Montag, 28. September 2026

Das meiste Leben


Wenn das Universum uns gegenüber gleichgültig ist, warum quälen wir uns dann so verbissen mit der Suche nach Sinn? Und wenn sich dieser Sinn nicht finden lässt: Wie soll man trotzdem wach, heiter und irgendwie aufrecht weiterleben? Genau diese Spannung steht im Zentrum von Albert Camus’ Denken. Der Absurdismus ist dabei keine Einladung zur Verzweiflung, sondern eine ziemlich unbequeme Form von Widerstand: die Welt nicht schönreden, sie aber auch nicht verlassen.

Ein Leben, das die Theorie schon kannte

Camus war kein Stubengelehrter, der das Absurde am Schreibtisch erfunden hätte. 1913 in Mondovi in Französisch-Algerien geboren, wuchs er in Armut auf. Der Vater fiel im Ersten Weltkrieg, die Mutter – still, fast analphabetisch, schwerhörig – arbeitete als Dienstmädchen. Die karge Landschaft, die Kolonie, die knappen Verhältnisse: Das alles formte einen Blick, der wenig Illusionen zuließ.

Um ihn herum zerfielen die großen Erzählungen. Naturwissenschaft und neue Philosophien höhlten die alten religiösen Gewissheiten aus, zwei Weltkriege stürzten Europa in ein moralisches Trümmerfeld. Camus beobachtete eine Menschheit, die weiter nach Ordnung, Gerechtigkeit und einem „Warum“ suchte – und auf ein Universum traf, das dazu einfach schwieg. Aus diesem Missverhältnis machte er keine private Melancholie, sondern eine Diagnose.

Was das Absurde eigentlich ist

Das Absurde ist bei Camus nicht die Welt selbst und auch nicht der Mensch allein. Es entsteht dort, wo beides aufeinanderprallt: das unstillbare menschliche Verlangen nach Sinn, Logik und Glück auf der einen Seite – und die stumme, unvernünftige Wirklichkeit auf der anderen. Der Mensch will Klarheit. Die Welt liefert Chaos, Zufall, Wiederholung, Tod.

Wichtig ist der Ton: Das Absurde ist keine Strafe und keine endgültige Verurteilung. Es ist ein Ausgangspunkt. Wer es wegdiskutiert, verfehlt es. Wer es aushält, ohne sich eine tröstliche Hinterwelt zu basteln, gewinnt etwas Seltenes: Nüchternheit. Camus schreibt sinngemäß, der Mensch stehe dem Irrationalen gegenüber und spüre in sich zugleich die Sehnsucht nach Glück und Vernunft. Genau aus dieser Konfrontation wird das Absurde geboren.

Deshalb lehnte er auch das Etikett „Existenzialist“ ab. Andere Denker seiner Zeit versuchten aus der Sinnleere neue Systeme zu zimmern. Camus hielt das für einen Ausweichmanöver. Wo keine universelle Ordnung ist, soll man sie nicht heimlich wieder einschmuggeln.

Sisyphos, der unfreiwillig moderne Held

Um das greifbar zu machen, greift Camus zum Mythos des Sisyphos. Die Götter verurteilen den Listenreichen dazu, einen Felsbrocken den Berg hinaufzuwälzen. Oben angekommen rollt der Stein wieder hinunter. Immer. Ohne Finale, ohne Erlösung, ohne Beförderung.

Man kann das als reine Qual lesen. Camus liest es um. Sisyphos wird zum absurden Helden, weil er die Nutzlosigkeit kennt und trotzdem weitermacht. Der entscheidende Moment ist nicht der Aufstieg, sondern der Abstieg: wenn der Stein schon wieder unten liegt und Sisyphos bewusst den Hang hinuntergeht, um von vorn zu beginnen. Da ist er bei klarem Verstand. Da sieht er sein Schicksal. Und genau dort, sagt Camus, muss man ihn sich als glücklichen Menschen vorstellen.

Warum glücklich? Nicht weil die Strafe aufhört. Sondern weil er sich weigert, innerlich zu kapitulieren. Er ändert das Urteil der Götter nicht. Er klagt nicht auf Revision. Er gibt dem sinnlosen Auftrag eine Haltung. In dieser freiwilligen Wiederaufnahme liegt eine Freiheit, die keine Instanz ihm nehmen kann: weder Himmel noch Bürokratie noch der nächste Montag.

Die Parallele zum Alltag ist unschön genau. Aufstehen, arbeiten, Probleme lösen, nach Hause kommen, schlafen, dasselbe Spiel. Wer nur auf das große Ziel starrt – den endgültigen Sinn, die perfekte Lösung, die letzte Antwort –, dem muss dieses Leben leer vorkommen. Camus dreht die Perspektive: Der Wert liegt nicht im Gipfel, sondern im Schieben selbst. Der Kampf zu den Höhen, schreibt er, genügt, um ein Herz zu füllen.

Das klingt nach Trostpflaster. Es ist eher eine Zumutung. Denn es nimmt uns die Ausrede, erst dann zu leben, wenn die Welt sich endlich erklärt hat.

Drei Auswege – und nur einer hält stand

Camus unterscheidet grob drei Reaktionen auf das Absurde.

Die erste nennt er philosophischen Selbstmord. Man wählt ein fertiges Sinnsystem – eine Religion, eine Ideologie, eine Heilslehre – und hört auf zu fragen. Die Spannung verschwindet, weil man sie für ungültig erklärt. Camus hält das für eine Kapitulation der Vernunft: Man springt aus der unbequemen Klarheit in eine Ordnung, die das Schweigen des Universums übertönen soll. Historisch hat Glaube vielen Menschen Halt gegeben. Philosophisch bleibt für ihn der Sprung ein Ausweichen.

Die zweite Reaktion ist der physische Selbstmord. Wer das Leben ohne Sinn für unlebbar hält, beendet es. Camus lehnt das entschieden ab. Für ihn ist Selbstmord ein Eingeständnis, dass das Leben nicht lebenswert sei – aber keines, das die eigentliche Frage beantwortet. Der Konflikt zwischen Verlangen und Welt wird nicht gelöst, sondern abgebrochen. Wer geht, entzieht sich der Auseinandersetzung, statt sie zu führen.

Bleibt der dritte Weg: das Absurde annehmen und trotzdem leben. Nicht weil es sich lohnt im metaphysischen Sinn, sondern weil uns niemand zwingt, auf eine höhere Genehmigung zu warten. Camus verdichtet das später oft in einer Haltung, die das Video etwas flapsig als „Na und?“ übersetzt: Wen interessiert’s? Warum sich Sorgen machen? Warum nicht?

Das ist natürlich Popularisierung. Bei Camus heißt die ernsthafte Fassung: Revolte, Freiheit, Leidenschaft. Revolte meint: die Sinnlosigkeit nicht leugnen, aber sich ihr auch nicht unterwerfen. Freiheit meint: ohne letzte Instanz wählen. Leidenschaft meint: möglichst viel leben, nicht möglichst korrekt leben. „Nicht das beste Leben zählt, sondern das meiste Leben.“

Praktisch wird daraus weniger ein Lebensmotto für Motivationsposter als eine Arbeitsanweisung: den aufgeschobenen Versuch wagen, den unkonventionellen Weg gehen, sich nicht von der Meinung der anderen lähmen lassen, Misserfolg nicht als Beweis nehmen, dass das Ganze nichtig war. Scheitern gehört zum Stein. Der Stein rollt sowieso wieder runter.

Freiheit, Chaos, Leiden

Aus dem Video – und aus Camus – lassen sich drei Lehren destillieren, die zusammengehören.

Erstens Freiheit. In einer Welt, die uns keinen Plan schuldet, wird die eigene Existenz selbst zum Akt der Auflehnung. Man muss nicht jede Norm zertrümmern. Man muss sie aber prüfen dürfen. Der Sinn des Lebens, so die Pointe, besteht darin, den Sinn selbst zu machen – wissend, dass er vorläufig bleibt.

Zweitens Sinn im Chaos. Die Welt wird nicht ordentlicher, nur weil wir uns anstrengen. Nihilismus liegt in der Luft, Erschöpfung auch. Absurdismus behauptet nicht, dass alles egal sei. Er behauptet, dass Erfüllung nicht von äußeren Meilensteinen abhängt. Seltsam zu erscheinen, weil man den eigenen Weg geht, ist kein Argument gegen den Weg. Das Glück, das daraus entsteht, muss niemandem gefallen.

Drittens das Leiden annehmen. Camus kannte Krankheit, Armut, Krieg, Ungerechtigkeit; Tuberkulose zwang ihn früh, die Zerbrechlichkeit des Körpers ernst zu nehmen. Leiden ist für ihn kein Beweis gegen das Leben, sondern Teil seiner Gestalt. Entscheidend ist nicht, dass man leidet, sondern wie man antwortet. Resilienz entsteht hier nicht aus Optimismus, sondern aus Klarheit: Das Schöne ist vergänglich, also genauer hinsehen.

Camus selbst formulierte den Kern fast boshaft einfach: Du wirst niemals glücklich sein, wenn du weiter suchst, was Glück bedeutet. Du wirst niemals leben, wenn du den Sinn des Lebens suchst.

Der Stein bleibt ein Stein

Man kann Camus vorwerfen, dass aus seiner Revolte leicht ein Lifestyle wird: weniger Gehalt, na und; Traum noch nicht verwirklicht, na und; Risiko, na und. Das Video neigt zu dieser Alltagsübersetzung, und sie hat ihren Reiz. Sie macht aus einer schweren Philosophie eine Haltung für den Feierabend.

Die strengere Lesart ist kühler. Camus verspricht keine Therapie. Er sagt nicht, dass der Stein leichter wird, wenn man ihn liebt. Er sagt, dass wir uns Sisyphos als glücklich vorstellen müssen – nicht weil das Schicksal freundlich wäre, sondern weil nur so das Bewusstsein siegt. Glück ist dann keine Stimmung, sondern eine Entscheidung gegen die Flucht.

Vielleicht liegt darin das Zeitgemäße. Wir leben in einer Kultur, die Kontrolle, Lösungen und erfüllte Biografien verlangt. Camus erinnert daran, dass vieles ungelöst bleibt und trotzdem gelebt werden will. Das Leben ist keine Aufgabe, die man abschließt. Es ist eine Wirklichkeit, die man durchquert.

Also: den Berg hinauf. Den Stein rollen. Zuschauen, wie er fällt. Hinuntergehen. Wieder ansetzen. Nicht weil es einen Sinn gibt, der uns erwartet. Sondern weil wir uns weigern, erst auf ihn zu warten.


Zusammenfassung des Videos Absurdismus: Wie man GLÜCKLICH in einer Welt ohne Bedeutung lebt | Albert Camus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Samstag, 26. September 2026

"Ich wurde vor 13,7 Milliarden Jahren zum Tode verurteilt"


Stoned Meadow Of Doom schlägt mir eine EP von Takashi Mizutani Is Dead mit dem Titel "Kozmik Death Ritual" vor.

Das klingt zu gut, um nicht reinzuhören.


Wer zum Fick ist oder vielmehr war eigentlich Takashi Mizutani?

"Tatsächlich beruht das meiste, was über den vor sechs Jahren verstorbenen Musiker und die Geschichte seiner Band bekannt ist, auf Spekulationen, Hörensagen oder halberinnerten Anekdoten. Die Gruppe nannte sich auf Japanisch 裸のラリーズ, Hadaka no Rarīzu, und ist heute vor allem als Les Rallizés Dénudés bekannt. Und nein, es weiß niemand so recht, was »rallizés« heißen soll – obwohl es dazu einige Theorien gibt...

Fest steht, dass die Gruppe nie ein einziges Studioalbum aufgenommen und nur selten Interviews gegeben hat. Die Fans mussten sich mit einer verstreuten Sammlung von Aufnahmen begnügen, auf der eine sich ständig im Wandel befindliche Live-Band zu hören war, die ihre Songs gelegentlich über die 30-Minuten-Marke hinaus ausdehnte und selbst dann nicht mit dem Spielen aufhörte, wenn ihr jemand buchstäblich den Stecker zog...

Am 30. März 1970 stiegen der ehemalige Bassist Wakabayashi und andere mit Katanas und einer Nagelbombe bewaffnet in ein Passagierflugzeug in Tokio ein. Sie zwangen den Piloten, in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang zu fliegen, wo Wakabayashi bis heute lebt." (Der komplizierte Mythos um Les Rallizés Dénudés)


Mkay, jetzt möchte ich mehr wissen.

"Was kannst Du mir über Les Rallizes Dénudés und speziell den Bassisten Moriaki Wakabayashi erzählen?"

SuperGrok:
"Les Rallizes Dénudés (jap. 裸のラリーズ, Hadaka no Rarīzu) sind eine der mythenumwobensten Bands der japanischen Underground-Geschichte: fast drei Jahrzehnte aktiv, fast keine offiziellen Platten zu Lebzeiten des Frontmanns, extrem laute, feedbackgesättigte Live-Shows, ein ständig wechselndes Line-up – und ein Gründungsmitglied, das 1970 an der Entführung einer Passagiermaschine beteiligt war und bis heute in Nordkorea lebt.

BOMB Magazine | Les Rallizes Dénudés's The Oz Tapes 

Die Band: Kyoto 1967, Feedback als Programm

Die Gruppe entstand im November 1967 an der Doshisha-Universität in Kyoto um den damals 19-jährigen Takashi Mizutani (Wasser-谷 孝, 1948–2019), der Soziologie und französische Literatur studierte. Mit dabei waren Gitarrist Takeshi Nakamura (später Fotograf unter dem Namen Kyo Nakamura) und Bassist Moriaki Wakabayashi. Kurz darauf kam Schlagzeuger Takashi Kato dazu.

Der Name ist bewusst kryptisch. Häufige Erklärungen:

  • Verballhornung von valise dénudée („nackter/leerer Koffer“), angeblich Slang der avantgardistischen Theatergruppe Gendai Gekijo für einen „Hohlkopf“ bzw. ein nutzloses Objekt.
  • Mizutani-Wortspiel mit japanisch rariru (high sein) plus französisch dénudés (nackt) – „die nackten Highs“.
  • Andere Deutungen ziehen Burroughs’ Naked Lunch oder einfach Mizutanis Faible für französische Philosophie heran.

Musikalisch ist das Rezept paradox und sehr wirksam: hypnotisch einfache, oft stundenlang gehaltene Grundmuster (Basslinien, die an Doo-Wop oder sogar Popsongs wie „I Will Follow Him“ erinnern), darüber Mizutanis hallgetränkte, manchmal fast croonende Stimme – und dann lawinenartige Gitarrenwände, Feedback, Fuzz, Phaser. Frühe Einflüsse: Velvet Underground (White Light/White Heat), Blue Cheer, ESP-Disk-Free-Jazz, The Jacks. Die Lautstärke war Programm. Makoto Kubota, der 1970 dazustieß, erinnerte sich: Er habe noch nie so viel Volume erlebt, sein Körper habe geschmerzt.

Die Band spielte in der studentischen Protestzeit – Anpo-Kämpfe, Universitätsbesetzungen, Sanrizuka – auch in politisch aufgeladenen Räumen (u. a. das legendäre „Barricades A Go-Go“-Konzert in einem besetzten Hörsaal). Sie war aber keine Parteiband. Mizutani blieb politisch undurchsichtig; das Line-up wechselte ständig, weil viele Musiker der Szene näherstanden als einer festen Organisation.

Aktivphasen: 1967–1988, dann kurz 1993–1996. Letztes Konzert unter dem Bandnamen: Oktober 1996 im Club Citta’ in Kawasaki. 1997 spielte Mizutani noch mit Arthur Doyle und Sabu Toyozumi. Danach verschwand er fast vollständig. Sein Tod im Dezember 2019 wurde erst 2021 öffentlich, als eine offizielle Website und das Label The Last One Musique (mit Kubota) auftauchten. Seit 2022 erscheinen systematisch restaurierte Archive: The OZ Tapes, Remaster der drei 1991er-CDs (’67-’69 Studio et Live, Mizutani / Les Rallizes Dénudés, ’77 Live), CITTA’ ’93, YaneUra-Mitschnitte 1980, Jittoku ’76, 2026 Disque 4. Das hat den Mythos nicht zerstört, aber endlich hörbar gemacht.

Einstiegspunkte für Hörerinnen und Hörer: ’77 Live (der Klassiker der Bootleg-Ära), The OZ Tapes (1973, vergleichsweise klar), die zarteren Stücke auf Mizutani / Les Rallizes Dénudés (psych-folk, fast das Gegenteil der Live-Hölle) und The Last One in möglichst vielen Versionen – das Stück, mit dem sie Konzerte oft beendeten.


Moriaki Wakabayashi: Gründungsbassist, dann Yodogō

若林 盛亮 (26. Februar 1947 in Kusatsu, Präfektur Shiga) ist der Gründungsbassist – aber nur für wenige Monate. Er kam über die Doshisha-Universität in die Band, hatte nach eigenen späteren Aussagen zuvor kaum Instrumentenerfahrung und verließ die Gruppe um Mai 1968, als sie sich professionalisierte (Probenhaus, fester Schlagzeuger). In seinen Erinnerungen schreibt er ausdrücklich, er habe als Musiker „nichts beigetragen“.

Danach verlagerte sich sein Leben vollständig in die radikale Linke der späten 1960er: Demonstrationen, 1969 Verhaftung bei der Räumung der Yasuda-Aula der Universität Tokio, Haft, nach der Freilassung Anschluss an die Rote-Armee-Fraktion der Kommunistischen Liga (Kyōsandō Sekigun-ha), Vorläuferin der späteren Japanese Red Army.

Am 31. März 1970 gehörte er zu den neun jungen Männern, die Japan-Airlines-Flug 351 (Boeing 727, Spitzname „Yodogō“, Tokio–Fukuoka) entführten. Bewaffnet u. a. mit Schwertern und selbstgebauten Sprengsätzen forderten sie zunächst Kuba, dann Pjöngjang. Nach Zwischenlandungen in Fukuoka und einem Täuschungsversuch in Seoul (Gimpo als „Pjöngjang“ inszeniert) landete die Maschine am 3. April in Nordkorea. Die Geiseln kamen frei; die Entführer erhielten Asyl und leben seither im sogenannten „Japaner-Dorf“ bei Pjöngjang. Wakabayashi steht bis heute auf der internationalen Fahndungsliste.

Wichtige Nuancen, die in der Rockfolklore oft verschwimmen:

  • Er war zum Zeitpunkt der Entführung schon zwei Jahre nicht mehr in der Band. Die Rallizes existierten weiter, mit anderen Bassisten (u. a. Takashi Tada, später Makoto Kubota, Mikio Nagata, „Doronco“).
  • Die Entführung war kein „Band-Akt“. Mizutani und die übrigen Mitglieder waren nicht beteiligt. Gerüchte, Mizutani sei gefragt worden und habe abgelehnt, kursieren; belastbar belegt ist das nicht.
  • Der Vorfall färbte trotzdem auf das Image: Paranoia-Geschichten um Mizutani, ein Bootleg-Titel wie Yodo-Go-A-Go-Go, die dauerhafte Verknüpfung von Feedback-Mythos und militanter Neuer Linker.

In Nordkorea heiratete Wakabayashi 1976 Sakiko Wakabayashi. Das Paar hat zwei Söhne; beide kehrten später nach Japan zurück (2002 bzw. 2009). Die japanische Polizei wirft seiner Frau Beteiligung an Entführungsfällen von Japanerinnen in Europa vor; auch sie ist international ausgeschrieben. Die Yodogō-Gruppe selbst bestreitet die Vorwürfe und hat darüber Bücher veröffentlicht. Historisch fest steht: Die Gruppe wurde von Nordkorea aufgenommen, blieb dort gebunden, und mehrere Mitglieder starben im Exil. Stand September 2026 gelten nach Berichten über den Tod von Shiro Akagi noch drei der damaligen Entführer als in Nordkorea lebend, darunter Wakabayashi (79).

2010 sagte er der Agentur Kyodo, die Entführung sei „selbstsüchtig und eingebildet“ gewesen; er wolle nach Japan zurückkehren und sich einem Prozess stellen. Eine Rückkehr kam nicht zustande. Er schreibt weiter Essays und Erinnerungsserien (u. a. Lock und Revolution in Kyoto 1964–1970 bei Rokusaisha), trifft gelegentlich Besucher (1999 den Komiker Egashira 2:50, 2011 den Musiker Funky Sueyoshi) und äußerte sich sogar zu Popphänomenen wie Babymetal. Das ist weniger „Rockstar im Untergrund“ als ein alter Revolutionär im staatlich kontrollierten Exil, der seine Jugend nachträglich als Kontinuum von Beatlemanie, Langhaar-Revolte, Band und bewaffnetem Kampf erzählt.


Was das für die Band bedeutet – und was nicht

Die Verbindung ist real, aber oft übergewichtet. Wakabayashi war Gründungsmitglied und verließ die Gruppe, bevor der Sound, für den die Rallizes berühmt wurden, voll ausformuliert war. Die großen Live-Dokumente (’77 Live, OZ 1973, YaneUra 1980, Citta’ 1993) haben andere Rhythmusgruppen. Politisch bleibt die Band ein Spiegel der Kyotoer 68er-Szene, nicht deren bewaffneter Arm.

Zugleich erklärt die Geschichte einen Teil des Kults: extreme Lautstärke als körperliche Erfahrung, Verweigerung des Musikmarkts, ein Frontmann im Schwarz und hinter Sonnenbrille, Bootlegs statt Katalog, und daneben die Tatsache, dass einer der Gründer in einem der spektakulärsten Fälle der japanischen Nachkriegsgeschichte endete. Julian Cope hat das in Japrocksampler zur Legende verdichtet; die neueren Archive und Kubotas Interviews versuchen, den Mythos durch Tapes, Setlists und Erinnerungen von Mitspielern zu ersetzen, ohne ihn ganz aufzulösen.

Wenn du als Nächstes tiefer einsteigen willst: lohnt sich ’77 Live plus die frühen Studio-/Folk-Stücke auf Mizutani, dazu Wakabayashis eigene Kyoto-Texte (sie sind subjektiv und apologetisch, aber eine der wenigen Ich-Quellen zur Gründungszeit). Die offizielle Seite ist lesrallizesdenudes-official.com."












Freitag, 25. September 2026

Wir wollen doch nur, daß es Euch allen gut geht!


"Bitte eine Zusammenfassung der Ereignisse, um die es in diesem Artikel geht: "Seit 2019 fließt Verkehr auf der K8 am Ostrand von Flensburg. Landwirt Ingo Knop gehören allerdings immer noch Flächen, auf denen die Kreisstraße gebaut wurde. Eine Enteignung war rechtswidrig, doch die Stadt will nachlegen. " https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/die-k8-chronik-der-streit-um-eine-flensburger-kreisstrasse,k8-100.html"

ChatGPT:
"Der Kern des Streits: Die K8 führt auf rund 750 Metern über drei Grundstücke des Landwirts Ingo Knop. Die Straße ist seit 2019 in Betrieb, doch der erste Versuch, die Flächen zu enteignen, scheiterte rechtlich. Knop ist derzeit wieder Eigentümer der betroffenen Flächen. ndr.de

  • 2006–2019: Flensburg plante die Straße, um die Taruper Hauptstraße vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Obwohl Knop seine Flächen nicht verkaufen wollte, entschied sich die Stadt 2016 für eine Trasse durch sein Land. Nach einer vorzeitigen Eigentumszuweisung baute sie das letzte Teilstück; 2019 wurde die K8 vollständig für den Verkehr freigegeben.
  • 2022–2023: Das Oberverwaltungsgericht erklärte den Bebauungsplan wegen mehrerer Fehler für rechtswidrig, unter anderem bei der Berücksichtigung von Knops Interessen, den Ausgleichsflächen und dem Artenschutz. Ende 2023 hob die Enteignungsbehörde den früheren Enteignungsbeschluss auf.
  • 2026: Eine Behörde sprach Knop mehr als zwei Millionen Euro Entschädigung zu; die Stadt legte dagegen Einspruch ein. Im Juli bot sie ihm nach eigenen Angaben ein Paket im Wert von etwa neun Millionen Euro aus Geld und Ersatzflächen an. Eine Einigung kam trotz zwischenzeitlicher Zustimmung nicht zustande. Knop sagte später, er habe ursprünglich 17 Millionen Euro verlangt.
  • 24. September 2026: Die Ratsversammlung beschloss einen neuen Bebauungsplan. Damit kann die Stadt ein zweites Enteignungsverfahren beginnen. Ob dieses erfolgreich sein wird und welche Entschädigung am Ende fällig ist, steht noch nicht fest. ndr.de

Der ungewöhnliche Zustand bleibt vorerst bestehen: Autos fahren über eine öffentliche Kreisstraße auf Knops Grundstücken. Laut NDR bestätigen Stadt und Verkehrsministerium, dass er eine Sperrung gerichtlich beantragen könnte – die Straße aber nicht eigenmächtig und spontan sperren darf."

"Für mich klingt das so, als hätte die Stadt Flensburg vorsätzlich und bewußt einen rechtswidrigen Zustand geschaffen, weigere sich seither hartnäckig, diesen Zusand abzustellen, ignoriere Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichtes und versuche, dass Problem mit, abwechselnd, Steuergeldern und Drohungen zu regeln. Bitte eine Bewertung der Geschichte aus juristischer und politischer Sicht."

ChatGPT:
"Dein Eindruck hat einen harten, belegbaren Kern. Besonders aufschlussreich ist eine Stelle im OVG-Urteil, die über die NDR-Chronik hinausgeht: Laut Gericht räumte die Stadt in einer Beschlussvorlage selbst ein, Knops Eigentumsinteressen beim ersten Satzungsbeschluss nicht erörtert und abgewogen zu haben, um die Ankaufverhandlungen nicht zu belasten. Das OVG bezeichnete dies als teilweisen Ausfall der gebotenen Abwägung. Auch die spätere Nachbesserung genügte dem Gericht nicht: Die Stadt hatte unter anderem die konkreten Folgen für Knops Betrieb und die Belastung durch alternative Trassen nicht ausreichend untersucht. Das ist mehr als ein belangloser Formfehler. 1 KN 3/18

Juristisch würde ich deine Formulierung dennoch an zwei Stellen schärfen:

  • „Vorsätzlich rechtswidrig gebaut“ ist nicht bewiesen. Belegt ist, dass die Stadt einen wesentlichen Eigentumsbelang zunächst bewusst aus der Abwägung heraushielt und später trotz laufenden Streits baute. Ob die Verantwortlichen dabei wussten, dass ihr Plan rechtlich unwirksam war, folgt daraus nicht. Für den Bau gab es eine vorzeitige Besitzeinweisung; Knops Eilantrag gegen den Plan scheiterte zunächst. Die Stadt nahm also ein erhebliches Prozessrisiko in Kauf, handelte aber nicht schlicht ohne jedes behördliche Verfahren. 1 KN 3/18
  • „Die Stadt ignoriert das Urteil“ trifft den Vorgang nicht ganz. Das OVG erklärte den alten Bebauungsplan für unwirksam; es ordnete in diesem Verfahren keinen Rückbau an und verbot keine neue Planung. Ein neuer, sorgfältig abgewogener Plan und gegebenenfalls ein neues Enteignungsverfahren sind rechtlich möglich. Der neue Plan vom 24. September überträgt der Stadt aber noch kein Eigentum. Das OVG hielt ausdrücklich fest, dass bei einer auf unwirksamem Plan gebauten Straße ein Anspruch auf Beseitigung der Folgen in Betracht kommen kann. 1 KN 3/18

Auch das Wort „Drohung“ hat zwei Ebenen. Eine angekündigte Enteignung ist ein gesetzlich vorgesehenes Mittel, wenn das Wohl der Allgemeinheit sie im Einzelfall erfordert und der Zweck anders nicht zumutbar erreichbar ist. Sie darf also nicht bloß dazu dienen, einen für die Stadt unangenehmen Verhandlungspartner gefügig zu machen. Ob der neue Plan und eine darauf gestützte Enteignung diese Voraussetzungen erfüllen, ist noch offen. Einzelnorm

Politisch fällt mein Urteil strenger aus. Die Stadt ließ eine Straße fertigstellen, bevor der zentrale Eigentumskonflikt endgültig geklärt war. Sie begründete den Zeitdruck damals auch mit dem möglichen Verlust von Fördermitteln. Damit schuf sie eine vollendete Tatsache: Jede spätere Lösung muss nun berücksichtigen, dass die Straße bereits genutzt wird und ein Rückbau teuer wäre. Dieses selbst geschaffene Gewicht kann in Verhandlungen zulasten des Eigentümers wirken. Die späteren Millionenangebote und möglichen Entschädigungen betreffen öffentliche Mittel; deshalb schuldet die Stadt eine nachvollziehbare Rechnung darüber, welche Entscheidungen welche Kosten und Risiken verursacht haben. Faktencheck / Flensburg

Knops Forderungen müssen deshalb nicht automatisch angemessen sein. Aber sein eigentlicher Einwand wird durch hohe Forderungen auch nicht entkräftet: Die Stadt durfte sein Eigentum nicht erst nachrangig behandeln und darauf vertrauen, dass sich der Konflikt nach Fertigstellung der Straße schon lösen lasse. Genau diese Haltung macht den Fall politisch so problematisch."



"Noch ein Artikel vom NDR:

"Die von der Bundesregierung geplanten Energiereformen sorgen in der deutschen Windindustrie für Verunsicherung. Schleswig-Holstein wäre von den Gesetzen stark betroffen - insbesondere, was den weiteren Ausbau der Windenergie betrifft.

So sieht die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) nämlich unter anderem vor, dass neue Windparks in bestimmten Gebieten keinen vorrangigen Netzanschluss mehr bekommen sollen. Und zwar überall dort, wo in der Vergangenheit Anlagen abgeschaltet werden mussten, weil sie mehr Strom erzeugt haben als die Netze aufnehmen konnten. Und das könnte in erheblichem Maße die Westküste des Landes betreffen.

Darüber hinaus sollen die Betreiber der Anlagen künftig weniger Entschädigungszahlungen erhalten, wenn sie die Windräder abschalten müssen. Schleswig-Holstein sieht damit vor allem Bürgerwindparks gefährdet, weil sie die geringeren finanziellen Entschädigungen nur schwer ausgleichen können. Das Land fordert den Bund deshalb auf, das geplante Gesetz entsprechend zu ändern. " https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/neue-energiegesetze-sh-warnt-vor-folgen-fuer-buergerwindparks,energiegesetze-104.html

Sehe ich es richtig, dass das Land Schleswig-Holstein darauf besteht, Windparks vorrangig ans Netz zu nehmen und mit Steuergeldern zu subventionieren, die häufig abgeschaltet werden müssen, weil sie mehr Strom produzieren, als abgenommen werden kann?" 

ChatGPT:
"Im Kern ja – mit zwei wichtigen Korrekturen. Schleswig-Holstein wehrt sich dagegen, dass neue Windparks in ausgewiesenen Netzengpassgebieten ihren bisherigen Anschlussvorrang und einen Teil der Entschädigung bei Abschaltungen verlieren. Die Landesregierung will damit insbesondere Bürgerwindparks schützen. Es geht also tatsächlich darum, das finanzielle Risiko weiterer Anlagen auch dort abzufedern, wo das Netz bereits Engpässe zeigt. ndr.de

„Mit Steuergeldern für Abschaltungen bezahlen“ beschreibt den Zahlungsweg allerdings falsch. Die Entschädigung bei einer netzbedingten Abregelung ist Teil des Redispatch: Der Netzbetreiber veranlasst die Abschaltung und gleicht wirtschaftliche Nachteile aus. Diese Kosten werden grundsätzlich über Netzentgelte auf Stromkunden umgelegt. Davon zu unterscheiden ist die allgemeine EEG-Förderung, die inzwischen aus dem Bundeshaushalt finanziert wird. Beide belasten letztlich die Öffentlichkeit, aber über verschiedene Wege. Redispatchkosten

Auch „mehr Strom, als abgenommen werden kann“ ist nicht immer die Ursache. Oft besteht anderswo durchaus Nachfrage; der Strom kann wegen eines Engpasses auf dem Transportweg nicht dorthin gelangen. Ein vorrangiger Netzanschluss bedeutet zudem nicht, dass ein Windrad bei drohender Netzüberlastung weiter einspeisen dürfte – es wird dann abgeregelt. bundesnetzagentur.de

Deine wirtschaftliche Kritik bleibt damit bestehen: Warum soll ein neuer Park an einem bekannten Engpass errichtet werden können, während das Risiko wiederholter Abschaltungen bei den Stromkunden liegt? Der Bund will mit seinem Entwurf genau dieses Risiko stärker den Betreibern zuweisen. Schleswig-Holstein hält dagegen, dass dies gerade kleinere, lokal finanzierte Bürgerwindparks vom weiteren Ausbau ausschließen könnte. Das ist ein echter Verteilungskonflikt, keine bloße technische Detailfrage. Wie viel zusätzlicher Windstrom nach dem Netzausbau tatsächlich nutzbar wäre, lässt sich aus dem NDR-Artikel für die betroffenen Standorte nicht ablesen."

 

 

 

 

 

 

 

War es so schwer, Achilles?




“I saw a man this morning” By Patrick Shaw-Stewart

I saw a man this morning
     Who did not wish to die
I ask, and cannot answer,
     If otherwise wish I.
 
Fair broke the day this morning
     Against the Dardanelles;
The breeze blew soft, the morn's cheeks
     Were cold as cold sea-shells.
 
But other shells are waiting
     Across the Aegean sea,
Shrapnel and high explosive,
     Shells and hells for me.
 
O hell of ships and cities,
     Hell of men like me,
Fatal second Helen,
     Why must I follow thee?
 
Achilles came to Troyland
     And I to Chersonese:
He turned from wrath to battle,
     And I from three days' peace.
 
Was it so hard, Achilles,
     So very hard to die?
Thou knewest and I know not—
     So much the happier I.
 
I will go back this morning
     From Imbros over the sea;
Stand in the trench, Achilles,
     Flame-capped, and shout for me.





 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Donnerstag, 24. September 2026

Sie sind alle tot, Jim.



Not-Sender aktiv.
Empfang nicht verfügbar.
Jim, falls du mich hörst:
Ich gebe einen letzten Lagebericht.


Zeitstempel fehlt. Die Borduhr steht.
Die Brücke ist dunkel. Kein System reagiert.
Kein Antrieb. Kein Radar. Kein Licht im Schacht.
Nur der Not-Sender läuft noch durch die Nacht.

Was uns getroffen hat, kann ich nicht sagen.
Ich habe kein Bild. Ich habe keinen Befund.
Die Türen sind offen. Ich war in jedem Raum.
Ich melde dir jetzt, was ich gefunden habe.


Sie sind alle tot, Jim.
Alle außer mir.
Sie sind alle tot.
Jim.
Nur ich bin noch hier.


Mein Anzug hält Druck. Die Anzeige ist klar.
Der Sauerstoff reicht noch für zwanzig Minuten.

Ich hätte die Luke prüfen sollen.  
Ich hätte die Crew wecken sollen.  


Es gibt kein Shuttle. Es gibt keinen Kurs.
Die Schleuse reagiert auf keinen Impuls.
Falls jemand zuhört: Annäherung ist zwecklos.
Ich wiederhole: Annäherung ist zwecklos.


Sie sind alle tot.  
Jim.  
Sie sind alle tot, Jim.  
Alle tot.  
Jim.


Die Wände knacken leise.  
Irgendwo tropft etwas,  
das nicht tropfen sollte.  
Ich ignoriere es.

Sachlich bleiben.  
Ruhig bleiben. Professionell.
Sie sind alle tot, Jim.  
Jim, hörst du das Rauschen?



Ich gebe ihre Namen durch.
Ich kenne sie alle.
Doch der Sender
bricht bei längeren Worten ab.

Jim.
Wenn du das empfängst,
schreib ihre Namen nicht aus dieser Aufnahme ab.
Nimm die Liste vom letzten Dienstwechsel.
Dort stehen sie richtig.


Restluft: acht Minuten.
Der Not-Sender ist gleich auch stumm.

Sie sind alle tot, Jim.

Meine Kennung ist auch auf der Liste.









Mittwoch, 23. September 2026

Das heilige Licht



Heilige Scheiße.
Beim Zuhören verspüre ich das Bedürfnis, mich an den Sessellehnen festzuhalten.
Und wenn's vorbei ist, höre ich's nochmal an.