"Die Menschheit könnte daraus etwas lernen.
Wir müssen nur zusammenarbeiten, und dieser Albtraum wird vorbei sein.
Wieder einer dieser Posts, die sich wie die feuchte Hoffnung eines
Menschen lesen, der sich für den Protagonisten eines moralisch
überhöhten Endzeitfilms hält. Eine Handvoll Bienen, die eine Hornisse
überwältigen – und schon wird das Bild bemüht: „Die Menschheit könnte daraus etwas lernen. Wir müssen nur zusammenarbeiten, und dieser Albtraum wird vorbei sein.“
Diese Sorte Satz ist wie ein seichtes Klavierstück, das im Hintergrund
läuft, während ein NPC in einem Rollenspiel bedeutungsschwer in die
Ferne blickt.
Was soll das überhaupt heißen? „Wir“ – wer ist das? Und „zusammenarbeiten“
– wozu genau? Damit es „wieder so wird wie früher“? Oder soll es eine
Revolution sein, geführt von genau den Leuten, die ihre geistige Energie
täglich in Lattes, Lifestyletipps und dem neuesten Serienfutter
ertränken?
Diese Idee, dass ausgerechnet diese Menschheit – diese taumelnde, egogesteuerte, auf Effekt und Konsum gezüchtete Herde – sich zusammentun würde, um irgendeine Form von strukturellem Albtraum zu überwinden, ist nicht naiv. Sie ist absurd.
Sie ist ein Trugbild, das sich die
angepassten Seelen zurechtschneidern, damit sie ihren eigenen Platz in
der Misere nicht als Mittäterschaft begreifen müssen.
Der Albtraum ist nicht das, was über uns hereinbricht. Er ist das, was wir sind.
Dieses System – dieser planetenvernichtende Dauerbetrieb, diese hohle Gesellschaft aus Selfies, Selbstvermarktung und Dauergeplapper – ist kein Unfall. Es ist das logische Endprodukt dessen, was der Homo sapiens hervorbringt, wenn man ihn nicht mehr im Zaum hält.
Und dann kommt da jemand mit einem Bienenclip und meint, daraus eine Metapher für Hoffnung destillieren zu müssen.
Nein. Die Bienen sind keine Allegorie auf die menschliche Gemeinschaft.
Sie folgen Instinkt, nicht Ideologie. Sie kämpfen, weil es das ist, was
sie tun müssen, um zu überleben.
Menschen hingegen kämpfen in der Regel nur, wenn es Likes bringt oder
wenn ihnen etwas weggenommen wird, von dem sie glauben, es stünde ihnen
zu.
„Zusammenarbeiten“ heißt in der Realität: sich gegenseitig
übervorteilen, ausnutzen, manipulieren, und das Ganze mit einem netten
Hashtag dekorieren.
Und der Albtraum?
Der ist nicht vorbei, wenn alle zusammenhalten.
Er ist vorbei, wenn das Getier, das ihn träumt, endlich ausstirbt.
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