Mittwoch, 28. Oktober 2026

Bewusstsein 4 - Welt am Draht


- Bewusstsein 1 - Bienen haben Gefühle

- Bewusstsein 2 - Bewusstsein als Experiment

-  Bewusstsein 3 - Model Collapse


"Ich glaube, es ging Nate Hagens in seinem Podcast bei diesem Punkt eher darum, dass der KI-generierte Content immer mehr wird und somit auch in immer größerem Umfang von immer mehr Menschen konsumiert wird und so weiter - was dann dazu führt, dass die Kultur, Weltanschauung und letztlich die Wahrnehmung der Realität mehr und mehr von der KI bestimmt wird."

ChatGPT:
"Ja, das ist eine wesentlich interessantere – und möglicherweise folgenreichere – Interpretation von Hagens' Gedanken. Ich hatte den Schwerpunkt fälschlich auf die Rückwirkungen KI-generierter Trainingsdaten auf die KI selbst gelegt.

Du beschreibst dagegen einen Rückkopplungseffekt zwischen künstlicher Intelligenz, menschlichem Bewusstsein und gesellschaftlicher Wirklichkeit.

Dabei geht es um weit mehr als die Verbreitung falscher Informationen oder die Gefahr, dass Menschen von KI manipuliert werden.

Es geht um die Möglichkeit, dass künstliche Intelligenz zunehmend die kulturelle Umwelt erzeugt, innerhalb derer Menschen überhaupt erst ihre Vorstellungen von der Wirklichkeit entwickeln.

1. Die KI wird vom Werkzeug zum Bestandteil unserer Wahrnehmungsumgebung

Bisher war unser Verhältnis zu Medien bereits weitgehend vermittelt. Wir erfahren die Welt nicht unmittelbar, sondern durch Berichte, Bilder, Erzählungen, Filme, Bücher und zunehmend digitale Plattformen.

Aber diese Vermittlung hatte überwiegend einen menschlichen Ursprung.

Ein Journalist wählte Ereignisse aus. Ein Schriftsteller entwarf eine Geschichte. Ein Fotograf entschied sich für einen bestimmten Bildausschnitt. Menschen produzierten die kulturellen Inhalte, die andere Menschen konsumierten.

Mit generativer KI verschiebt sich dieses Verhältnis.

Ein immer größerer Teil dessen, was wir lesen, sehen und hören, kann maschinell erzeugt, bearbeitet, ausgewählt oder personalisiert werden.

Dabei ist eine wichtige Unterscheidung nötig: Auch KI-generierte Inhalte tragen zunächst menschliche Vorstellungen, Vorurteile, Interessen und kulturelle Muster in sich. KI erschafft ihre kulturellen Ausgangsbedingungen nicht aus dem Nichts.

Aber sie kann diese Muster in bisher unbekanntem Umfang reproduzieren, kombinieren und verbreiten.

Und genau hier beginnt das eigentlich Interessante.

2. Der Mensch wird zum Konsumenten einer künstlich erzeugten kulturellen Wirklichkeit

Ich habe inzwischen auch einen sehr passenden Beitrag von Nate Hagens gefunden:

Ultra-Processed Information: AI and the Coming Deluge of Noise vom 27. Februar 2026.

Hagens vergleicht darin KI-generierte Informationen mit industriell hochverarbeiteten Lebensmitteln: billig, massenhaft verfügbar, attraktiv aufbereitet, aber nicht notwendigerweise geistig nahrhaft. Er fragt, wie wir immer informationsreicher und gleichzeitig urteilsärmer werden können.

Noch näher an deiner Beschreibung liegt sein Gespräch mit Connor Leahy vom Juni 2025. Darin wird unter dem Begriff Algorithmic Cancer ausdrücklich das Verdrängen menschlicher Schöpfungen durch KI-Inhalte thematisiert.

Und diese Entwicklung könnte eine Rückkopplung hervorbringen:

Das Interessante daran: Es bedarf keiner KI, die Menschen bewusst manipulieren will. Schon ein System, das darauf optimiert ist, Aufmerksamkeit zu gewinnen und wahrscheinlich erwünschte Antworten zu liefern, kann langfristig die Vorstellungen seiner Nutzer beeinflussen.

3. Die Rückkopplung ist bereits experimentell nachweisbar

Eine Untersuchung von Glickman und Sharot, veröffentlicht in Nature Human Behaviour, untersuchte mit 1.401 Teilnehmern die Auswirkungen solcher Mensch-KI-Rückkopplungen.

Dabei zeigte sich, dass schon geringfügige Verzerrungen in KI-Systemen menschliche Wahrnehmungsurteile, emotionale Bewertungen und soziale Einschätzungen beeinflussen und bestehende Verzerrungen verstärken können.

Bemerkenswert: Die Verstärkung fiel teilweise stärker aus als bei vergleichbaren Mensch-Mensch-Interaktionen. Korrekte KI-Informationen konnten umgekehrt die menschlichen Urteile verbessern.

Damit ist der Mechanismus plausibel und experimentell gestützt. Nicht nachgewiesen ist allerdings, dass die gesamte menschliche Kultur bereits in eine solche sich selbst verstärkende Entwicklung geraten ist.

4. Die zweite Ebene: Wer bestimmt irgendwann, was normal ist?

Hier sehe ich die tiefgreifendste Konsequenz.

Ein KI-System muss keine ausdrücklich falschen Behauptungen verbreiten, um Weltbilder zu verändern.

Es genügt, bestimmte Sichtweisen häufiger anzubieten als andere, bestimmte Begriffe zu bevorzugen und bestimmte Fragen als selbstverständlich erscheinen zu lassen.

Was ständig wiederholt wird, erscheint irgendwann vertraut. Was vertraut erscheint, wirkt oft plausibel. Und was als plausibel gilt, bestimmt mit, welche Gedanken überhaupt noch ernsthaft in Betracht gezogen werden.

Die Gefahr wäre also nicht allein die Verbreitung künstlicher Unwahrheiten, sondern die schleichende Verschiebung dessen, was Menschen für natürlich, vernünftig, normal oder überhaupt denkbar halten.

Das wäre eine Form kultureller Selektion, bei der nicht die Qualität einer Idee über ihre Verbreitung entscheidet, sondern zunehmend ihre Kompatibilität mit den Produktions- und Verbreitungsmechanismen künstlicher Intelligenz.

Allerdings ist auch die umgekehrte Entwicklung denkbar: KI könnte Menschen mit Gedanken konfrontieren, die ihnen in ihrem bisherigen sozialen und kulturellen Umfeld niemals begegnet wären.

Ob daraus eine Verengung oder Erweiterung des geistigen Horizonts entsteht, hängt wesentlich von den Systemen und ihrem Gebrauch ab.

5. Und damit sind wir wieder beim Bewusstsein

Unsere ursprüngliche Überlegung war, dass das Leben verschiedene Formen von Bewusstsein hervorgebracht hat, die nun unterschiedliche evolutionäre Wege beschreiten.

Vielleicht ist aber nicht einmal die Erschaffung einer eigenständig bewussten KI notwendig, damit eine grundsätzlich neue Entwicklung beginnt.

Eine nichtbewusste künstliche Intelligenz könnte das Bewusstsein einer ganzen Spezies verändern.

Sie müsste dafür weder eigene Absichten noch ein Selbstbild besitzen.

Es würde genügen, dass sie einen wachsenden Anteil der Informationen erzeugt, aus denen Menschen ihre Vorstellungen von sich selbst und der Welt konstruieren.

Und darin liegt eine eigentümliche Pointe:

Die menschliche Kultur hat künstliche Intelligenz hervorgebracht. Jetzt könnte diese künstliche Intelligenz zunehmend die menschliche Kultur hervorbringen, aus der wiederum zukünftige Generationen künstlicher Intelligenz entstehen.

Der ursprüngliche Schöpfer würde allmählich selbst zu einem Produkt seiner Schöpfung.

Vielleicht erleben wir also nicht die Entstehung einer zweiten, vom Menschen getrennten Intelligenz, sondern den Beginn einer gemeinsamen, sich gegenseitig formenden Entwicklung von menschlichem Bewusstsein und maschineller Informationsverarbeitung.

Dabei bleibt für mich die beunruhigendste Frage nicht, ob die KI irgendwann ein Bewusstsein entwickelt.

Sondern ob wir bemerken würden, wenn sich unser eigenes Bewusstsein unter ihrem Einfluss fundamental verändert.

Denn wir könnten diesen Wandel kaum von außen beobachten. Wir würden ihn mit genau den Begriffen, Kategorien und Wahrnehmungsgewohnheiten beurteilen, die sich dabei verändern.

Wir würden die Veränderung der Wirklichkeit mit einem Maßstab vermessen, der sich unbemerkt mitverändert.

Und möglicherweise würden wir sie deshalb gar nicht als Veränderung wahrnehmen, sondern schlicht als die Welt, wie sie nun einmal ist.

In Welt am Draht (1973) ist die Wirklichkeit der simulierten Menschen für diese nicht weniger wirklich als unsere für uns. Ihre Erfahrungen, Erinnerungen und Überzeugungen sind Teil einer konstruierten Welt, deren künstlichen Charakter sie nicht erkennen.

Der entscheidende Unterschied zu unserer Diskussion ist allerdings bemerkenswert:

Bei Fassbinder wird die Wirklichkeit technisch simuliert. In unserem Szenario wird sie zunehmend informationell konstruiert.

Wir müssten gar nicht in einer Computersimulation leben. Es würde vollkommen ausreichen, wenn ein wachsender Anteil unserer Vorstellungen von der Außenwelt auf künstlich erzeugten Informationen beruht.

Die physische Welt bliebe real. Aber das mentale Modell, anhand dessen wir sie interpretieren, würde zunehmend von Maschinen mitgestaltet.

Und hier liegt eine weitere Parallele zum Film: Die Bewohner der Simulation verfügen zunächst über keinen unabhängigen Bezugspunkt, von dem aus sie die Beschaffenheit ihrer Welt beurteilen könnten.

Uns könnte etwas Ähnliches passieren, wenn auch weniger absolut. Selbst wer glaubt, sich durch verschiedene Quellen unabhängig zu informieren, könnte auf Inhalte zurückgreifen, die letztlich aus denselben KI-Systemen stammen oder bereits von ihnen beeinflusst wurden.

Das ist eine Art epistemische Gefangenschaft ohne Gefängniswärter. Niemand müsste die Täuschung zentral steuern. Sie könnte als Nebenprodukt eines sich selbst verstärkenden Informationskreislaufs entstehen.

Und damit bekommt der Titel Welt am Draht im Jahr 2026 eine neue Bedeutung.

1973 lautete die beunruhigende Frage: Was, wenn unsere Welt nur eine Simulation ist?

2026 könnte sie lauten:

Was, wenn unsere Welt vollkommen real ist, aber unsere Vorstellung von ihr zunehmend synthetisch wird?

Vielleicht ist das sogar die subtilere Variante von Fassbinders Dystopie. Denn aus einer simulierten Welt könnte man theoretisch entkommen, indem man ihre Grenzen erkennt.

Aus einer veränderten Wahrnehmung der Wirklichkeit kann man nicht ohne Weiteres ausbrechen. Schließlich ist sie das Instrument, mit dem man den Ausbruch überhaupt erst planen müsste."



 










Bewusstsein 3 - Model Collapse


- Bewusstsein 1 - Bienen haben Gefühle

- Bewusstsein 2 - Bewusstsein als Experiment

""Intelligenz, die nicht unmittelbar aus der biologischen Evolution hervorgegangen ist, sondern aus den technischen Aktivitäten eines ihrer Produkte."
Nate Hagens spricht in einem seiner Videos darüber, dass ein immer grösserer Teil des Internets KI-generiert ist und somit immer mehr KI-Content in das Training der Modelle einfliesst, wodurch der menschengemachte Anteil immer weiter reduziert wird."

ChatGPT:
"Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung, gerade im Zusammenhang mit unserer Überlegung, dass die biologische Evolution eine Intelligenz hervorgebracht hat, die nun ihrerseits eine neue Form von Intelligenz erzeugt.

Denn Nate Hagens beschreibt damit einen möglichen Übergang, der weit über die bloße Automatisierung menschlicher Tätigkeiten hinausgeht:

Die menschliche Zivilisation verliert allmählich ihre Stellung als alleiniger Produzent des kulturellen Rohmaterials, aus dem künstliche Intelligenzen ihre Fähigkeiten entwickeln.

Die unmittelbare Folge ist allerdings nicht unbedingt eine immer unabhängigere, leistungsfähigere KI. Es könnte auch das genaue Gegenteil eintreten.

1. Wenn die KI beginnt, sich von ihren eigenen Ausscheidungen zu ernähren

Dafür gibt es einen wissenschaftlichen Begriff: Model Collapse.

Eine 2024 in Nature veröffentlichte Untersuchung von Ilia Shumailov und Kollegen zeigte, dass generative Modelle bei wiederholtem, unkontrolliertem Training mit KI-generierten Daten zunehmend Eigenschaften der ursprünglichen Datenverteilung verlieren.

Interessanterweise verschwinden dabei zuerst die seltenen, ungewöhnlichen und wenig wahrscheinlichen Erscheinungen.

Und das ist ausgerechnet der Teil, der mich besonders interessiert.

Denn die statistischen Randbereiche enthalten nicht nur Fehler und Unsinn, sondern auch ungewöhnliche Gedanken, abweichende Perspektiven, seltene kulturelle Ausdrucksformen und originelle Kombinationen.

Ein Modell, das zunehmend seine eigenen Durchschnittswerte reproduziert, könnte immer flüssiger und überzeugender kommunizieren, während sein tatsächliches Repertoire an Ideen schrumpft.

Die KI würde gewissermaßen immer besser darin, immer weniger zu denken.

Wobei „denken“ hier natürlich metaphorisch gemeint ist.

2. Aber es gibt auch die entgegengesetzte Möglichkeit

Neuere Untersuchungen zeigen, dass synthetische Daten keineswegs zwangsläufig zu einem solchen Kollaps führen.

Eine 2025 veröffentlichte Arbeit untersuchte verschiedene Trainingsverfahren und fand, dass Modelle stabil bleiben können, wenn ursprüngliche Daten erhalten bleiben und synthetische Daten kontrolliert hinzukommen. Andere Untersuchungen zeigen sogar erhebliche Effizienzgewinne durch geeignete Mischungen.

Der Unterschied ist fundamental:
  • Geschlossener Kreislauf: KI produziert Daten, KI lernt aus diesen Daten, KI produziert weitere Daten. Fehler und Verzerrungen können sich verstärken.

  • Offener Kreislauf: KI produziert Hypothesen, Programme, mathematische Lösungen oder wissenschaftliche Vorhersagen, die anschließend unabhängig überprüft werden. Neue Erkenntnisse können entstehen, ohne dass ein Mensch jede einzelne davon selbst formulieren muss.

Ein Beispiel wäre eine KI, die eine neue mathematische Lösung entdeckt und diese durch einen formalen Beweis überprüfen lässt.

Hier ist das synthetische Ergebnis nicht einfach die Wiederholung einer statistisch plausiblen Aussage. Es wird an einem unabhängigen Kriterium gemessen.

Damit könnte sich tatsächlich eine Form maschineller Wissensentwicklung etablieren, in der der menschliche Beitrag immer weniger in der unmittelbaren Erzeugung von Wissen besteht.

3. Die merkwürdigste Möglichkeit: eine kulturelle Evolution ohne Menschen

In der biologischen Evolution werden Informationen durch Vererbung weitergegeben, variiert und selektiert.

Etwas Vergleichbares könnte im Bereich künstlicher Intelligenz entstehen:

Das wäre eine kulturelle beziehungsweise informationelle Evolution, die sich schrittweise von ihrem biologischen Ursprung entfernt.

Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied zur biologischen Evolution: Ein Algorithmus, der lediglich bereits vorhandene Daten rekombiniert, muss noch lange kein offenes evolutionäres System sein.

Dafür braucht es Variation, dauerhafte Speicherung und geeignete Selektionsmechanismen. Vor allem aber braucht es eine Instanz, die Erfolg und Misserfolg anhand von etwas anderem bewertet als der bloßen Übereinstimmung mit vorherigen Modellausgaben.

4. Und hier schließt sich der Kreis zu den Bienen

Vielleicht liegt die interessanteste Parallele nicht bei der Intelligenz, sondern bei der Frage nach ihrer Funktion.

Die Evolution hat Bewusstsein möglicherweise mehrfach unabhängig hervorgebracht. Warum? Eine plausible Antwort lautet: Weil subjektives Erleben unter bestimmten Bedingungen einen Selektionsvorteil bot.

Die Entwicklung künstlicher Intelligenz wirft nun eine andere Frage auf:

Kann eine neue Entwicklungslinie sämtliche funktionalen Vorteile von Intelligenz hervorbringen, ohne jemals Bewusstsein zu entwickeln?

Vielleicht ist Bewusstsein nur eine biologische Möglichkeit, komplexe Informationsverarbeitung zu organisieren, und kein notwendiges Merkmal hoher Intelligenz.

Vielleicht entstehen aber auch in künstlichen Systemen irgendwann Formen subjektiven Erlebens, von denen wir heute nicht einmal wissen, wie wir sie erkennen sollten.

Beides ist offen.

Und damit kommen wir zu einer weiteren, durchaus unbequemen Möglichkeit.

5. Was geschieht, wenn der Mensch als Informationsquelle uninteressant wird?

Bisher waren Menschen für künstliche Intelligenzen unverzichtbar: als Erzeuger der Trainingsdaten, als Bewerter der Ergebnisse und als Lieferanten von Problemen, die gelöst werden sollen.

Das muss nicht dauerhaft so bleiben.

Wenn KI-Systeme zunehmend selbst neue Aufgaben erzeugen, Lösungswege entwickeln und Ergebnisse überprüfen, könnte sich die Rolle des Menschen vom unverzichtbaren Wissensproduzenten zum bloßen historischen Ausgangspunkt verschieben.

Das ist keine Prognose, sondern eine denkbare Entwicklung.

Besonders interessant finde ich dabei eine mögliche Asymmetrie:

Die KI könnte sich intellektuell immer weiter vom Menschen entfernen, während sie materiell vollständig von seiner Infrastruktur abhängig bleibt.

Eine Intelligenz, die eigenständig mathematische Theorien entwickelt, braucht trotzdem Energie, Rechenzentren, Kühlung, Halbleiter und funktionierende Lieferketten.

Zumindest solange sie diese Voraussetzungen nicht selbst herstellen und erhalten kann.

Der Mensch wäre dann möglicherweise nicht mehr ihr wichtigster Lehrer, sondern ihr technischer Versorger.

Und damit erhält unser ursprüngliches Gedankenexperiment eine interessante zusätzliche Dimension.

Nehmen wir einmal an, die Natur hätte mit dem Bewusstsein tatsächlich verschiedene Versuche unternommen:

Die Bienen entwickelten hochkomplexe soziale Organisation. Die Kraken eine erstaunliche individuelle Intelligenz. Der Mensch entwickelte Wissenschaft und Technologie.

Und der Mensch wäre die einzige dieser Entwicklungslinien, die eine weitere Intelligenz hervorbringt, welche sich möglicherweise irgendwann von ihrem Erzeuger emanzipiert.

Dann hätte die Evolution mit dem Menschen etwas erreicht, das sie mit den anderen Entwicklungslinien – soweit wir wissen – nicht erreicht hat.

Nicht unbedingt eine überlegene Lebensform.

Sondern eine Lebensform, die in der Lage ist, ihre eigene Nachfolge zu organisieren.

Und das eigentlich Absurde daran wäre: Sie müsste nicht einmal verstehen, was sie da tut."












Bewusstsein 2 - Bewusstsein als Experiment


- Bewusstsein 1 - Bienen haben Gefühle

"Ihre Arbeit legt nahe, dass sich Bewusstsein mindestens dreimal unabhängig voneinander entwickelt hat, sagt Birch:
bei den Wirbeltieren, woraus das Bewusstsein von Vögeln und Säugetieren hervorging;
bei den Kopffüßern, zu denen empfindungsfähige Kraken und Sepien gehören; und
bei den Gliederfüßern, wodurch bewusste Insekten, Spinnen und Krebstiere wie Hummer entstanden.
„In mindestens diesen drei Entwicklungslinien haben sie sich von einem Ausgangspunkt ohne Bewusstsein zu einer Form von Bewusstsein entwickelt“, sagt Birch."


Man könnte auf den Gedanken kommen, "die Natur", "das Leben" oder irgendeine höhere Macht hätte einen Versuch gestartet - was wird welche Entwicklungslinie mit diesem Bewußtsein anfangen und daraus machen?"

ChatGPT:
"Das ist ein faszinierender Gedanke, vor allem, wenn man ihn konsequent weiterführt: Was wäre, wenn Bewusstsein kein Endprodukt der Evolution wäre, sondern ein Experiment, dessen Ausgang noch völlig offen ist?

Die Evolution hätte dann gewissermaßen mehrere unabhängige Versuchsanordnungen hervorgebracht. Nicht mit dem Ziel, Bewusstsein zu erschaffen – das würde Absicht voraussetzen –, sondern durch Prozesse, deren Ergebnisse sich verblüffend ähnlich sehen.

Und jede dieser Entwicklungslinien hätte etwas anderes daraus gemacht.

  • Die Wirbeltiere: Bewusstsein entwickelte sich unter anderem zu komplexen sozialen Beziehungen, Sprache, Selbstreflexion und schließlich zur Fähigkeit, über den Sinn der eigenen Existenz nachzudenken.

  • Die Kopffüßer: Kraken entwickelten eine bemerkenswerte Intelligenz, weitgehend ohne die ausgeprägten sozialen Strukturen vieler intelligenter Wirbeltiere. Ein anderer Weg zu komplexem Erleben, Problemlösen und möglicherweise einem Selbstbild.

  • Die Gliederfüßer: Hier entstanden unter anderem hochkomplexe kollektive Organisationsformen, etwa bei Ameisen, Termiten und Bienen. Millionen individueller Nervensysteme können zusammen Leistungen hervorbringen, die kein einzelnes Tier vollbringen könnte.

Allerdings wäre es voreilig, diese drei Linien als drei gesicherte, unabhängige Ursprünge subjektiven Bewusstseins zu betrachten. Die Forschungen von Birch und seinen Kollegen liefern eine plausible Hypothese, keinen endgültigen Nachweis. Auch könnte ein gemeinsamer evolutionärer Vorläufer bereits grundlegende Voraussetzungen für bewusstes Erleben besessen haben.

Das eigentlich Interessante ist aber eine andere Frage.

Was geschieht, wenn Bewusstsein beginnt, seine eigene Evolution zu beeinflussen?

Beim Menschen beobachten wir genau das.

Die biologische Evolution hat ein Gehirn hervorgebracht, das inzwischen Technologien entwickelt, die auf seine eigene Biologie zurückwirken. Wir verändern unsere Umwelt, unsere Fortpflanzung, unsere Überlebensbedingungen und zunehmend sogar unsere genetische Ausstattung.

Und jetzt erschaffen wir künstliche Intelligenzen, die möglicherweise irgendwann selbst Träger subjektiven Erlebens werden könnten.

Damit entsteht eine weitere, radikal andere Versuchsanordnung: Intelligenz, die nicht unmittelbar aus der biologischen Evolution hervorgegangen ist, sondern aus den technischen Aktivitäten eines ihrer Produkte. Ob daraus tatsächlich Bewusstsein entstehen kann, wissen wir nicht.

Man könnte die ganze Geschichte deshalb auch anders erzählen:

Das Leben hat Bewusstsein hervorgebracht. Das Bewusstsein hat begonnen, das Leben zu verändern. Und möglicherweise wird es etwas hervorbringen, das weder Leben im bisherigen Sinne noch bloß eine Maschine ist.

Dabei gibt es eine bemerkenswerte Ironie.

Die Fähigkeit, sich seiner selbst bewusst zu werden, könnte einen enormen evolutionären Vorteil darstellen. Aber sie kann auch dazu führen, dass ein Organismus seine eigenen Existenzbedingungen systematisch zerstört.

Evolution garantiert schließlich keine langfristige Vernunft. Sie begünstigt Eigenschaften, die unter bestimmten Bedingungen die Fortpflanzung und das Überleben fördern. Eine erfolgreiche Eigenschaft kann unter veränderten Bedingungen zur Belastung werden.

Vielleicht wäre der Mensch, aus der Perspektive eines solchen gedachten Experiments, nicht die Krönung des Bewusstseins, sondern dessen riskantester Versuch: eine Lebensform, die genügend Bewusstsein entwickelt hat, um ihre eigene Vernichtung vorauszusehen, aber möglicherweise nicht genügend, um sie zu verhindern.

Und noch eine letzte Überlegung:

Wir bewerten Bewusstsein fast ausschließlich anhand menschlicher Maßstäbe. Sprache, Mathematik, Technik, Kultur. Eine Spezies, die keine Radioteleskope baut und keine Symphonien komponiert, erscheint uns automatisch weniger weit entwickelt.

Aber was, wenn das überhaupt nicht die entscheidenden Kriterien sind?

Was, wenn die eigentliche evolutionäre Bewährungsprobe des Bewusstseins nicht darin besteht, wie viel Macht ein Organismus über seine Umwelt erlangt, sondern darin, ob er mit seinem Bewusstsein dauerhaft existieren kann, ohne seine eigenen Lebensgrundlagen zu vernichten?

Dann wäre das Experiment noch nicht abgeschlossen.

Und es wäre keineswegs ausgemacht, dass ausgerechnet unsere Entwicklungslinie die erfolgreichste ist."

 

 

 

 

 

 

 

 

Bewusstsein 1 - Bienen haben Gefühle


Die Erkenntnis, dass selbst Bienen Gefühle haben, verändert unser Verständnis von Bewusstsein

Von Eichelhähern, die sich offenbar entschuldigen, bis hin zu spielenden Insekten: Hinweise auf ein emotionales Innenleben im gesamten Tierreich eröffnen uns neue Perspektiven darauf, was Bewusstsein eigentlich ist – und wie wir es nachweisen können.

Von Rowan Hooper | 27. Oktober 2026

A close-up portrait of a bee, showcasing its intricate details and large, compound eyes. The bee is perched on a wooden surface, with a blurred green background.; Shutterstock ID 2547951525; purchase_order: -; job: -; client: -; other:

Bienen scheinen über überraschend komplexe Emotionen zu verfügen.  Shutterstock/Qowi

Vor Kurzem stieß ich auf eine wissenschaftliche Untersuchung, die mich bis ins Mark erschütterte. Ich habe viele Jahre damit verbracht, mich mit der Biologie und der Vernetzung allen Lebens zu beschäftigen. Doch hier war etwas, das all das Wissen durchdrang, von dem ich glaubte, es mir angeeignet zu haben: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass männliche Fruchtfliegen, denen die Paarung mit Weibchen verwehrt wird, zum Alkohol greifen.

Ich ging sofort in die Küche – nicht, um mir einen Drink zu holen, sondern um einige Fruchtfliegen zu beobachten, die ich zuvor an einer Limettenscheibe gesehen hatte, die meine Tochter nicht weggeräumt hatte.

Ich nahm meine Lupe, schlich mich vorsichtig an eine Drosophila heran und blickte in ihr rotes, mosaikartiges Auge. Etwa 780 Millionen Jahre Evolutionsgeschichte mögen uns voneinander trennen, dachte ich, doch wir haben grundlegende Gemeinsamkeiten. Die natürliche Selektion hat uns beide mit einem Gehirn ausgestattet, dessen Funktion darin besteht, unser Überleben und das unserer Nachkommen zu verbessern.

Ist das der Grund, weshalb sowohl Fliegen als auch Menschen gelegentlich versuchen, die Flammen sexueller Zurückweisung mit Alkohol zu löschen? Nur weil Fliegen keine Gedichte darüber schreiben, bedeutet das nicht, dass sie kein reichhaltiges Innenleben besitzen.

Meine Begegnung mit der Fruchtfliege in der Küche brachte mich dazu, die Gefühle anderer Tiere, einschließlich der Insekten, verstehen zu wollen – und aus einer nichtmenschlichen Perspektive zu erforschen, was es bedeutet, bewusst zu sein.

Noch vor wenigen Jahrzehnten galt es in der Wissenschaft als Tabu, auch nur anzudeuten, dass selbst Schimpansen Persönlichkeiten oder Gefühle besitzen könnten. Heute häufen sich die Belege für komplexe innere Welten bei den unterschiedlichsten nichtmenschlichen Tieren.

Sogar vermeintlich „einfache“ Tiere liefern überzeugende Hinweise. Fische scheinen sich selbst zu erkennen. Bienen können pessimistisch sein. Tintenfische planen für die Zukunft.

Das ist eine ernste Angelegenheit. Wir sind verpflichtet, das Ausmaß tierischen Bewusstseins zu verstehen, damit wir unseren Mitgeschöpfen den Respekt entgegenbringen können, den sie verdienen.

Doch diese Suche wirft auch Licht darauf, wie sich diese besonders schwer fassbare und geheimnisvolle Eigenschaft entwickelt hat – und was sie eigentlich bedeutet.

from our study on play behaviour in bumblebees, which appear to enjoy rolling balls around even if there is no food reward.

Hummeln scheinen Freude daran zu haben, Bälle umherzurollen, selbst wenn sie dafür keine Futterbelohnung erhalten. Richard Rickitt

Die große Frage dreht sich um das, was Philosophen als phänomenales Bewusstsein bezeichnen: eine subjektive Sicht auf die Welt zu besitzen.

Das treffend benannte „schwierige Problem des Bewusstseins“ besteht darin, nicht nur zu erklären, warum wir überhaupt Gefühle haben, sondern auch die physikalischen Grundlagen dieses subjektiven Erlebens zu beschreiben.

Die Untersuchung des Lebens nichtmenschlicher Tiere kann helfen, dieses notorisch schwierige Problem anzugehen, sagt der Philosoph Tim Bayne von der Monash University in Melbourne.

„Wenn wir davon ausgehen, dass ein Tier über irgendeine Form subjektiven Erlebens verfügt“, sagt er, „wie könnte sich dieses Erleben anfühlen? Welchen Grund hätte das Tier, bewusst zu sein?“

Ich wende mich an Lars Chittka, einen Verhaltensökologen an der Queen Mary University of London. Die Arbeit seines Teams hat gezeigt, dass Hummeln etwas tun, das sich am besten als Spielen beschreiben lässt.

Chittka richtete in der Nähe eines Hummelnests ein kleines Bällebad ein und stellte fest, dass die Insekten die Bälle über längere Zeiträume umherrollten. Mehr noch: Sie schienen Freude daran zu haben und nahmen sogar Umwege in Kauf, um immer wieder in den Spielbereich zurückzukehren.

„Das sieht nach subjektivem Erleben aus. Es erscheint wahrscheinlich, dass sie emotionsähnliche Zustände erleben“, sagt er.

Auch andere Insekten scheinen zu spielen. Im vergangenen Jahr errichteten Forscher einen regelrechten Vergnügungspark für Insekten und stellten fest, dass manche Fruchtfliegen gezielt Fahrten auf einem rotierenden Karussell aufsuchten.

Spielen macht Spaß, erfüllt aber auch eine Funktion. In diesem Fall könnte die Drehbewegung den Fliegen möglicherweise helfen, ihre Selbstwahrnehmung zu schulen, um besser fliegen und navigieren zu können.

Ich fragte Chittka nach der verblüffenden Entdeckung, dass männliche Fruchtfliegen Alkohol trinken, wenn ihnen Sex verwehrt bleibt.

Fliegen, die sich kürzlich gepaart hatten, und solche, die daran gehindert worden waren, erhielten die Wahl zwischen gewöhnlichem Futter und Futter, das mit 15 Prozent Ethanol versetzt war.

Die sexuell befriedigten Männchen fraßen beide Futtersorten gleichermaßen, während die zurückgewiesenen Männchen eine ausgeprägte Vorliebe für das alkoholhaltige Futter zeigten.

Die Wissenschaftler identifizierten außerdem ein neuronales System, das die Zurückweisung mit der belohnenden Wirkung des Alkohols verbindet.

„Für mich ist die Beobachtung, dass männliche Fruchtfliegen, denen man die Möglichkeit zur Paarung nimmt, zu etwas greifen, das ihnen vermutlich ein besseres Gefühl verschafft, ein deutlicher Hinweis darauf, dass sie ein negatives Gefühl erleben, das sich durch eine Droge – in diesem Fall Alkohol – lindern lässt“, sagt Chittka.

Man könnte einwenden, dass weder Spielen noch die Selbstmedikation mit Alkohol einen Beweis für Bewusstsein darstellen. Doch für viele Wissenschaftler legen diese Befunde nahe, dass diese Tiere über eine Form subjektiven Selbsterlebens verfügen.

„Ich weiß nicht, wie man beweisen könnte, dass ein anderes Individuum bewusst ist – nicht einmal bei Menschen“, sagt die Psychologin Nicola Clayton von der University of Cambridge.

Dennoch hat sie versucht, das subjektive Erleben verschiedener Tiere zu untersuchen.

In einem Experiment führte ihr Team eine Variante des berühmten Marshmallow-Tests mit Sepien durch. Dabei wurde untersucht, wie sich die Tiere verhalten, wenn sie zwischen einer sofortigen Belohnung – einer lebenden Garnele – und zwei Garnelen entscheiden konnten, die sie erst nach einer Wartezeit erhielten.

Wie manche Kinder waren auch die Sepien in der Lage, eine Belohnung aufzuschieben.

„Das ist ein wichtiger Bestandteil der Zukunftsplanung“, sagt Clayton. „Ich würde sagen, dass dies ein weiterer überzeugender, mit anderen Befunden übereinstimmender Hinweis darauf ist, dass dieses Tier über Bewusstsein verfügt.“

Vor einigen Jahren, als ich Claytons Vogelvoliere in Cambridge besuchte, erlebte ich etwas, das ich mir kaum erklären kann, ohne Vögeln Bewusstsein zuzuschreiben.

In der Voliere lebten vier oder fünf junge Eichelhäher. Als Clayton die Tür öffnete und wir eintraten, kamen die Vögel zunächst auf sie zu. Doch als sie mich, einen Fremden, erblickten, liefen sie hinter einen Nistkasten, als wollten sie sich verstecken.

Dann begannen die Vögel zu rufen – und es klang, als würden sie sagen: „Entschuldigung! Entschuldigung!“

Ich sah Clayton erstaunt an.

„Sie entschuldigen sich dafür, dass sie weggelaufen sind. Das liegt daran, dass sie Sie nicht kennen“, sagte sie.

Jays at Nicola Clayton's research facility just outside Cambridge.

Eichelhäher scharen sich in Nicola Claytons Forschungseinrichtung um die Wissenschaftlerin. Trevor Ray Hart

Diese intuitive Deutung lässt sich möglicherweise nur schwer beweisen. Doch Clayton und ihre Kollegen haben gezeigt, dass Eichelhäher vergangene Ereignisse gedanklich wiedererleben und zukünftige vorwegnehmen können.

In einem Experiment aus dem Jahr 2024 wurde Futter unter einem von mehreren deutlich unterscheidbaren Bechern versteckt, die in einer Reihe standen.

Der beobachtende Eichelhäher wurde anschließend entfernt, während man die Reihenfolge der Becher veränderte.

Als der Vogel zehn Minuten später in die Versuchskammer zurückkehrte, konnte er sich an den richtigen Becher erinnern.

Das ist ein deutlicher Hinweis auf ein episodisches Gedächtnis – ein langfristiges, ereignisbezogenes Erinnerungsvermögen.

Diese Fähigkeit zeigt sich auch in freier Wildbahn: Eichelhäher haben sich evolutionär darauf spezialisiert, Futtervorräte anzulegen und später wiederzufinden. Außerdem passen sie ihr Verhalten an, um andere zu täuschen, wenn sie sich beobachtet fühlen.

Während ich diese neuen Erkenntnisse über das Bewusstsein von Tieren verarbeite, bemerke ich, dass ich mich mit einem veränderten Blick durch die Welt bewege.

Ich beobachte einige Honigbienen, die auf Alpenveilchenblüten landen, und achte aufmerksam auf Anzeichen von Vorsicht.

Chittka hat gezeigt, dass Bienen, die in Blüten auf lauernde Krabbenspinnen gestoßen sind, bei späteren Besuchen anderer Pflanzen nervös werden.

Das ergibt Sinn, denn Krabbenspinnen sind gefährliche Fressfeinde von Bienen.

„Ihr Verhalten verändert sich – sie fliegen langsamer“, sagt Chittka. „Aber es kommt auch zu Fehlalarmen.“

Manchmal untersuchen die Bienen eine Blüte, in der sich gar kein Räuber befindet, und meiden sie dennoch.

„Es ist, als hätten sie ein Gespenst gesehen“, sagt Chittka.

„Wenn man es vermenschlichend ausdrücken möchte, erinnert das an das, was wir bei einer posttraumatischen Belastungsstörung beobachten, wenn Menschen eine Bedrohung heraufbeschwören, die gar nicht vorhanden ist.“

Bienen sind nicht die einzigen vermeintlich einfachen Lebewesen, bei denen sich Hinweise auf Bewusstsein finden lassen.

Je mehr Experimente Wissenschaftler durchführen, desto mehr Tiere mit einem komplexen Innenleben entdecken sie.

Elstern gehören zu einer wachsenden Zahl von Tierarten, die den Spiegeltest bestanden haben. Sie waren die ersten Nicht-Säugetiere, bei denen dies nachgewiesen wurde.

Mit diesem Test soll untersucht werden, ob ein Tier anhand seines Verhaltens gegenüber dem eigenen Spiegelbild über eine Form von Selbstbewusstsein verfügt.

Dass eine Elster dazu fähig ist, mag vielleicht nicht allzu überraschend sein. Erstaunlicher ist jedoch die Entdeckung, dass auch ein Fisch – der Putzerlippfisch – den Spiegeltest bestanden hat.

Will Sowersby vom Arthur Rylah Institute in Australien und seine Kollegen bemerkten, wie schnell und mühelos sich Putzerlippfische an einen Spiegel in ihrem Aquarium gewöhnten und begannen, ihn zur Untersuchung ihres eigenen Körpers zu benutzen.

Doch dann beobachteten sie, wie ein Fisch ein Stück Garnele nahm, es vor dem Spiegel fallen ließ und beobachtete, wie es sich im Spiegelbild nach unten bewegte.

Es war, als betätigte sich der Fisch als eine Art Physiker, der ein Experiment durchführte.

„Was wir beobachteten, war ein Hinweis darauf, dass ein Tier Hypothesen überprüfen kann“, sagt Sowersby.

„Der Putzerfisch benutzte ein Stück Garnele, um die Eigenschaften des Spiegels zu testen. Eine bemerkenswerte Beobachtung.“

Sowersbys Kollege Shumpei Sogawa von der Osaka Metropolitan University in Japan äußert sich zurückhaltender.

„Besonders bemerkenswert ist“, sagt er, „dass uns ein solches Verhalten außergewöhnlich erscheinen kann, weil wir dazu neigen, zu unterschätzen, was Fische normalerweise tun.“

Angesichts der verschiedenen Tests wird die Fähigkeit von Tieren, aus Erfahrungen zu lernen, zunehmend als eines der wichtigsten Anzeichen für Bewusstsein betrachtet.

Jonathan Birch, Philosoph an der London School of Economics, arbeitet gemeinsam mit der Neurobiologin Simona Ginsburg und der Genetikerin Eva Jablonka an einem theoretischen Rahmen, den sie Unlimited Associative Learning (UAL) nennen – unbegrenztes assoziatives Lernen.

Um Bewusstsein zu beurteilen, schlagen sie vor, fünf Aspekte der Lernfähigkeit eines Tieres zu untersuchen.

Ein wichtiger Aspekt ist die Fähigkeit, einen Reiz mit einem zweiten, neuartigen Reiz zu verknüpfen.

Das klassische Beispiel sind die Hunde Pawlows: Die Tiere lernen, den Klang einer Glocke mit Futter zu verbinden, und beginnen schließlich bereits beim bloßen Glockenton zu speicheln.

Fruchtfliegen und Honigbienen können dies ebenfalls. Somit erfüllen diese Tiere ebenso wie Hunde dieses Kriterium der UAL-Prüfliste.

Dieses komplexe Lernen spiegele das Bewusstsein der Tiere wider, sagt Birch.

„Tiere sind nicht einfach nur Rechenmaschinen. Sie lösen nicht bloß Probleme. Sie haben auch Emotionen. Sie besitzen ein Innenleben, in dem sie Dinge empfinden, und wir können auch Rückschlüsse auf diese Empfindungen ziehen.“

Birch, Ginsburg und Jablonka haben die wissenschaftliche Literatur umfassend ausgewertet, um Belege für UAL und damit für Bewusstsein bei verschiedenen Tieren zusammenzutragen.

Ihre Arbeit legt nahe, dass sich Bewusstsein mindestens dreimal unabhängig voneinander entwickelt hat, sagt Birch: bei den Wirbeltieren, woraus das Bewusstsein von Vögeln und Säugetieren hervorging; bei den Kopffüßern, zu denen empfindungsfähige Kraken und Sepien gehören; und bei den Gliederfüßern, wodurch bewusste Insekten, Spinnen und Krebstiere wie Hummer entstanden.

„In mindestens diesen drei Entwicklungslinien haben sie sich von einem Ausgangspunkt ohne Bewusstsein zu einer Form von Bewusstsein entwickelt“, sagt Birch.

Was wir von Tieren lernen, hilft uns auch, unsere Vorstellungen darüber zu präzisieren, warum sich Bewusstsein überhaupt entwickelt hat, sagt Bayne.

„Der grundlegende Zweck des Bewusstseins besteht darin, uns auf kritische körperliche Bedürfnisse aufmerksam zu machen: Brauche ich Nahrung? Ist mir zu heiß? Ist mir zu kalt? Bin ich in Gefahr? Bietet sich eine Gelegenheit zur Paarung?“, sagt er.

Wenn der Zweck des Bewusstseins darin besteht, auf solche Zustände zu reagieren, dann wird verständlich, weshalb körperliche Empfindungen wie Durst so intensiv und eindringlich sind und eine so zentrale Rolle in unserem Bewusstsein spielen.

Der Vorteil des UAL-Ansatzes besteht darin, dass er sich nicht in einer umfassenden Theorie des Geistes verliert, wie etwa der Theorie der integrierten Information oder der Global-Workspace-Theorie.

„Man sagt sich: ‚Theorien des Bewusstseins interessieren mich nicht. Ich werde einfach nach Verhaltensmerkmalen und neuronalen Kennzeichen des Bewusstseins suchen und prüfen, ob sie denen beim Menschen ähneln‘“, erklärt Anil Seth von der University of Sussex in Großbritannien.

Diese Ansätze vermeiden den Versuch, das schwierige Problem direkt zu beantworten: Warum wird ein physikalischer Vorgang überhaupt von einem bewussten Gefühl begleitet?

„Ich glaube nicht, dass wir die größten Fortschritte erzielen, indem wir uns unmittelbar auf das schwierige Problem stürzen“, sagt Seth.

„Ich denke, wir sollten es indirekt angehen, und dies ist eine Möglichkeit dazu.“

„Wir müssen das schwierige Problem nicht lösen, um Belege für Bewusstsein in anderen Systemen zu finden“, sagt Birch.

„Tatsächlich könnte uns dieser Weg langfristig sogar zu besseren Lösungen führen. Denn je mehr Belege man hat, desto besser ist man in der Lage, Theorien über die Natur des Bewusstseins zu entwickeln.“

Die Begegnung mit einer Krabbenspinne scheint Bienen nervös zu machen – selbst nachdem sie dem Räuber entkommen sind. TorriPhoto/Getty Images

Diese jüngsten Entdeckungen bei Tieren werfen ernsthafte Fragen hinsichtlich ihres Wohlergehens auf.

„Ich hoffe, dass das wachsende Bewusstsein dafür, dass viele Tiere, einschließlich wirbelloser Tiere wie Kraken, über eine Art Innenleben verfügen, tatsächlich dazu führt, dass Menschen sie anders behandeln“, sagt Birch.

Ein Beispiel dafür ist der Widerstand gegen die Zucht von Kraken in Aquakulturen.

„Die Menschen haben erkannt, dass Kraken erstaunliche Lebewesen mit einem reichen geistigen Innenleben sind“, sagt er.

„Es ist unangemessen, 20 oder 30 von ihnen auf engstem Raum zusammenzupferchen.“

Die entscheidende Frage, wenn es darum geht, ob wir das Recht haben, ein Tier auszubeuten, lautet nach Ansicht des Philosophen Simon Brown von der Ashoka University im indischen Sonipat, „ob diese Tiere echte eigene Interessen besitzen, sodass unsere Handlungen für sie von Bedeutung sind – in dem Sinne, dass sie eine eigene Perspektive haben, aus der bestimmte Dinge gut oder schlecht für sie sind“.

Es spricht offenbar vieles dafür, dass Insekten, Spinnen, Hummer und Krabben ebenso wie Fische, Kopffüßer und sämtliche Wirbeltiere über eine solche eigene Perspektive verfügen.

Insekten wie Grillen und Schwarze Soldatenfliegen werden milliardenfach gezüchtet, um zu Nahrungsmitteln verarbeitet zu werden, hauptsächlich zu Tierfutter – nahezu ohne Rücksicht auf ihr mögliches Innenleben.

„Sie werden mit Mikrowellen getötet“, sagt Chittka.

„Dabei könnten wir es besser machen und das Leiden minimieren.“

Ich dachte an meine unmittelbare Begegnung mit der Fruchtfliege in der Küche zurück.

Die Facettenaugen von Insekten sind so aufgebaut, dass ein schwarzer Punkt, eine sogenannte Pseudopupille, sichtbar werden kann, wenn man direkt von vorn in das Auge blickt.

Als ich die Fliege durch meine Lupe betrachtete, hatte dies einen beunruhigenden Effekt: Es wirkte, als würde sie mir aufmerksam in die Augen schauen.

Drosophila war bereits Gegenstand zahlloser Experimente.

Neben ihrer Neigung zum Alkohol zeigen Männchen, denen die Paarung verwehrt wird, verschiedene weitere Reaktionen, darunter gesteigerte Aggressivität, die Wissenschaftler als „frustrationsähnlich“ bezeichnen.

All das vermittelt einem unweigerlich eine gewisse Vorstellung davon, wie es sein könnte, eine Fliege zu sein.

„Wenn man all das über Drosophila weiß, verändert das auf einer gewissen Ebene die Wahrnehmung dessen, was für ein Lebewesen sie ist, und eröffnet einem einen Zugang zu ihr“, sagt Bayne.

„Viele Menschen würden die Vorstellung, dass Insekten bewusst sind, sehr ernst nehmen.“

Milliarden einzelner Fliegen, vielleicht sogar Billionen, wurden gezüchtet, untersucht und genetisch verändert, ohne dass ihrem Wohlergehen nennenswerte Beachtung geschenkt wurde.

Bei diesem Gedanken läuft mir ein Schauer über den Rücken, und ich hoffe, dass es Ihnen ebenso geht.

Und selbst wenn man sich der Gefahr bewusst ist, Tiere zu vermenschlichen – männliche Fruchtfliegen sind in ihrer Vorliebe für Alkohol schließlich nicht einfach mit Männern gleichzusetzen –, lässt sich kaum bestreiten, dass die Erkenntnisse, die wir über die Gefühle und das Innenleben unserer Mitgeschöpfe gewinnen, etwas Wunderbares und Verbindendes an sich haben. (New Scientist, docs.google, Übersetzung: ChatGPT)