Montag, 26. Oktober 2026

Die institutionalisierte Beobachtung der eigenen Handlungsunfähigkeit


Liebe Fahrgäste!

Bitte fahrt nicht mit unseren Bussen, weil wir verdienen nicht genug Geld damit, Eure Ärsche durch die Gegend zu schaukeln.
Falls Ihr wider Erwarten doch mit uns fahren wollt, rechnet bitte damit, daß wir Euch an der Haltestelle stehenlassen.
Am besten seid Ihr flexibel, bringt Zeit mit oder seht selbst zu, wie Ihr von A nach B kommt.

Herzlichst, Ihr/Euer ÖPNV


"Wenn am Montag, 26. Oktober, die Schule nach den Herbstferien wieder beginnt, könnte es in den Stadtbussen eng werden. Das kommunale Verkehrsunternehmen Aktiv Bus rechnet insbesondere in der morgendlichen Hauptverkehrszeit zwischen 7:00 und 8:00 Uhr mit einer starken Nachfrage. Auf einzelnen Fahrten könnten die vorhandenen Kapazitäten nicht ausreichen.

Die ersten Tage nach den Herbstferien gelten für den öffentlichen Personennahverkehr traditionell als besondere Herausforderung. Neben den zahlreichen Schülern nutzen mit Beginn der kühleren Jahreszeit auch wieder mehr Berufstätige den Bus. Hinzu kommt das Deutschland-Schulticket, das die Nachfrage im Schülerverkehr zusätzlich erhöht.

Bereits im vergangenen Jahr waren nach den Herbstferien mehrere Busse so stark ausgelastet, dass nicht alle wartenden Fahrgäste mitgenommen werden konnten. Einige mussten auf nachfolgende Verbindungen ausweichen. Eine ähnliche Situation hält Aktiv Bus auch in diesem Jahr für möglich. Das Unternehmen kündigt deshalb an, die Auslastung der Busse in den kommenden Tagen intensiv zu beobachten. 👉🔍!

„Wir bedauern die Unannehmlichkeiten und hoffen, dass sich das Fahrgastaufkommen nach den ersten Tagen etwas besser auf die Fahrplanfahrten und die insgesamt zwölf Einsatzbusse verteilt, wenn Fahrgäste eher einen früheren oder späteren Bus wählen“, erklärt Aktiv-Bus-Geschäftsführer Paul H..

Eine kurzfristige Ausweitung des Angebots schließt das Unternehmen allerdings aus. „Eine Ausweitung der Leistung ist angesichts unserer wirtschaftlichen Lage und der bundesweiten Unterfinanzierung des ÖPNV ausgeschlossen“, betont H..

Aktiv Bus empfiehlt seinen Fahrgästen daher, insbesondere für Fahrten am frühen Morgen mehr Zeit einzuplanen und nach Möglichkeit auf frühere oder spätere Verbindungen auszuweichen. Gleichzeitig bittet das Unternehmen um Verständnis für die begrenzten Möglichkeiten, auf die erwarteten Engpässe zu reagieren." (foerde.news)

 
"Besonders schön finde ich die Aufforderung, auf einen früheren oder späteren Bus auszuweichen. Das hat etwas von der Empfehlung eines Bäckers, seine Brötchen doch bitte außerhalb der Frühstückszeit zu kaufen.

Oder eines Krankenhauses, das seine Patienten bittet, möglichst dann krank zu werden, wenn gerade Betten frei sind.

Was mir an der Mitteilung von Aktiv Bus besonders auffällt, ist allerdings die stillschweigende Umkehrung des Dienstleistungsgedankens.

Normalerweise sollte sich das Angebot eines öffentlichen Verkehrsbetriebs am Bedarf der Bevölkerung orientieren. Hier soll sich die Bevölkerung offenbar am unzureichenden Angebot des Verkehrsbetriebs orientieren.

Das wird dann als Flexibilität verkauft.

Und die Formulierung, man werde die Auslastung der Busse in den kommenden Tagen „intensiv beobachten“, verdient besondere Aufmerksamkeit. Denn unmittelbar danach erklärt das Unternehmen, eine Ausweitung der Kapazitäten sei ausgeschlossen.

Man kündigt also an, ein bereits bekanntes Problem sorgfältig zu beobachten, während man gleichzeitig ausschließt, es durch zusätzliche Verkehrsleistungen zu beheben.

Das ist beinahe eine eigenständige Verwaltungskunst: die institutionalisierte Beobachtung der eigenen Handlungsunfähigkeit.

Dabei muss man fairerweise zwischen dem Verkehrsunternehmen und seinem kommunalen Auftraggeber unterscheiden. Wenn die öffentliche Hand eine ausreichende Finanzierung verweigert, kann Aktiv Bus nicht beliebig zusätzliche Fahrer und Fahrzeuge bereitstellen. Die Kritik trifft dann auch die politischen Entscheidungsträger.

Aber das macht die Angelegenheit eigentlich noch absurder.

Denn hier haben wir ein öffentliches Verkehrssystem, das Menschen zum Umstieg vom Auto bewegen soll, gleichzeitig aber erklärt, dass es mit der bereits vorhandenen Nachfrage überfordert ist.

Die Nachfrage ist da. Das Angebot kann nicht mithalten. Und als Lösung empfiehlt man den Nachfragenden, weniger nachzufragen.

Der eigentliche Treppenwitz besteht darin, dass dieses Problem nicht einmal überraschend auftritt. Schulbeginn nach den Herbstferien ist kein unvorhersehbares Naturereignis. Er steht seit Monaten im Kalender.

Vielleicht wäre das die passende Überschrift für einen kleinen Blogbeitrag:

„ÖPNV in Flensburg: Fahrgäste stören den Betriebsablauf.“

Und darunter der neue Werbeslogan:

„Aktiv Bus – wir bringen Sie ans Ziel. Vorausgesetzt, Sie wollen nicht alle gleichzeitig dorthin.“" (ChatGPT)

 

 

 

 

 

 

 

 

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