Samstag, 26. September 2026

"Ich wurde vor 13,7 Milliarden Jahren zum Tode verurteilt"


Stoned Meadow Of Doom schlägt mir eine EP von Takashi Mizutani Is Dead mit dem Titel "Kozmik Death Ritual" vor.

Das klingt zu gut, um nicht reinzuhören.


Wer zum Fick ist oder vielmehr war eigentlich Takashi Mizutani?

"Tatsächlich beruht das meiste, was über den vor sechs Jahren verstorbenen Musiker und die Geschichte seiner Band bekannt ist, auf Spekulationen, Hörensagen oder halberinnerten Anekdoten. Die Gruppe nannte sich auf Japanisch 裸のラリーズ, Hadaka no Rarīzu, und ist heute vor allem als Les Rallizés Dénudés bekannt. Und nein, es weiß niemand so recht, was »rallizés« heißen soll – obwohl es dazu einige Theorien gibt...

Fest steht, dass die Gruppe nie ein einziges Studioalbum aufgenommen und nur selten Interviews gegeben hat. Die Fans mussten sich mit einer verstreuten Sammlung von Aufnahmen begnügen, auf der eine sich ständig im Wandel befindliche Live-Band zu hören war, die ihre Songs gelegentlich über die 30-Minuten-Marke hinaus ausdehnte und selbst dann nicht mit dem Spielen aufhörte, wenn ihr jemand buchstäblich den Stecker zog...

Am 30. März 1970 stiegen der ehemalige Bassist Wakabayashi und andere mit Katanas und einer Nagelbombe bewaffnet in ein Passagierflugzeug in Tokio ein. Sie zwangen den Piloten, in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang zu fliegen, wo Wakabayashi bis heute lebt." (Der komplizierte Mythos um Les Rallizés Dénudés)


Mkay, jetzt möchte ich mehr wissen.

"Was kannst Du mir über Les Rallizes Dénudés und speziell den Bassisten Moriaki Wakabayashi erzählen?"

SuperGrok:
"Les Rallizes Dénudés (jap. 裸のラリーズ, Hadaka no Rarīzu) sind eine der mythenumwobensten Bands der japanischen Underground-Geschichte: fast drei Jahrzehnte aktiv, fast keine offiziellen Platten zu Lebzeiten des Frontmanns, extrem laute, feedbackgesättigte Live-Shows, ein ständig wechselndes Line-up – und ein Gründungsmitglied, das 1970 an der Entführung einer Passagiermaschine beteiligt war und bis heute in Nordkorea lebt.

BOMB Magazine | Les Rallizes Dénudés's The Oz Tapes 

Die Band: Kyoto 1967, Feedback als Programm

Die Gruppe entstand im November 1967 an der Doshisha-Universität in Kyoto um den damals 19-jährigen Takashi Mizutani (Wasser-谷 孝, 1948–2019), der Soziologie und französische Literatur studierte. Mit dabei waren Gitarrist Takeshi Nakamura (später Fotograf unter dem Namen Kyo Nakamura) und Bassist Moriaki Wakabayashi. Kurz darauf kam Schlagzeuger Takashi Kato dazu.

Der Name ist bewusst kryptisch. Häufige Erklärungen:

  • Verballhornung von valise dénudée („nackter/leerer Koffer“), angeblich Slang der avantgardistischen Theatergruppe Gendai Gekijo für einen „Hohlkopf“ bzw. ein nutzloses Objekt.
  • Mizutani-Wortspiel mit japanisch rariru (high sein) plus französisch dénudés (nackt) – „die nackten Highs“.
  • Andere Deutungen ziehen Burroughs’ Naked Lunch oder einfach Mizutanis Faible für französische Philosophie heran.

Musikalisch ist das Rezept paradox und sehr wirksam: hypnotisch einfache, oft stundenlang gehaltene Grundmuster (Basslinien, die an Doo-Wop oder sogar Popsongs wie „I Will Follow Him“ erinnern), darüber Mizutanis hallgetränkte, manchmal fast croonende Stimme – und dann lawinenartige Gitarrenwände, Feedback, Fuzz, Phaser. Frühe Einflüsse: Velvet Underground (White Light/White Heat), Blue Cheer, ESP-Disk-Free-Jazz, The Jacks. Die Lautstärke war Programm. Makoto Kubota, der 1970 dazustieß, erinnerte sich: Er habe noch nie so viel Volume erlebt, sein Körper habe geschmerzt.

Die Band spielte in der studentischen Protestzeit – Anpo-Kämpfe, Universitätsbesetzungen, Sanrizuka – auch in politisch aufgeladenen Räumen (u. a. das legendäre „Barricades A Go-Go“-Konzert in einem besetzten Hörsaal). Sie war aber keine Parteiband. Mizutani blieb politisch undurchsichtig; das Line-up wechselte ständig, weil viele Musiker der Szene näherstanden als einer festen Organisation.

Aktivphasen: 1967–1988, dann kurz 1993–1996. Letztes Konzert unter dem Bandnamen: Oktober 1996 im Club Citta’ in Kawasaki. 1997 spielte Mizutani noch mit Arthur Doyle und Sabu Toyozumi. Danach verschwand er fast vollständig. Sein Tod im Dezember 2019 wurde erst 2021 öffentlich, als eine offizielle Website und das Label The Last One Musique (mit Kubota) auftauchten. Seit 2022 erscheinen systematisch restaurierte Archive: The OZ Tapes, Remaster der drei 1991er-CDs (’67-’69 Studio et Live, Mizutani / Les Rallizes Dénudés, ’77 Live), CITTA’ ’93, YaneUra-Mitschnitte 1980, Jittoku ’76, 2026 Disque 4. Das hat den Mythos nicht zerstört, aber endlich hörbar gemacht.

Einstiegspunkte für Hörerinnen und Hörer: ’77 Live (der Klassiker der Bootleg-Ära), The OZ Tapes (1973, vergleichsweise klar), die zarteren Stücke auf Mizutani / Les Rallizes Dénudés (psych-folk, fast das Gegenteil der Live-Hölle) und The Last One in möglichst vielen Versionen – das Stück, mit dem sie Konzerte oft beendeten.


Moriaki Wakabayashi: Gründungsbassist, dann Yodogō

若林 盛亮 (26. Februar 1947 in Kusatsu, Präfektur Shiga) ist der Gründungsbassist – aber nur für wenige Monate. Er kam über die Doshisha-Universität in die Band, hatte nach eigenen späteren Aussagen zuvor kaum Instrumentenerfahrung und verließ die Gruppe um Mai 1968, als sie sich professionalisierte (Probenhaus, fester Schlagzeuger). In seinen Erinnerungen schreibt er ausdrücklich, er habe als Musiker „nichts beigetragen“.

Danach verlagerte sich sein Leben vollständig in die radikale Linke der späten 1960er: Demonstrationen, 1969 Verhaftung bei der Räumung der Yasuda-Aula der Universität Tokio, Haft, nach der Freilassung Anschluss an die Rote-Armee-Fraktion der Kommunistischen Liga (Kyōsandō Sekigun-ha), Vorläuferin der späteren Japanese Red Army.

Am 31. März 1970 gehörte er zu den neun jungen Männern, die Japan-Airlines-Flug 351 (Boeing 727, Spitzname „Yodogō“, Tokio–Fukuoka) entführten. Bewaffnet u. a. mit Schwertern und selbstgebauten Sprengsätzen forderten sie zunächst Kuba, dann Pjöngjang. Nach Zwischenlandungen in Fukuoka und einem Täuschungsversuch in Seoul (Gimpo als „Pjöngjang“ inszeniert) landete die Maschine am 3. April in Nordkorea. Die Geiseln kamen frei; die Entführer erhielten Asyl und leben seither im sogenannten „Japaner-Dorf“ bei Pjöngjang. Wakabayashi steht bis heute auf der internationalen Fahndungsliste.

Wichtige Nuancen, die in der Rockfolklore oft verschwimmen:

  • Er war zum Zeitpunkt der Entführung schon zwei Jahre nicht mehr in der Band. Die Rallizes existierten weiter, mit anderen Bassisten (u. a. Takashi Tada, später Makoto Kubota, Mikio Nagata, „Doronco“).
  • Die Entführung war kein „Band-Akt“. Mizutani und die übrigen Mitglieder waren nicht beteiligt. Gerüchte, Mizutani sei gefragt worden und habe abgelehnt, kursieren; belastbar belegt ist das nicht.
  • Der Vorfall färbte trotzdem auf das Image: Paranoia-Geschichten um Mizutani, ein Bootleg-Titel wie Yodo-Go-A-Go-Go, die dauerhafte Verknüpfung von Feedback-Mythos und militanter Neuer Linker.

In Nordkorea heiratete Wakabayashi 1976 Sakiko Wakabayashi. Das Paar hat zwei Söhne; beide kehrten später nach Japan zurück (2002 bzw. 2009). Die japanische Polizei wirft seiner Frau Beteiligung an Entführungsfällen von Japanerinnen in Europa vor; auch sie ist international ausgeschrieben. Die Yodogō-Gruppe selbst bestreitet die Vorwürfe und hat darüber Bücher veröffentlicht. Historisch fest steht: Die Gruppe wurde von Nordkorea aufgenommen, blieb dort gebunden, und mehrere Mitglieder starben im Exil. Stand September 2026 gelten nach Berichten über den Tod von Shiro Akagi noch drei der damaligen Entführer als in Nordkorea lebend, darunter Wakabayashi (79).

2010 sagte er der Agentur Kyodo, die Entführung sei „selbstsüchtig und eingebildet“ gewesen; er wolle nach Japan zurückkehren und sich einem Prozess stellen. Eine Rückkehr kam nicht zustande. Er schreibt weiter Essays und Erinnerungsserien (u. a. Lock und Revolution in Kyoto 1964–1970 bei Rokusaisha), trifft gelegentlich Besucher (1999 den Komiker Egashira 2:50, 2011 den Musiker Funky Sueyoshi) und äußerte sich sogar zu Popphänomenen wie Babymetal. Das ist weniger „Rockstar im Untergrund“ als ein alter Revolutionär im staatlich kontrollierten Exil, der seine Jugend nachträglich als Kontinuum von Beatlemanie, Langhaar-Revolte, Band und bewaffnetem Kampf erzählt.


Was das für die Band bedeutet – und was nicht

Die Verbindung ist real, aber oft übergewichtet. Wakabayashi war Gründungsmitglied und verließ die Gruppe, bevor der Sound, für den die Rallizes berühmt wurden, voll ausformuliert war. Die großen Live-Dokumente (’77 Live, OZ 1973, YaneUra 1980, Citta’ 1993) haben andere Rhythmusgruppen. Politisch bleibt die Band ein Spiegel der Kyotoer 68er-Szene, nicht deren bewaffneter Arm.

Zugleich erklärt die Geschichte einen Teil des Kults: extreme Lautstärke als körperliche Erfahrung, Verweigerung des Musikmarkts, ein Frontmann im Schwarz und hinter Sonnenbrille, Bootlegs statt Katalog, und daneben die Tatsache, dass einer der Gründer in einem der spektakulärsten Fälle der japanischen Nachkriegsgeschichte endete. Julian Cope hat das in Japrocksampler zur Legende verdichtet; die neueren Archive und Kubotas Interviews versuchen, den Mythos durch Tapes, Setlists und Erinnerungen von Mitspielern zu ersetzen, ohne ihn ganz aufzulösen.

Wenn du als Nächstes tiefer einsteigen willst: lohnt sich ’77 Live plus die frühen Studio-/Folk-Stücke auf Mizutani, dazu Wakabayashis eigene Kyoto-Texte (sie sind subjektiv und apologetisch, aber eine der wenigen Ich-Quellen zur Gründungszeit). Die offizielle Seite ist lesrallizesdenudes-official.com."












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