Ein Bekannter hat mir zwei Büroschränke aufs Auge gedrückt, die aus der hiesigen Zweigstelle einer großen deutschen Versicherungsgruppe stammen.
Die Schränke sind solide Geräte, massives Holz und so, ursprünglich für die Bundeswehr gebaut. "Dat is keen Schiet.", wie die schon etwas länger hier LebendInnen zu sagen pflegen.
Zu schade für den Sperrmüll, zumal mein Plastik-Werkzeugschrank sowieso am Ende ist.
In einer der Schubladen: Etwas Glitter, eine Büroklammer & eine Autogrammkarte des Bezirksbeauftragten.
Hin & wieder habe ich bei Wasser und trocken Brot mit mir und meinem Schicksal gehadert, aber jetzt, zu später Stunde, sehe ich - es hatte alles seinen Sinn. Amor fati.
ChatGPT:
Die Vögel bauen, hingegen –
kein waches Werk vollbringe ich,
der Zeit Eunuch,
und mühe mich nur vergebens.
[Strophe 1]
Ich sitze hier und seh den Vögeln zu.
Ein Zweig, ein Halm, ein bisschen Lehm.
Die haben keine Projektbeschreibung,
kein Passwort und kein Problem.
Kein Meeting über Nestbau Strategien,
kein Dashboard für den Materialbestand.
Kein Vogel muss dem andern Vogel
erklären, warum er gerade einen Halm fand.
Ich dagegen bin beschäftigt.
Von morgens acht bis abends fünf.
Ich fülle Felder aus mit Daten,
die niemand braucht und keiner prüft.
Ich schiebe Zahlen durch die Gegend,
verschicke Mails an einen Kreis
von Leuten, die dasselbe machen,
und jeder nennt es Arbeitsnachweis.
Am Ende steht ein grünes Häkchen.
Das System sagt: Gut gemacht.
Ich hab acht Stunden meines Lebens
an einem Bildschirm zugebracht.
[Refrain]
Und nichts bleibt zurück.
Kein Stein, kein Baum, kein Stück.
Kein Zeichen, dass ich einmal war,
kein Abdruck, nicht einmal für ein Jahr.
Nicht einmal Spuren im Sand,
nicht einmal das, was die Flut verschlang.
Sie muss nicht kommen, muss nichts verwehn.
Wo nichts gewesen ist, kann nichts vergehn.
[Strophe 2]
Um fünf ist endlich Feierabend.
Jetzt gehört die Zeit wieder mir.
Ich setz mich vor den nächsten Bildschirm.
Der steht nicht weit von hier.
Ich klicke Kästchen, ja und nein,
ich scrolle mich durch fremdes Leben.
Millionen Menschen haben Meinungen.
Ich darf ein Däumchen dazugeben.
Ich seh die Welt in kleinen Fenstern,
Krieg und Katzen, Mord und Sport.
Ein Fingerstrich, und alles ist verschwunden.
Das nächste Elend kommt sofort.
Ich kenne Leute, die ich nie getroffen,
und Dinge, die ich nie getan.
Ich weiß, was gestern irgendwer gepostet hat,
doch nicht, was ich letzten Dienstag sah.
Ich konsumiere Informationen,
bis mein Kopf nichts mehr behält.
Ich bin bestens unterrichtet
über eine fremde Welt.
Dann geh ich schlafen, ziemlich müde.
Nicht weil ich irgendwas geschafft.
Nur weil das ständige Reagieren
einen auf die Dauer fertig macht.
[Refrain]
Und nichts bleibt zurück.
Kein Stein, kein Baum, kein Stück.
Kein Zeichen, dass ich einmal war,
kein Abdruck, nicht einmal für ein Jahr.
Nicht einmal Spuren im Sand,
nicht einmal das, was die Flut verschlang.
Sie muss nicht kommen, muss nichts verwehn.
Wo nichts gewesen ist, kann nichts vergehn.
[Strophe 3]
Ich hab mal irgendwo gelesen,
dass jeder Mensch sein Leben schreibt.
Ich frag mich manchmal, wer das liest,
und ob am Ende irgendetwas bleibt.
Ein Vogel baut ein Nest aus Zweigen.
Ein Mensch baut sich ein Profil.
Der Vogel hat am Abend ein Zuhause.
Der Mensch hat einen neuen Highscore im Spiel.
Ich habe tausend Dinge angesehen,
doch kaum etwas davon erlebt.
Hab mich durch fremde Träume navigiert,
während mein eigenes Leben weitergeht.
Die Jahre liegen hinter mir
wie Seiten ohne Schrift.
Ein endlos langer Ladebalken,
der irgendwann auf hundert trifft.
Dann steht da: Vorgang abgeschlossen.
Vielleicht erscheint ein kleines Licht.
Die Daten werden noch gespeichert.
Mich selber braucht das System dann nicht.
[Bridge]
Da draußen ist das Nest jetzt fertig.
Es hängt ein bisschen schief.
Es ist nicht besonders groß.
Es wird den Winter kaum überstehen.
Aber es ist da.
Ein paar Halme.
Ein paar Zweige.
Ein kleines, windschiefes Etwas.
Zwei Vögel haben es gebaut.
Und ich?
Ich hab heute siebenundvierzig Mails verschickt.
Drei Passwörter eingegeben.
Zwei Nutzungsbedingungen akzeptiert.
Sechsundneunzig Meldungen gelesen.
An keine kann ich mich erinnern.
[Letzte Strophe]
Vielleicht ist das die ganze Sache.
Nicht tragisch. Nicht besonders schwer.
Man ist für eine Weile anwesend,
dann ist der Platz wieder leer.
Kein Drama und kein großes Scheitern,
kein Absturz, kein verlorner Krieg.
Ich habe einfach nichts geschaffen,
und trotzdem war ich immer im Betrieb.
Ich habe nichts versäumt zu erledigen.
Nur mein Leben irgendwie.
[Outro]
Die Vögel bauen.
Ich sehe ihnen zu.
Morgen ist Montag.
Die Flut kann sich die Mühe sparen.
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| Ich bin so glücklich |



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