Samstag, 24. Oktober 2026

Wir sind Helden


"Neue Studie: Der Klimawandel hat eine beginnende Eiszeit gestoppt" (DerStandard)

"Menschgemachte Erderwärmung verhinderte wohl neue Eiszeit, so neue Forschung" (Frankfurter Rundschau)

Wat?


Jetzt ist der Klimawandel also auf einmal etwas Gutes, weil wir sonst hier alle fucking erfrieren würden?!

Texteinleitung bei der FR:
"Der durch menschliche Aktivitäten verursachte Anstieg von Treibhausgasen hat den natürlichen Beginn einer neuen Eiszeit auf der Erde unterbrochen. Wie das US-Technologiemagazin Wired berichtete, zeigt eine wissenschaftliche Untersuchung der Barnes-Eiskappe in Kanada, dass das jahrhundertelange Wachstum des Eises im 20. Jahrhundert durch die rapide Zunahme der Kohlenstoffverschmutzung gestoppt wurde."

Ja, und... ist das jetzt gut oder schlecht? Der Rest des Artikels beantwortet die Frage eigentlich nicht.

Texteinleitung beim Standard: "Wer auf die nächste Eiszeit wartet, hat sie womöglich schon verpasst: Forschenden um Nicolás Young zufolge setzte sie bereits vor rund 2000 Jahren ein und kam im 20. Jahrhundert wieder zum Erliegen, ausgebremst von der menschengemachten Erderwärmung. "Es hatte gerade erst angefangen, alles lief normal, die nächste Vergletscherung stand unmittelbar bevor, und trotzdem hörte es auf", sagt der Geochemiker von der New Yorker Columbia University. Für ihn ist das ein sehr eindrückliches Beispiel dafür, wie heftig die Menschheit das Klimasystem durchgerüttelt hat."
Durchgerüttelt, wie? Ha ha. Aber ist das jetzt gut oder schlecht?

"Wenn hier von Eiszeit die Rede ist, wird der Begriff freilich weitgehend umgangssprachlich verwendet. Streng genommen leben wir nämlich ohnehin mitten in einer, dem Spätkänozoischen Eiszeitalter, das vor rund 34 Millionen Jahren begann. Innerhalb dieses Zeitalters lösen Kaltzeiten und Warmzeiten einander ab, und was im Alltag als Eiszeit bezeichnet wird, ist in der Regel eine Kaltzeit. Die bislang letzte endete vor etwa 11.700 Jahren, seither herrscht eine Warmzeit. Auch sie ist also nur ein Abschnitt innerhalb des großen Eiszeitalters."


Also - "wir" leben gleichzeitig in einer Eiszeit UND einer Warmzeit?

Der Rest des Artikels ist ein wirrer Wortsalat, der wohl sowas sagen will wie "Alles ist Scheiße, wir sind am Arsch, aber wenigstens wird's in nächster Zeit nicht so kalt."

Was sagt denn das ehemalige Sturmgeschütz der Demokratie zu der Sache?
Überschrift: "Eine Eiszeit stand Forschenden zufolge kurz bevor – dann kam der menschengemachte Klimawandel" (Der Lügel)

"Eine Analyse des größten Eisschilds Nordamerikas deutet darauf hin, dass der menschengemachte Klimawandel inzwischen die natürliche Dynamik des Erdklimas überlagert." Ok, das kann doch aber nichts Gutes sein, oder?

Weiter im Text "Der Laurentidische Eisschild bedeckte auf dem Höhepunkt der vorigen Eiszeit vor etwa 20.000 Jahren fast ein Drittel von Nordamerika – darunter den größten Teil des heutigen Kanadas. Danach schrumpfte der einst kilometerdicke Eispanzer und erreichte sein Minimum vor etwa 3600 Jahren, wie ein überwiegend US-amerikanisches Forschungsteam im Fachjournal Science schreibt."

Ja, gut. Niemand will, daß ein Drittel von Nordamerika heute von einem Eispanzer bedeckt wäre. Ausser vielleicht jeder Mensch, der ausserhalb von Nordamerika lebt.

Vor 2000 Jahren hat sich dieser Eispanzer angeschickt, der Menschheit diesen Gefallen zu tun, wurde aber ab ca. 1960 gebremst & es "hat sich der Eisrand bis 2022 wieder um etwa 200 bis 800 Meter zurückgezogen. Dies führt das Team hauptsächlich auf deutlich gestiegene Sommertemperaturen zurück.

Dies veranschauliche die Folgen der Erderwärmung durch die vom Menschen ausgestoßenen Treibhausgase. »Die nächste Eiszeit stand kurz bevor – und doch blieb sie aus«, wird der Geochemiker Young in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. »Es ist ein sehr eindrückliches Beispiel dafür, wie wir das System erschüttert haben.«"

Ja. Also was jetzt - ist das gut oder schlecht?
"»Da die atmosphärischen CO₂-Konzentrationen weiter ansteigen, ist eine Rückkehr zu glazialen Bedingungen äußerst unwahrscheinlich«, betont die Forschungsgruppe."
Aha. Es gibt also bis auf Weiteres keine Eiszeit. Also ist alles gut, oder?
Wahrscheinlich nicht. Ganz bestimmt nicht.

Aber es ist schon auffällig, daß plötzlich überall diese Überschriften zu lesen sind in Richtung "Der Mensch verhindert die Eiszeit".
Was soll das?

"Vielleicht ist es ein Trick, um die "Klima-Skeptiker" hereinzulegen. Wenn sie die Schlagzeile "Menschheit verhindert Eiszeit" lesen, trompeten sie triumphierend "AHA!!! Seht Ihr?! Ich habe mit meinem hausgroßen PKW und gigantischen ökologischen Fußabdruck die Welt gerettet! Jetzt kaufe ich mir den GM Hummer um die Welt NOCH VIEL MEHR zu retten!" Und dann fragt man sie: "Ach, es GIBT also doch einen menschengemachten Klimawandel?" Wie wäre es mit einem Text dazu?"

ChatGPT:
Halt mal meinen Masala Chai für 38 Sekunden.

Die Eiszeitfalle

Wie man Klimaskeptiker mit einer guten Nachricht in den Wahnsinn treibt

Es gibt Tage, an denen man den Eindruck gewinnt, das Universum habe doch einen Sinn für Humor. Einen ziemlich schwarzen allerdings.

Jahrzehntelang haben Wissenschaftler, Politiker und Journalisten versucht, den Menschen davon zu überzeugen, dass er durch die Verbrennung fossiler Energieträger das Klima verändert. Vergebens. Zumindest bei einem Teil der Bevölkerung, der sich lieber von einem pensionierten Ingenieur auf YouTube erklären lässt, warum 99 Prozent der Klimaforschung Unsinn sind.

Aber jetzt könnte der gordische Knoten endlich durchschlagen sein.

Und zwar mit einer einzigen Schlagzeile:

„Menschengemachte Erderwärmung verhinderte wohl neue Eiszeit.“

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Die Menschheit hat eine Eiszeit verhindert!

Nicht irgendeine dahergelaufene Bürgerinitiative, keine selbsternannten Klimaaktivisten mit Sekundenkleber und Abitur, sondern wir alle. Gemeinsam. Mit Kohlekraftwerken, Flugreisen, Kreuzfahrtschiffen, SUVs und einem unerschütterlichen Vertrauen in die heilende Kraft des Verbrennungsmotors.

Es stellt sich heraus: Wir haben die Welt gerettet, indem wir sie ruiniert haben.

Der Klimaretter mit 600 PS

Man kann sich die Begeisterung in einschlägigen Kreisen lebhaft vorstellen.

Endlich ist es wissenschaftlich erwiesen! Die ganze Zeit hatte man recht! Nicht diese hysterischen Weltuntergangspropheten mit ihren Wärmepumpen und Lastenfahrrädern, sondern der deutsche Mittelstand mit seinem 2,8 Tonnen schweren Geländewagen und der festen Überzeugung, dass Hubraum durch nichts zu ersetzen ist.

Außer durch noch mehr Hubraum.

Der Mann, der bisher jeden Freitag demonstrativ seinen Achtzylinder vor der örtlichen Fridays-for-Future-Kundgebung im Leerlauf laufen ließ, darf sich nun als Pionier des planetaren Katastrophenschutzes betrachten.

Die Kinder sollten ihm eigentlich dankbar sein.

Wo wären sie heute ohne seinen persönlichen CO₂-Ausstoß? Vermutlich schon bis zu den Knien im Permafrost.

Und der GM Hummer? Kein monströses Symbol einer automobilen Zivilisation im Endstadium ihrer geistigen Entwicklung, sondern ein rollendes Klimaschutzprogramm.

Zumindest der klassische Hummer mit Verbrennungsmotor. Die elektrische Variante wäre unter diesen Gesichtspunkten ein bedauerlicher Rückschritt.

Vielleicht sollte man fossile Brennstoffe künftig staatlich fördern.

Jeder Liter Benzin ein Schlag gegen die Eiszeit!

Jede Flugreise ein Sieg über den Gletscher!

Jedes Kreuzfahrtschiff ein schwimmender Eisbrecher der Freiheit!

Burn, baby, burn! Save the planet!

Und dann kommt die Fangfrage

Doch mitten in die kollektive Siegesfeier platzt eine unscheinbare Frage.

Eine jener Fragen, die so harmlos aussehen, dass man sie leicht übersieht, bevor sie einem die Beine unter dem argumentativen Körper wegziehen.

„Moment mal. Ihr sagt also, der Mensch hat durch seinen CO₂-Ausstoß tatsächlich das globale Klima verändert?“

„Ja, natürlich! Wir haben eine Eiszeit verhindert! Steht doch überall! Sogar im SPIEGEL!“

„Das heißt, ihr erkennt an, dass menschliche Aktivitäten die globale Durchschnittstemperatur beeinflussen können?“

„Selbstverständlich! Sonst hätten wir ja die Eiszeit nicht verhindern können!“

„Und dass der Ausstoß von Treibhausgasen dabei eine entscheidende Rolle spielt?“

„Genau! Und deshalb werde ich mir jetzt einen Hummer kaufen!“

„Interessant. Vor einer Woche habt ihr noch behauptet, der Mensch könne das Klima überhaupt nicht beeinflussen.“

Stille.

Man hört eine Kaffeetasse klirren.

Irgendwo in der Ferne bellt ein Hund.

Ein Diesel nagelt im Leerlauf.

Dann beginnt es hinter den Stirnen zu arbeiten.

Nicht viel. Aber immerhin.

Schrödingers Klimawandel

Und damit sind wir beim eigentlichen Problem.

Der menschengemachte Klimawandel existiert nämlich nur dann, wenn er etwas Gutes bewirkt.

Ist die Erde zu warm, dann sind das natürliche Zyklen, Sonnenaktivität, Vulkane oder die geheimnisvollen Machenschaften einer globalistischen Wettermafia.

Wird dagegen eine Eiszeit verhindert, ist es selbstverständlich das großartige Werk des Homo sapiens, der mit seinen Kohlekraftwerken und Autobahnen der Natur erfolgreich ein Schnippchen geschlagen hat.

Schrödingers Klimawandel: gleichzeitig menschengemacht und nicht menschengemacht. Der Zustand entscheidet sich erst, wenn man weiß, ob einem das Ergebnis politisch in den Kram passt.

Natürlich ist das Prinzip nicht auf Klimaskeptiker beschränkt. Es gehört zu den erstaunlich universellen Eigenschaften des menschlichen Verstandes, widersprüchliche Überzeugungen nicht etwa miteinander abzugleichen, sondern in getrennten Schubladen aufzubewahren.

Solange man nicht beide Schubladen gleichzeitig öffnet, funktioniert das hervorragend.

Und wenn doch, gibt es immer noch die Möglichkeit, die Person, die darauf aufmerksam macht, als linksgrün versifften, klimahysterischen Systemling zu beschimpfen.

Problem gelöst.

Die perfideste Falle aller Zeiten?

Vielleicht ist die ganze Angelegenheit ja tatsächlich eine raffinierte psychologische Operation.

Vielleicht haben sich irgendwo in einem fensterlosen Konferenzraum Wissenschaftler, Kommunikationsberater und Redakteure zusammengesetzt, um den letzten großen Schlag gegen den organisierten Klimaskeptizismus vorzubereiten.

„Meine Herren, wir haben alles versucht. Temperaturkurven, Satellitendaten, Eisbohrkerne, Klimamodelle. Sie glauben uns nicht.“

„Was schlagen Sie vor?“

„Wir sagen ihnen, dass sie recht haben.“

„Aber sie haben doch nicht recht!“

„Eben. Wir sagen ihnen, dass sie mit ihren Autos die Eiszeit verhindert haben.“

„Genial! Dann müssen sie zugeben, dass der Mensch das Klima verändert!“

„Und wenn sie es zugeben?“

„Dann haben wir sie!“

Ein diabolischer Plan von geradezu bestechender Einfachheit.

Man muss dem Gegner nur erzählen, dass seine größte Umweltsünde in Wirklichkeit eine Heldentat gewesen sei, und schon übernimmt er freiwillig die wissenschaftlichen Grundlagen, die er jahrzehntelang bekämpft hat.

Das ist kein Framing mehr.

Das ist intellektuelles Judo.

Man nutzt die Energie des Gegners, um ihn mit seinem eigenen Weltbild auf die Matte zu legen.

Leider gibt es da noch ein kleines Problem

Die Falle funktioniert nur unter einer Voraussetzung:

Der Betroffene müsste sich daran erinnern können, was er gestern behauptet hat, und sich verpflichtet fühlen, seine heutigen Aussagen damit in Einklang zu bringen.

Eine geradezu rührend optimistische Annahme.

Denn wer sein Weltbild über Jahrzehnte erfolgreich gegen wissenschaftliche Erkenntnisse immunisiert hat, wird kaum an einer einzelnen logischen Inkonsistenz scheitern.

Vermutlich wird er einfach beides glauben.

Dass der Mensch das Klima nicht verändert.

Und dass er mit der Veränderung des Klimas die Welt gerettet hat.

Gleichzeitig.

Ohne dabei auch nur einen Augenblick in Verlegenheit zu geraten.

Schließlich hat die Evolution dem Menschen nicht das Gehirn geschenkt, damit er die Wahrheit erkennt.

Sondern damit er überzeugende Gründe dafür findet, warum er schon immer recht hatte.


Vielleicht erleben wir gerade den größten Triumph der Klimaforschung:

Endlich glauben auch die Klimaskeptiker an den menschengemachten Klimawandel.

Man musste ihnen nur erzählen, dass er eine gute Sache ist.

Und wenn das tatsächlich der Plan war, dann muss man seinen Urhebern eines lassen:

Sie haben die Dummheit nicht bekämpft.

Sie haben sie als erneuerbare Energiequelle erschlossen.

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 


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