem klassischen Fitnessstudio-Archetypen sogar einen kleinen philosophischen Vorteil.
Er muss nicht versuchen, mit 65 auszusehen wie 25.
Er versucht lediglich, mit 65 möglichst wenig von dem aufzugeben, was er mit 25 noch selbstverständlich konnte.
Radfahren.
Treppen.
Kraft.
Balance.
Muskelmasse.
Ein paar Kilometer zu Fuß.
Einen schweren Einkauf tragen.
Und gelegentlich feststellen, dass die jungen Leute offenbar überhaupt keine Ahnung haben, wie man richtig trainiert.
Letzteres gehört vermutlich zur evolutionär unvermeidlichen Altersausstattung.
Das Cambridge-Fazit für den Tofu-Bizeps
Macdonalds Botschaft lässt sich für unsere kleine Zielgruppe ziemlich simpel übersetzen:
Die öffentliche Gesundheit empfiehlt häufig das Minimum, das notwendig ist, um keinen Mangel zu entwickeln. Wer dagegen möglichst lange leistungsfähig bleiben möchte, sollte sich am Optimum orientieren.
Das bedeutet wahrscheinlich:
mehr Bewegung als das Minimum,
Krafttraining zusätzlich zum Ausdauertraining,
gelegentlich auch ordentlich Intensität,
ausreichend Protein – und für aktive beziehungsweise ältere Menschen eher mehr als die klassische Mindestempfehlung,
und bei vegetarischer Ernährung ein wenig Aufmerksamkeit für Proteinqualität und Aminosäureprofil.
Und das Schöne daran:
Man muss dafür weder einen SUV fahren noch täglich ein Steak essen.
Man kann mit dem Fahrrad zum Fitnessstudio fahren, anschließend einen schweren Rucksack nach Hause schleppen, Tofu mit Linsen essen und dabei versuchen, die persönliche CO₂-Bilanz nicht durch die Anschaffung einer elektrischen Massagehose wieder zunichtezumachen.
Das wäre dann vielleicht die eigentliche Pointe:
Der Körper ist keine Wegwerfverpackung.
Man bekommt nur einen.
Und möglicherweise ist es sinnvoll, ihn nicht nach dem staatlich zugelassenen Mindeststandard zu betreiben.
Quelle: Chris Macdonald, Beyond the bare minimum: the case for revised physical activity guidelines and protein intake recommendations that maximise healthspan, Frontiers in Nutrition, 17. Juni 2026, DOI 10.3389/fnut.2026.1853124."